Beuys und Kle­ve

Die ersten Schritte am Niederrhein

Illustration Kleve, © Tourismus NRW e.V.

In Kleve hat Joseph Beuys Kindheit und Jugend verbracht, die Stadt, einige Menschen und die Landschaft des Niederrheins haben ihn zeitlebens geprägt. Stadt und Umgebung mit Auewiesen, Feldern, Flüssen und Seen bieten viele sehenswerte Höhepunkte, gerade auch mit Blick auf Beuys. Denn auch er hat hier Spuren hinterlassen.

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Museum Kurhaus Kleve Frontansicht, © Tourismus NRW e.V.

Der Weg der Kunst


Beuys' ers­tes Ate­lier

Die Weite bis zum Horizont bringt Gedanken in Bewegung – und den Körper ebenso. Das Fahrrad ist hier ein beliebtes Fortbewegungsmittel. Radler müssen am Niederrhein kaum Steigungen fürchten, sehenswerte Höhepunkte warten aber sehr wohl am Wegesrand: Die Schwanenburg, weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt, und Beuys‘ erstes Atelier, das im Museum Kurhaus Kleve besucht werden kann, sind zwei Beispiele dafür.

In Kleve ist Joseph Beuys aufgewachsen: Hier hat er seine ersten Schritte gemacht, Radfahren gelernt und die Schule besucht. Letzteres mitunter auch gleichzeitig: Als Schüler soll er mit dem Rad vom obersten Stockwerk des heutigen Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums über die Treppen bis in den Keller gerattert sein.

Die niederrheinische Heimat hat ihn geprägt, aber auch er hat Spuren hinterlassen. In Kleve hat Beuys seinen Weg zur Kunst gefunden und die ersten Werke geschaffen. Im einstigen Kurhaus von Kleve, heute ein Kunstmuseum, können Besucher Beuys erstes Atelier besuchen, sein Frühwerk anschauen und anschließend durch die barocken Gartenanlagen des ehemaligen Kurorts flanieren. Sieben Jahre lang, von 1957 bis 1964, hat Joseph Beuys in seinem Atelier im damals heruntergekommenen Kurhaus gearbeitet. Das Büdericher Ehrenmal, das größte Beuys-Werk im öffentlichen Raum, ist dort entstanden.

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Schwanenburg in Kleve , © Johannes Höhn

Die Stadt mit der Schwa­nen­burg


Eins­ti­ger Kur­ort mit Kunst von heu­te

Kunst und kunstvoll Gestaltetes finden sich auch außerhalb des Museums Kurhaus. So ist gleich gegenüber im ehemaligen Kurhotel die größte Werk-Sammlung des wichtigen Beuys-Lehrers Ewald Mataré zu sehen. Rund um die klassizistischen Gebäude lädt der barocke Park zu Spaziergängen und Entdeckungen ein. Auch Joseph Beuys ist hier wohl von Kindesbeinen an unterwegs gewesen, schließlich wohnte Familie Beuys lange in der Tiergartenstraße 101, nur wenige Hundert Meter vom ehemaligen Kurhaus und den Klever Gärten entfernt.

Identitätsstiftender Mittelpunkt und weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt ist die Schwanenburg, einstiger Stammsitz der Klever Grafen, die den Schwanenritter Lohengrin als Stammvater angesehen haben. Auch für Beuys spielten die mittelalterliche Burg und der sagenhafte Wasservogel eine Rolle: Der Schwan taucht in seinen zeichnerischen Werken immer wieder auf. Teile der Burg können heute bei Führungen besichtigt werden. Vom Schwanenturm aus haben Besucher einen weiten Blick über die Rheinebene bis in die Niederlande.

Apropos Niederlande: Im B. C. Koekkoek-Haus, heute ein Museum für niederländische Landschaftsmalerei der Romantik, traf Beuys regelmäßig Freunde und Kollegen. Der Künstler Barend Cornelis Koekkoek hatte sich das Wohnpalais im Stil der italienischen Renaissance gebaut. Hier gewährte die Stadt Kleve Joseph Beuys 1961 eine Ausstellung, die zwar auswärtige Gäste beeindruckte, innerhalb Kleves aber äußerst kontrovers diskutiert wurde. Heute erinnert dort nichts mehr an diese Zeit, ein Besuch führt vielmehr mitten hinein in die Romantik des 19. Jahrhunderts: Wer durch die repräsentativen Räumlichkeiten mit den vielen Landschaftsbildern und historischen Möbeln geht, erlebt eine Zeitreise in die weiter entfernte Vergangenheit.

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Museum Schloss Moyland mit Burggraben, in Bedburg-Hau, © Johannes Höhn

Schlös­ser, Se­en und nie­der­rhei­ni­sche Land­schaft


Un­ter­wegs im Kle­ver Um­land

Außerhalb der Stadt lohnen weitere Orte jeweils einen Abstecher: Ein herausragendes Beispiel ist die Stiftung Museum Schloss Moyland, in der die weltweit größte Sammlung mit Beuys-Werken zu sehen ist. Die beiden Brüder Hans und Franz Joseph van der Grinten, zu denen Joseph Beuys lebenslang eine enge Freundschaft pflegte, legten den Grundstein für die Sammlung.

Im Klever Stadtteil Donsbrüggen lebte einst eine weitere für Beuys wichtige Persönlichkeit: 1755 wurde Jean Baptiste de Cloots auf Schloss Gnadenthal geboren. Als späterer Aktivist der französischen Revolution nannte sich der Baron Anacharsis Cloots und verfasste eine Fülle revolutionärer Schriften. Beuys fühlte sich diesem gebürtigen Klever geistig so verbunden, dass er mitunter als Joseph Anacharsis Cloots Beuys signierte. Das barocke Herrenhaus ist heute ein Tagungshotel inmitten eines hübschen Parks mit Spiegelsee und Wäldchen.

Wer am Niederrhein zwischen Duisburg und Kleve am Rhein mit dem Rad unterwegs ist, kommt an vielen weiteren sehenswerten Orten vorbei. Etwa am beschaulichen Städtchen Kalkar, das mit seinen gotischen Giebelhäusern, der großen Nikolaikirche sowie zwei mächtigen Windmühlen noch heute einen Eindruck vom mittelalterlichen Wohlstand vermittelt. In Xanten geht’s sogar auf eine Zeitreise bis ins antike römische Reich: Im LVR-Archäologischen Park laden die Überreste der Colonia Ulpia Traiana zu einem historischen Abstecher ein. Und auch die Natur ist äußerst sehenswert, so durchqueren Radler etwa das Naturschutzgebiet Bislicher Insel in der Nähe von Xanten, das als eine der letzten naturnahen Auenlandschaften am Niederrhein vielen Vögeln eine Heimat bietet.

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    Schwan auf Gewässer in Kleve , © Johannes Höhn
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    Goldener Schwan an der Schwanenburg in Kleve, © Peter Schiller, Niederrhein Tourismus
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    Neugotisches Wasserschloss Moyland in Bedburg-Hau, © Johannes Höhn
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    Wegweiser zur Joseph Beuys-Allee in Kleve , © Johannes Höhn

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Illustration Kleve, © Tourismus NRW e.V.