Gelsenkirchen Halde Rheinelbe, © Ruhr Tourismus, Dennis Stratmann

NRW ist Fußball. Fußball ist NRW.


Anpfiff für eine Liebesgeschichte

Ganz oder gar nicht! Dazwischen gibt’s nichts. Aus Schwarz-Gelb wird niemals Blau-Weiß und aus einer Köln-Liebe schon gar keine Mönchengladbach-Begeisterung. Wer einem Verein einmal die Treue geschworen hat, begleitet ihn im schlimmsten Fall auch in den Tabellenkeller. Denn an Rhein und Ruhr ist Fußball nicht bloß ein Sport. Für die Menschen hier ist Fußball Leidenschaft, Lebensgefühl, Identität.

Eine Geschichte von Integration und Heimatgefühl, von Glückauf und heiligem Segen. Von guten und von schlechten Tagen. Fußball ist Jubel und Tränen, Pöhlen und Dribbeln, Bolzplatz und Bananenflanke. Fußball ist jeden Samstag im Stadion. Champions League und Regionalliga. Stehplatz und Stadionwurst. Fußball ist NRW. Und NRW ist Fußball.

Kirchenfenster Heiliger Aloisius, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.

" Schalker sein ist Teil meiner Identität. "
Olivier Kruschinski trägt auf seiner Wade ein Tattoo vom Fenster der Gelsenkirchener St. Joseph-Kirche. Zu sehen ist der Heilige Aloisius mit Fußballschuhen, Stutzen und Ball.  

Ehrlich und ungeschminkt

Es waren genau vier Minuten und 38 Minuten. So lange war der FC Schalke 04 im Jahr 2001 Deutscher Fußballmeister. Die Fans stürmten den Rasen, lagen sich in den Armen und feierten ihre Mannschaft. Bis nach vier Minuten und 38 Sekunden alles schon wieder vorbei war. Meister wurde nach einem weiteren Tor der FC Bayern München  - und das Leben „auf Schalke“ ging weiter wie bisher. 

Hier, im gleichnamigen Gelsenkirchener Stadtteil, ist Olivier Kruschinski zu Hause. Der Familienvater, dessen Sohn eher einen Mitgliedsausweis bei den „Knappen“ hatte als einen Vornamen, sagt: „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und Zukunft gestalten.“ Regelmäßig nimmt er deshalb Gäste mit zu den Geburtsstätten seines Vereins. Ein bisschen angegilbt wie die Aufnahmen aus den 1930er Jahren, als der Bergbau Fußballgrößen wie Ernst Kuzzora und Fritz Szepan hervorbrachte und die Menschen am Sonntag erst in die Kirche und dann zum Fußball gingen, sieht es hier an manchen Ecken auch heute aus. Heißt: Einige Straßenzüge haben schon bessere Zeiten erlebt. Aber auch das gehört zum Ruhrgebiet – und zum Fußball. Dreckig, ehrlich, ungeschminkt.

Kruschinski Glückauf Kampfbahn, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.

Gott & Fussball

Auf der Extratour 04 können Pilgernde den Fußball-Mythos Schalke nachspüren. Innehalten. Und für den nächsten Sieg beten. Start ist die Kirche St. Joseph, direkt an der Schalker Meile, die vor jedem Heimspiel des FC-Schalke 04 eigens für Fußballfans öffnet. Dann werden hier blau-weiße Kerzen angezündet und der Blick geht hoch, zum Fenster mit dem Heiligen Aloisius, Schutzpatron der Jugend, der hier mit blau-weißem Fußball ausgestattet ist. 14,7 Kilometer ist der Pilgerweg lang. Er startet mit der “Ersten Halbzeit”: Es geht über die abends und nachts blau-weiß beleuchtete „Schalker Meile“, den „Gehweg der Legenden“, den einstigen Tabakladen von Ernst Kuzorra und „An Gott kommt keiner vorbei“-Stan Libuda bis zur Glückauf-Kampfbahn, die frühere Heimspielstätte des FC Schalke 04. Nach der Veltins-Arena startet die “Zweite Halbzeit”: Der nördliche Teil bringt viel Natur mit sich.
www.zukunftsbild.bistum-essen.de

Land der 1.000 Derbys

Um die Nachbarstadt Dortmund, wo Schwarzgelb die „einzig wahre Liebe“ ist und fast ein Drittel aller Fans im Stadion auf der Südtribüne als Teil der “Gelben Wand” für herausragende Stimmung bei Heimspielen des BVB sorgt, machen die Schalker normalerweise einen großen Bogen. Doch wenn das größte der Ruhr Derbys in Dortmund stattfindet, sind die Knappen hochmotiviert und eine ganze Region ist elektrisiert. Ähnlich verhält es sich übrigens auch mit Köln und Mönchengladbach, aber dazu später mehr. Großer Sport findet hier nicht nur vor 80.000 Menschen in Deutschlands größtem Stadion statt, sondern auch im Museum. Im Deutschen Fußballmuseum direkt am Dortmunder Hauptbahnhof geht es durch den „Spielertunnel“ mitten ins Geschehen. Eben noch müsste Rahn schießen, da zwickt schon Ballacks Wade und Mario Götze reißt 2014 den Weltmeister-Pokal in die Höhe.

In Essen wird „Rot-Weiß“ die Treue gehalten. Und auch hier wird Geschichte geschrieben. „Mythos und Moderne. Fußball im Ruhrgebiet“ ist der Titel einer großen Ausstellung, die bis zum 20. Mai 2024 in der Kohlenwäsche von Zeche Zollverein mit mehr als 450 teils noch nie gezeigte Fotos aus der Vergangenheit erzählt, als sich der „Arbeitersport“ aus England rund um die Bergwerke im Ruhrgebiet etablierte. 

Die Bergwerke sind längst verschwunden. Der Fußball aber ist geblieben. Und Menschen wie Olivier Kruschinski gibt es in jeder Stadt. Nicht nur „auf Schalke“ und bei der Borussia in Dortmund. Auch in Bochum und Bielefeld, Leverkusen oder Köln. Der Dom und der 1. FC Köln, zentrale Dreh- und Angelpunkte in der Rheinmetropole, kommen zu Beginn jeder Saison sogar zusammen: Seit einigen Jahren feiern tausende FC-Fans vor dem ersten Heimspiel einen Gottesdienst. Schals und Trikots sind an diesem Tag in der Kathedrale ausdrücklich erwünscht, gemeinsames Singen der Vereinshymne mit Orgelbegleitung ein fester Programmpunkt. Gut möglich, dass so manche Andacht um das nächste Derby gegen Borussia Mönchengladbach kreist, denn dann wird eine rheinische Frohnatur kurz ernst. Und auch in Düsseldorf, wo die Fortuna jede Saison aufs Neue um den Auf- oder Abstieg kämpft, bleiben Fans ihrem Verein treu. Ganz gleich ob Regional- oder Bundesliga, und obwohl sie Kummer gewöhnt sind. Spätestens beim gemeinsamen Bier an der Bude oder im Brauhaus ist auch die bitterste Niederlage schon fast vergessen.

  • Fussballmuseum Dortmund, © Johannes Höhn, Tourismus NRW e.V.
    Quartiersbüro Schalker Meile, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.
    Altstadt Düsseldorf, © Johannes Höhn, Tourismus NRW e.V.
  • Fortuna Büdchen Düsseldorf, © Düsseldorf Tourismus
Halde Rungenberg, Gelsenkirchen, © Ruhr Tourismus, Dennis Stratmann

Kickern in der Kneipe

Gespielt, gejubelt und geweint wird in NRW nicht nur in den großen Arenen, sondern an jeder Straßenecke. Allein über das Ruhrgebiet verteilen sich mehr als 100 Fußballstadien, von der Kreisklasse über die Regionalliga bis zur 1. und 2. Bundesliga, von der E-Jugend bis zur Frauen-Nationalmannschaft. Hinzukommen unzählige Bolz- und Ascheplätze, Hauptsache vier Ecken und Tor. Gerne auch in Miniaturformat: Ein Kicker ist in mancher Kneipe der unumstrittene Mittelpunkt. Ob Gaststätte, Kiosk oder Brauerei: Bei einem kühlen Bier lassen sich die neuesten Fußball-Ergebnisse und Prognosen in fachkundiger Runde am besten diskutieren. Auch für zufällige Gäste wird es hier greifbar, dieses Gefühl des ganz besonderen Miteinanders. Wo die Welt des runden Leders intensiv zu erleben ist, weiß das Projekt Ruhr Fußball, das zu vielen verschiedenen Orten und Erlebnismöglichkeiten rund um den Ball einlädt, mit Stadion und Stehbierhalle, Graffiti und Street-Art, zu Fuß oder mit dem Rad.  
www.ruhr-tourismus.de/ruhr-fussball 

Nachspielzeit

Im Sommer 2024 könnten noch viele solcher Momente hinzukommen, wenn Europa mal wieder zu Gast bei Freunden ist. Bei der EURO 2024 … in Dortmund, Gelsenkirchen, Düsseldorf und Köln. Dann sitzen, stehen und feiern auch sonstige Derby-Gegner Seite an Seite und feuern gemeinsam ihr Team an, die deutsche Nationalmannschaft. In Kneipen und Bars, beim Rudelgucken zu Hause oder beim Public Viewing. Denn beim Fußball ist es wie beim Karneval: Jeder und jede kann dabeisein, mitfeiern und eine tolle Zeit haben, ganz unabhängig vom Vorwissen. Viel wichtiger als Ahnung vom Thema nämlich sind Begeisterung und Leidenschaft. So geht Fußball in NRW. 

Auch nach dem Abpfiff ruht der Ball hier deshalb nie so ganz, in Sachen Fußball hat NRW nonstop viele Erlebnismöglichkeiten zu bieten: Dann machen Museen Sport, Spiel und Traditionen erlebbar, dann gewähren Stadion-Führungen Einblicke hinter die Kulissen.

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Fußball-Route NRW

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