Beuys und Neuss

Entdeckungen in der Auenlandschaft

Illustration Neuss, © Tourismus NRW e.V.

Mehr als 30 Jahre lang hat Anatol Herzfeld fast jeden Tag in seinem Atelier auf der Insel Hombroich verbracht. Viele seiner Werke sind bis heute bei einem Rundgang zu entdecken und ergänzen die buchstäblich am Wegesrand zu findende Kunstsammlung. Das Rad muss noch eben abgestellt werden - und schon kann's losgehen auf einen Spaziergang durch das Museum Insel Hombroich, der ein beeindruckendes Zusammenspiel von Kunst und Natur zeigt. 

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Infowand am ehemaligen Atelier von Anatol Herzfeld Museumsinsel Hombroich Neuss , © Johannes Höhn

Auf ei­nem In­sel­rund­gang


Stopp beim Ate­lier von Ana­tol

Weder Brücke noch Fähre sind nötig, um diese Insel betreten zu können – und dennoch kommt beim Besuch gleich eine Art Robinson Crusoe-Gefühl auf: Der Alltag rückt in weite Ferne und das Zeitgefühl geht bei einer Erkundungstour dieses besonderen Kunstortes leicht verloren. Initiator und Kunstsammler Karl-Heinz Müller hatte das an der Erft gelegene Gelände in Neuss ab 1982 erworben. Der Künstler Anatol Herzfeld, Meisterschüler und langjähriger Weggefährte von Joseph Beuys, hat es von Anfang an mitgestaltet. Verschiedene Kunstwerke und sein ehemaliges Atelier sind bei einem Rundgang durch die wild-verwunschene Auenlandschaft zu entdecken.

Mehr als 30 Jahre lang hat Anatol Herzfeld, der 2019 gestorben ist, fast jeden Tag im Museum Insel Hombroich verbracht. In seinem Atelier, einer ehemaligen Scheune, und auf dem mit Eichen und Birken bewachsenen Außengelände rundherum, hat er viele Werke geschaffen. Seine Skulpturen aus Stein, Holz und Stahl sind auf dem gesamten Gelände zu entdecken, ein Teil seiner Bilder sind in einem Ausstellungsraum zu sehen.

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Museum Insel Hombroich, © Tourismus NRW e.V.

Ar­chi­tek­tur ein­ge­bet­tet in Na­tur


Kunst im Dia­log

Wer sich auf eine Inselerkundung begibt, sollte reichlich Zeit einplanen. Zum einen bietet das weitläufige Gelände an der Erft mit seinen Auewiesen, Wasserläufen und Kunstpavillons sehr viele sehenswerte Orte: Allein die zehn in die Natur eingebetteten Pavillons, die von Bildhauer Erwin Heerich als begehbare Skulpturen entworfen wurden, sind echte Hingucker. In ihrem Inneren tritt europäische Kunst der klassischen Moderne in einen Dialog mit kultischen Objekten aus Asien, Afrika und Südamerika.

Zum anderen gilt es, die verschiedenen Kunst-Orte und Natur-Oasen ganz eigenständig und auf eigene Faust zu entdecken, denn Wegweiser oder Hinweisschilder gibt es nicht. Beschriftungen oder Erläuterungen zu den Kunstwerken sind nicht zu finden. Eine ganz unvoreingenommene, direkte Begegnung von Mensch und Kunst wird so möglich.

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Beuys Kopf am Rheindeich bei Düsseldorf, © Johannes Höhn

Be­geg­nung mit Beuys


Ge­mein­sam im Ein­baum

Für Anatol Herzfeld hat eine solche Begegnung der Kunst das Leben verändert: Nachdem er Joseph Beuys kennengelernt hatte, studierte der Polizist und Puppenspieler Bildhauerei in der Beuys-Klasse an der Kunstakademie Düsseldorf. Eines seiner ersten Werke, das den späteren documenta-Teilnehmer bei einem größeren Publikum bekannt gemacht hat, war ein selbstgeschnitzter Einbaum. Für die Aktion "Heimholung des Joseph Beuys", die 1973 den Höhepunkt des Studenten-Protestes gegen den Rausschmiss des Akademieprofessors Beuys markierte, hat er den Gekündigten über den Rhein gerudert und am Ufer vor der Kunstakademie abgesetzt.

Politik und die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen waren Anatol Herzfeld Zeit seines Lebens wichtig. Dies zeigen auch seine Skulpturen im Museum Insel Hombroich, zum Beispiel das „Parlament“. Das sind 27 Stühle aus Stahl, jeder einzelne wirkt eher wie ein Thron, die in einem Kreis aufgestellt sind. Auch an anderen Orten im Rhein-Kreis Neuss finden sich übrigens Arbeiten von Herzfeld, etwa Skulpturensteine mit archaisch wirkenden Gesichtern entlang des Erft-Radweges zwischen Museum Insel Hombroich und Erftmündung in den Rhein. Zu seinen bekanntesten Werken im öffentlichen Raum zählt aber sicher der große Granitkopf am Rheinufer bei Meerbusch, der Joseph Beuys darstellt.

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Schloss Dyck in Jüchen, © Tourismus NRW e.V.

Rund um die In­sel


Mit dem Rad von Schloss zu Schloss

Mit dem Fahrrad ist vom Museum Insel Hombroich aus der gesamte Kulturraum Hombroich zu erreichen: die Langen Foundation, die Raketenstation Hombroich, die Skulpturenhalle der Thomas Schütte Stiftung und das Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik.

Bei einer Erkundungstour in und um Neuss stoßen Ausflügler aber auch auf andere sehenswerte Stationen: In Richtung Leverkusen etwa führt der Weg vorbei am Schloss Benrath, einem Lustschloss am Rheinufer mit Park, Weihern und Kanälen, in dem das Museum für Europäische Gartenkunst untergebracht ist. Weiter flussaufwärts geht es durch das Naturschutzgebiet Urdenbacher Kämpe, das mit Kopfweiden, Obstbäumen und wertvollen Feuchtwiesen ein typisches Stück alter niederrheinischer Kulturlandschaft ist. In Richtung Mönchengladbach lohnt sich ein Abstecher zum Schloss Dyck, einem Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur. Das Wasserschloss bietet mit englischem Landschaftsgarten, asiatisch-japanisch inspiriertem Schaugarten sowie Hofladen, Restaurant und Hotel viele Gründe für eine ausgiebige Rast.

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    Museum Insel Hombroich, © Tourismus NRW e.V.
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    Waldweg im Naturschutzgebiet Urdenbacher Kämpe bei Düsseldorf, © Johannes Höhn
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    Skulptur auf Gelände der Museumsinsel Hombroich Neuss, © Johannes Höhn
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    Blick nach oben auf der Museumsinsel Hombroich Neuss , © Tourismus NRW

Auf nach Neuss

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Illustration Neuss, © Tourismus NRW e.V.