Beuys und Düs­sel­dorf

Lebensstationen entlang des Rheins

Illustration Düsseldorf, © Tourismus NRW e.V.

Wohnort, Schaffensraum, Lern- und Lehrstätte: Düsseldorf ist die Stadt, mit der Joseph Beuys in tiefer Verbundenheit stand. Noch heute ist das starke Band, das der Künstler zwischen sich und der Landeshauptstadt gespannt und gefestigt hat, vielerorts erkennbar. Mal ist es ein offensichtlicher Hinweis wie eine Basalt-Stele des Kunstprojektes „7000 Eichen“, die Reisende auf einer Tour durch die Rheinmetropole ausmachen können. Mal deuten unauffälligere Spuren auf einen Arbeitsplatz oder einen Quell der Inspiration hin.

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Hausnummernschild am Drakeplatz 4 in Düsseldorf, © Johannes Höhn

Das Woh­nate­lier am Dra­ke­platz 4


Le­bens­raum und Kunst­de­pot

Der wohl bedeutendste Ort für den Künstler ist das ehemalige Wohnatelier am Drakeplatz. Das weiße, vierstöckige Haus mit der bronzefarbenen Hausnummer Vier nutzte Joseph Beuys von 1961 bis 1975 sowohl als Wohnhaus für seine Familie wie als Atelier. Hier lebte und arbeitete er, schuf neue Werke, empfing Künstler aus aller Welt und stellte für Freunde aus. Die Räume glichen zuweilen mehr einem Kunstdepot als einem Wohnraum. Alltagsgegenstände wurden zu Skulpturen umgewandelt, seine beiden Kinder spielten drumherum. Ab 1975 bewohnte die Familie das Nachbarhaus, das Haus Drakeplatz 4 blieb für Beuys zeitlebens Atelier und Werkstatt.

Einfühlsame Entdecker können sich heute noch in den magischen Charme dieses Orts hineinversetzen, wenn sie durch die schönen Straßen Oberkassels radeln oder flanieren. Entlang des Weges liegen kleine Cafés, originelle Geschäfte und historische Gebäude wie die kleine Kapelle „Heiligenhäuschen“. Ganz in der Nähe des ehemaligen Wohnateliers bieten die Düsseldorfer Rheinwiesen einen idealen Ort für eine ausgiebige Pause. Von den Grünflächen, auf denen im Sommer sogar Schafe weiden, lässt sich ein weiterer Anlaufpunkt bereits erahnen, der auf der anderen Rheinseite in Ufernähe liegt.

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Backsteinfassaden der Kunstakademie Düsseldorf, © Johannes Höhn

Ler­nen und Leh­ren an der Kunst­aka­de­mie


Von der Stu­di­en­zeit bis zum Raus­wurf

An der Kunstakademie hat Joseph Beuys die Bildhauerei von Joseph Enseling und Ewald Mataré erlernt. In den ehrwürdigen Hallen hat er sein künstlerisches Denken gefestigt und eine kontroverse Diskussion über das Zulassungsverfahren entfacht, die letztendlich zu seinem Rauswurf führte. Hier sprach er als Student mit Kommilitonen über angelegte Projekte und Aktionen, für die er sich etwa an der nahegelegenen Rheinpromenade oder im idyllischen Hofgarten Inspiration holte. Hier trat er als Dozent mit Schülern in den Dialog, um seine Einsicht, dass das freiheitliche Potential der Kunst auf jeden Bereich des Lebens übertragen werden könne, weiterzugeben.

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Kneipe Ohme Jupp Markise, Düsseldorf, © Johannes Höhn

Spu­ren in der Düs­sel­dor­fer Alt­stadt


Blau­es Fens­ter und schwar­zes Ofen­rohr

In der Düsseldorfer Altstadt, die heute noch wegen des weltoffenen Flairs von Einheimischen wie Gästen gleichermaßen geschätzt wird, traf sich Beuys jahrelang in den beliebten Kneipen Ohme Jupp und Zur Uel mit seinen Studenten und Künstlern aus der Düsseldorfer Szene, um über tagesaktuelle Themen zu sprechen. An den Tresen entlang der Ratinger Straße kam neben Alltäglichem auch Politisches zur Sprache. Kein Wunder, dass sich das engagierte Multitalent 1970 schließlich dazu entschied, nicht weit entfernt einen Treff für politische Öffentlichkeitsarbeit zu eröffnen. Heutzutage ist von der ehemaligen Zentrale an der Andreasstraße nur noch ein blaues Himmelsfenster übrig, das nun zu einer Schmuckgalerie gehört. Beuys setzte es 1972 ein, als er das gesamte Büro zur Ausstellungsreihe documenta verlegen ließ.

Beim Bummeln durch die Altstadt mit ihren geselligen Gaststätten und schmucken Lädchen können aufmerksame Passanten einen weiteren Hinweis auf Beuys nicht unweit der Galerie ausfindig machen. Das Ofenrohr "Das schwarze Loch" ragt über dem Eingang der Kabarettbühne Kom(m)ödchen aus der Mauer der Kunsthalle Düsseldorf. Zur Beuys-Ausstellung "Schwarz" wurde es 1981/82 am Kay-und-Lore-Lorenz-Platz installiert. Das Rohr ist eine Replik des Ofenrohrs aus dem Wohnatelier am Drakeplatz, es soll ein Zeichen des Gedankenaustausches zwischen Innen- und Außenraum darstellen. Das andere Ende mündet in den Emporensaal der Kunsthalle.   

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Alter Kirchturm in Büderich bei Düsseldorf, © Johannes Höhn

Beuys' größ­tes Werk im öf­fent­li­chen Raum


Ein Mahn­mal in Meer­busch-Bü­de­rich

Wer noch mehr über das Werk des Meisters des Filzes und Fettes in Erfahrung bringen möchte, der sollte abschließend den beschaulichen Stadtteil Meerbusch-Büderich mit dem Drahtesel ansteuern, der auch wegen einiger Baudenkmäler wie dem Haus Meer oder dem Haus Eichenhof sehenswert ist. Hier liegt an der Dorfstraße ein alter Kirchturm, in dem sich eine kreuzförmige Skulptur befindet, die Beuys in seinem Atelier im Kurhaus Kleve geschaffen hat. Das Mahnmal ist sein größtes Werk im öffentlichen Raum und erinnert gemeinsam mit einem Eichenportal, das von ihm skizziert wurde, an die Büdericher Gefallenen des Ersten Weltkrieges.

Wenige Meter von dem Kirchturm entfernt finden Besucher auf einem Friedhof am Brühler Weg zudem Beuys' ersten gestalteten Grabstein nach eigenem Entwurf, auf dem der Name Fritz Niehaus steht. Der Schöpfer fertigte den Stein 1951 als Dank an die Familie Niehaus an, bei der er im Jahr 1948 einige Zeit in Meerbusch unterkam.

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Beuys Kopf am Rhein bei Düsseldorf, © Johannes Höhn

Ein Blick sagt mehr als 1000 Wor­te


Gra­nit­kopf er­in­nert an le­gen­dä­re Heim­ho­lung

Zu guter Letzt sollten Reisende noch einen Abstecher zum Büdericher Rheindeich unternehmen. In der Nähe des Landhauses Mönchenwerth steht ein zweieinhalb Meter hoher und zwölf Tonnen schwerer Beuys-Granitkopf des Beuys-Schülers Anatol Herzfeld, der 2009 in Erinnerung an den Lehrer aufgestellt wurde. Das Beuys-Zitat „Jeder Mensch ist ein Künstler“ ist darin eingraviert.

Seit dieser Zeit blickt der steinerne Beuys erwartungsvoll in Richtung Rhein – direkt auf das Wasser und zur anderen Uferseite hinüber. Dieser Blickwinkel wurde von Herzfeld bewusst gewählt. Er deutet auf die legendäre Einbaum-Aktion vom 20. Oktober 1973 hin, bei der Joseph Beuys von Herzfeld und anderen freiwilligen Helfern in einem Einbaum aus einem Schwarzpappelstamm über den Rhein gefahren wurde. Die Protestaktion gegen den Rauswurf aus der Kunstakademie ging als legendäre „Heimholung“ in die Geschichtsbücher ein.

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    Die Kunstakademie Düsseldorf mit Bäumen im Vordergrund, © Johannes Höhn
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    Wegweiser zum Alten Kirchturm Büderich bei Düsseldorf, © Johannes Höhn
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    Kneipe Zur Uel in Düsseldorf, © Johannes Höhn
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    Beuys Kopf am Rheindeich bei Düsseldorf, © Johannes Höhn
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    Grabmal von Fritz Niehaus in Büderich bei Düsseldorf, © Johannes Höhn
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    Kreuz im alten Kirchturm in Büderich bei Düsseldorf, © Johannes Höhn

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Illustration Düsseldorf, © Tourismus NRW e.V.