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Gudrun Hagemeister mit Hund Jule auf dem Olsberger Gipfel, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.

Bar­fuß im Wald

Gu­drun Ha­ge­meis­ter - Un­ter­wegs mit Kneipp

Frü­her, als Gu­drun Ha­ge­meis­ter noch mit ih­rem Ehe­mann ein ei­ge­nes Ca­fé im Her­zen der klei­nen Ge­mein­de Ols­berg führ­te, hat sie sich mal ge­schwo­ren: „Wenn ich Rent­ne­rin bin, will ich nur noch wan­dern.“ Heu­te, „in mei­nen zwei­ten be­ruf­li­chen Le­ben“, hat sie sich die­sen Traum er­füllt. Je­den Tag zieht es die 77-Jäh­ri­ge in die Sau­er­län­der Wäl­der. Egal bei wel­chem Wet­ter, und egal zu wel­cher Jah­res­zeit. „Denn oh­ne Wan­dern bin ich nur ein hal­ber Mensch.“ Auf ih­ren Tou­ren ist sie aber oft nicht al­lein. Seit zwölf Jah­ren führt die aus­ge­bil­de­te Ge­sund­heits­trai­ne­rin für Kneip­pan­wen­dun­gen re­gel­mä­ßig Grup­pen auf dem 39 Ki­lo­me­ter lan­gen, zer­ti­fi­zier­ten Kneipp­weg rund um den Kneipp-Kur­ort Bad Ols­berg. Dann packt sie ih­ren Ruck­sack, an dem ei­ne klei­ne Gieß­kan­ne bau­melt, nimmt Hund Ju­le an die Lei­ne, und los geht’s. De­inN­RW hat sich ge­mein­sam mit der fünf­fa­chen Groß­mut­ter und sie­ben­fa­chen Ur­groß­mut­ter auf den Weg ge­macht und mit­ten im Wald ein­fach mal Schu­he und Strümp­fe aus­ge­zo­gen.

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    Café Hagemeister, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.
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    Gudrun Hagemeister vor Café Hagemeister, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.
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    Beschilderung Olsberger Kneipp Wanderweg, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.
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    Gudrun Hagemeister mit Hund Jule im Wald, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.
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Frau Hagemeister auf dem Weg zum Gipfel Olsberg, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.

„Denn oh­ne Wan­dern bin ich nur ein hal­ber Mensch.“

Gu­drun Ha­ge­meis­ter

Im Stor­chen­gang wa­ten wir al­so durch das neu ge­stal­te­te Tret­be­cken an der Lui­sen­quel­le. Das sieht, zu­ge­ge­ben, et­was selt­sam aus und wur­de in der Ver­gan­gen­heit bis­wei­len auch ein we­nig be­lä­chelt. „Aber nur so wer­den re­flek­to­ri­sche Rei­ze ge­setzt und die Durch­blu­tung ge­för­dert“, er­klärt Gu­drun Ha­ge­meis­ter das Prin­zip der Kneipp­schen An­wen­dun­gen, be­vor sie aus ih­rem Ruck­sack ei­nen Sta­pel Be­cher und ei­ne klei­ne Fla­sche holt. Denn wäh­rend die Fü­ße in der Luft trock­nen, gönnt sie sich und ih­ren Mit-Wan­de­rern gern ei­nen Schluck selbst auf­ge­setz­ten Ho­lun­der-Schnaps. Nur für die Er­wach­se­nen, ver­steht sich. Aber auch die Kin­der, die Gu­drun Ha­ge­meis­ter bei ih­ren Ent­de­ckun­gen im Wald be­son­ders gern be­ob­ach­tet, be­kom­men na­tür­lich ei­ne klei­ne Stär­kung. Im­mer­hin lie­gen noch fast 400 Hö­hen­me­ter vor den Wan­de­rern, be­vor sie das Gip­fel­kreuz des Ols­bergs – mit 704 Me­tern über Nor­mal­null üb­ri­gens die höchs­te Taler­he­bung des Sau­er­lan­des – er­rei­chen.

Doch be­kannt­lich ist ja der Weg das Ziel. Wes­halb Gu­drun Ha­ge­meis­ter im­mer wie­der mal ei­ne Pau­se macht. Dann lässt sie den Blick über das grün be­wal­de­te Sau­er­land schwei­fen, hört die Stil­le des Wal­des und macht ih­re Be­glei­ter auf die klei­nen Be­son­der­hei­ten der Na­tur auf­merk­sam.

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    Hagemeister tritt durch das Kneippbecken, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.
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    Die Füße trocknen beim Kneippen an der Luft, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.
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    Selbst aufgesetzter Holunder-Schnaps, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.
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    Hagemeister blickt über das Sauerland, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.
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Blick über das Sauerland, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.

„Man muss die Na­tur emp­fin­den. Und ich stau­ne oft, wie  sich auch bei Er­wach­se­nen plötz­lich der Geist öff­net. Sei es bei ei­nem selt­sam ge­form­ten Blatt, ei­nem knor­ri­gen Ast oder auch nur bei der be­wuss­ten Wahr­neh­mung des wei­chen Wald­bo­dens.“ 

Lieb­lings­platz

Wenn der Duft von fri­schen Wald­kräu­tern in die Na­se zieht

Die Kneip­p­ani­ma­teu­rin hält ih­re Gäs­te, von de­nen vie­le schon seit Jah­ren ge­mein­sam mit ihr wan­dern, stets an, mit of­fe­nen Au­gen durch die Na­tur zu ge­hen. Denn auch, wenn sie die Wäl­der rund um das be­schau­li­che Städt­chen Ols­berg wohl bes­ser kennt als je­der an­de­re: „Im Wald ist es im­mer wie­der an­ders.“ Im Herbst zum Bei­spiel, er­klärt die 77-Jäh­ri­ge, „ist die At­mo­sphä­re hier früh mor­gens bei­na­he ein biss­chen mys­tisch“. Gu­drun Ha­ge­meis­ter mag die­se gan­ze be­son­de­re Stim­mung, wenn der Ne­bel noch zwi­schen den Bäu­men wa­bert. Sie mag es aber auch, wenn im Früh­jahr das Moos auf den mäch­ti­gen Klip­pen in der Son­ne glit­zert oder ihr der Duft von fri­schen Wald­kräu­tern in die Na­se zieht. Dann wan­dert die Frau mit den wa­chen Au­gen und der so an­ste­cken­den Be­geis­te­rung auch für die klei­nen Din­ge in ih­rer Um­ge­bung gern zu ih­rem Lieb­lings­platz et­was ab­seits des aus­ge­schil­der­ten Kneipp­we­ges. An der Änn­chen-Quel­le ver­gisst sie dann die Zeit um sich her­um, lauscht dem Plät­schern des klei­nen Rinn­sals, das sich den Ols­berg her­ab­schlän­gelt, und ge­nießt die paar Son­nen­strah­len, die durch die ho­hen Äs­te der Bäu­me auf die klei­ne Holz­bank schei­nen.

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    Gelbe Blüte in der Hand, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.
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    Wegweiser zur Ännchenquelle im Sauerland, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.
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    Ännchenquelle im Sauerland, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.
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    Gudrun Hagemeister mit ihrem Hund auf einer Bank, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.

„Denn es ge­nügt nicht zu wis­sen, man muss es auch an­wen­den. Und es ge­nügt nicht zu wol­len, man muss es auch tun.“

zi­tiert Gu­drun Ha­ge­meis­ter mal eben aus dem Steg­reif Jo­hann Wolf­gang von Goe­the.

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Der Armguss, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.

Hier kommt dann end­lich auch die klei­ne Gieß­kan­ne zum Ein­satz, die Gu­drun Ha­ge­meis­ter an ih­ren Ruck­sack ge­schnürt hat. „Der Arm­guss“, er­läu­tert die Ex­per­tin, wäh­rend sie ih­rem Ge­gen­über das kal­te Was­ser lang­sam über die Un­ter­ar­me lau­fen lässt, „ist so et­was wie die Kaf­fee­tas­se des Kneip­pia­ners“. Er macht wach, er­frischt und be­lebt. Der­weil das Was­ser­tre­ten eher für Ent­span­nung sorgt. „Wir nen­nen es auch das Zug­pflas­ter der schlech­ten Kräf­te“, sagt die Ge­sund­heits­trai­ne­rin und rät ih­ren Be­glei­tern, die Fü­ße nach dem Kneipp­gang nicht ab­zu­trock­nen. Schließ­lich wer­de die Fuß­soh­le auch „Hilfs­nie­re des Kör­pers“ ge­nannt. „Durch die Schweiß­drü­sen un­ter den Fü­ßen ent­gif­ten wir un­se­ren Kör­per.“ Gu­drun Ha­ge­meis­ter kennt die Kneipp­sche Ma­xi­me von A bis Z, lebt sie auch selbst je­den Tag.

Kaum ge­sagt, kramt sie auch gleich noch ei­ne Ther­mos­kan­ne aus ih­rem Ge­päck. Hei­ßer Ho­lun­der­tee mit Ing­wer. „Der stärkt das Im­mun­sys­tem.“ Die Wan­der­füh­re­rin hat wirk­lich an al­les ge­dacht. Auf die Fra­ge, wann sie selbst das letz­te Mal krank oder er­käl­tet war, muss die 77-Jäh­ri­ge dann auch herz­haft la­chen. „Das weiß ich gar nicht mehr, muss lan­ge her sein.“ Kneipp eben.
 

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Olsberger Kneippwanderweg, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.

Bad Ols­berg

hat Bä­der-Sta­tus

Mit den Na­tur­heil­ver­fah­ren des Pfar­rers Kneipp aus Bad Wö­ris­ho­fen be­schäf­tigt sich Gu­drun Ha­ge­meis­ter schon seit vie­len Jah­ren. Schließ­lich ist ih­re Wahl­hei­mat Ols­berg, wo sie ge­mein­sam mit ih­rem Ehe­mann mehr als 45 Jah­re lan­ge ei­nes der 100 bes­ten Ca­fés in Deutsch­land führ­te und Kun­den aus al­ler Welt mit sü­ßen Spe­zia­li­tä­ten wie Kirsch­was­ser­mäu­sen und Mar­zi­pan­pra­li­nen ver­sorg­te, seit 1895 an­er­kann­ter Kneipp-Kur­ort. Seit 2017 darf sich das idyl­li­sche Städt­chen so­gar Bad Ols­berg nen­nen, wie Gu­drun Ha­ge­meis­ter sicht­lich stolz zu be­rich­ten weiß. So ka­men die Men­schen aus ganz Deutsch­land al­so schon im­mer hier­her, um sich be­han­deln zu las­sen. Heu­te kom­men sie auch nach Ols­berg, um mit Gu­drun Ha­ge­meis­ter auf dem Kneipp-Weg zu wan­dern und mit­ten im Wald ein­fach mal Schu­he und Strümp­fe aus­zu­zie­hen.

Drei Fra­gen an Gu­drun Ha­ge­meis­ter

Mit gan­zem Her­zen Sau­er­län­de­rin

Frau Ha­ge­meis­ter, Sie ha­ben 48 Stun­den freie Zeit. Was wür­den Sie mit die­ser Zeit auf je­den Fall in NRW ma­chen?
Gu­drun Ha­ge­meis­ter: Gar kei­ne Fra­ge. Dann tref­fen Sie mich auf je­den Fall in den Sau­er­län­der Wäl­dern. Erst wür­de ich ge­mein­sam mit mei­nem Hund Ju­le ei­ne aus­gie­bi­ge Ruck­sack­wan­de­rung ma­chen und die zwei Ta­ge an­schlie­ßend in der Sau­na aus­klin­gen las­sen.

Wel­chen Ort in NRW ha­ben Sie zu­letzt für sich neu ent­deckt?
Gu­drun Ha­ge­meis­ter: Ein ganz wun­der­schö­ner Ort ist die klei­ne Frie­den­s­ka­pel­le in der Nä­he von El­le­ring­hau­sen. Sie wur­de mit­ten im Wald zum Ge­den­ken an die Kriegs­op­fer er­rich­tet und wird noch im­mer so lie­be­voll ge­pflegt. Hier­her kom­me ich, wenn ich mal Ru­he brau­che oder ein biss­chen ent­schleu­ni­gen muss. Die klei­ne Ka­pel­le ist für mich ein rich­ti­ger Kraf­t­ort.

Ihr per­sön­li­cher Lieb­lings­platz in NRW.
Gu­drun Ha­ge­meis­ter: Das ist ganz ein­fach – die Na­tur.
 

Lieb­lings­or­te & Tipps von Gu­drun Ha­ge­meis­ter


Haupt­sa­che: das Land der 1.000 Ber­ge

Wassertretbecken auf dem Olsberger Kneippwanderweg, © Dominik Ketz, Tourismus NRW e.V.
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Kneipp

Walderlebnispfad Siegquelle: ein Holzsteg führt durch den Wald, © Dominik Ketz, Tourismus NRW e.V.
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Wald­ba­den

Aussicht über Olsberg, © Klaus-Peter Kappest
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Ols­berg

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Volker Dingebauer, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.