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Kloster Bentlage in Rheine, © Tourismus NRW e.V.

Be­sinn­li­che Aus­flugs­tipps fürs gan­ze Jahr


Ab­stand zum All­tag ge­win­nen und da­bei in al­ler Ru­he die Ge­dan­ken ord­nen

Unser Leben ist atemloser geworden: Keine Minute bleibt ungenutzt. Beim Warten auf den Zug werden noch einmal schnell die E-Mails gecheckt, dazu ein hastiger Schluck aus dem Coffee to Go, bevor es abgehetzt zum nächsten Termin geht. Doch desto schneller unser Leben wird, desto größer wird bei vielen auch der Wunsch, einfach mal auszusteigen aus dem sich wild drehenden Karussell und zu entschleunigen. Eine kleine Reise etwa in die Stille der Natur oder die Einsamkeit eines Klosters kann da genau das Richtige sein.

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Prächtiges Kirchengewölbe im Kloster Dalheim, © Tourismus NRW

Klös­ter und Ab­tei­en


Die Welterbstätte Corvey liegt weit ab vom Trubel direkt an der Weser – und ist ein sehr idyllischer Ort. Besucher können gut verstehen, dass im Jahr 822 genau hier der Grundstein für eine karolingische Abteikirche gelegt wurde, die bis zum 12. Jahrhundert als geistiges, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum innerhalb Nordeuropas galt. Später dann machten Kaiser und König hier Rast und hielten Hoftage in der prächtigen Kaiserkirche. Gäste können sich im Schloss unter anderem den prächtigen Kaisersaal und historische Prunk- und Wohnräume aus dem 18. und 19. Jahrhundert ansehen.

Nur rund 60 Kilometer entfernt erzählt das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur nicht nur von seiner eigenen bewegten Geschichte, sondern auch ganz allgemein vom Leben hinter Klostermauern. Zu den Veranstaltungs-Highlights von Kloster Dalheim gehört der Dalheimer Sommer, der musikalische Lesungen, Picknickkonzerte im Klostergarten oder auch Konzertreihen in der spätgotischen Klosterkirche bietet.

Mitten in einem Landschaftsschutzgebiet der Ems liegt das Kreuzherrenkloster Bentlage bei Rheine, das als das am besten erhaltene gotische Konventsgebäude eines ländlichen Klosters in Westfalen gilt. Heute beherbergt das prächtige Gebäude ein Museum, in dem man sowohl Kunstwerke aus dem ehemaligen Kloster als auch Exponate zur Kunst- und Kulturgeschichte Westfalens besichtigen kann. In der nahe gelegenen Saline "Gottesgabe" sollten Besucher besonders tief durchatmen: Die salzige Luft im Gradierwerk ist gut für die Atemwege.

Im Kloster Kamp am Niederrhein sind es vor allem die Außenanlagen, die Besucher anlocken – und das schon lange bevor das Areal Teil der Landesgartenschau 2020 geworden ist. Die frühere Abtei, die im 12. Jahrhundert gegründet wurde, war das erste Zisterzienserkloster im deutschsprachigen Raum und ist von prächtigen Gärten umgeben. Besonders beeindruckend ist dabei der barocke Terrassengarten, der mit seiner akkuraten Bepflanzung und seinen Wasserspielen die Blicke auf sich zieht.

Auch im nahen Goch steht noch heute eine Zisterziensergründung: Das Kloster Graefenthal sieht mit Ringmauern, Taubenturm und dem Kreuzgang mit gotischem Gewölbe noch so aus wie im Mittelalter. Das Gelände und ein Kloster Café, das unter anderem Klosterbier anbietet, sind täglich geöffnet. Gruppen können Führungen vereinbaren, Einzelbesucher können sonntags zu bestimmten Terminen auch spontan an einer Tour teilnehmen.
www.kloster-graefenthal.de

Nicht nur ein entspannter Tag, auch eine ruhige Nacht im Kloster ist möglich, zum Beispiel in der Abtei Kornelimünster, die im wunderschönen gleichnamigen Stadtteil von Aachen liegt, der sich bis heute seinen dörflichen Charme bewahrt hat. Auch die Abtei Varensell bei Rietberg im Kreis Gütersloh oder die Benediktinerabtei Gerleve bei Coesfeld sind auf Übernachtungsgäste eingestellt.
www.abtei-kornelimuenster.de/gastfreundschaft | www.abtei-varensell.de/bei-uns-zu-gastwww.abtei-gerleve.de/ludgerirast

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UNESCO-Weltkulturerbe Aachener Dom bei Sonnenuntergang, © Johannes Höhn

Kir­chen, Syn­ago­gen und Tem­pel


Ein ganz besonderer Sakralbau der christlichen Kultur ist der Aachener Dom. Kaiser Karl der Große legte einst den Grundstein für das imposante Gotteshaus, das als erstes deutsches Bauwerk überhaupt 1978 in die Liste der Unesco-Welterbestätten aufgenommen wurde. Alle sieben Jahre hält der Dom ein besonderes Highlight für Pilger bereit: Dann wird der Marienschrein geöffnet, der unter anderem die Windeln Jesu und das Enthauptungstuch Johannes des Täufers enthalten soll. Wer nicht zu einem dieser seltenen Ereignisse in der Stadt ist, kann den Schrein – dann allerdings geschlossen – auch im Rahmen von Führungen sehen. Der Kölner Dom, der ebenfalls zu den fünf Unesco-Welterbestätten in NRW gehört, ist nicht nur die beliebteste Sehenswürdigkeit Deutschlands, sondern auch eine der bedeutendsten Wallfahrtskirchen Europas. Hier sollen, im größten erhaltenen romanischen Reliquienschrein, die Gebeine der Heiligen Drei Könige liegen.

Zwar kein Welterbe, aber dafür durch sein außergewöhnliches Aussehen international bekannt, ist der Mariendom, die berühmte Wallfahrtskirche in Velbert-Neviges. Mit 6.000 Plätzen ist er die größte Kirche nach dem Kölner Dom im Erzbistum Köln. Ganz anders als der Dom ist er jedoch kein klassischer Bau, sondern ein moderner Betonbau, der 1968 vom Kölner Architekten Gottfried Böhm entworfen wurde.

Kleiner, aber nicht weniger spektakulär ist die Bruder-Klaus-Feldkapelle in Mechernich-Wachendorf in der Eifel. Mitten auf einem Feld hat der Schweizer Star-Architekt Peter Zumthor, der auch das christliche Kunstmuseum Kolumba in Köln erbaute, hier eine zwölf Meter hohe Betonkapelle in Turmform errichtet. Dem kalt wirkenden Beton außen setzte er im Inneren heimische Fichtenstämme entgegen, die beim Eintreten für Überraschung sorgen. Ebenfalls überraschend ist das kleine Loch im Dach, durch das Wasser eindringt - und das gewollt: Auf dem Blei-Zinnfußboden, der als Reminiszenz an die Bleistadt Mechernich eingelassen wurde, bildet sich dann ein kleiner See. Rund 300 Glas-Halbkugeln in den Wänden lassen zudem Licht eindringen und sorgen so für eine ganz besondere Atmosphäre. Einzelbesucher können die Kapelle ohne Anmeldung besuchen, Pilgergruppen ab zehn Personen jedoch nur nach Anmeldung.
www.feldkapelle.de

Durch das Ruhrgebiet führt eine Route, die ganz unterschiedliche Gotteshäuser miteinander verbindet. Neben vielen christlichen Kirchen sind an der Route der Sakralbauten auch Moscheen und Synagogen zu finden. Und auch der Hindu-Tempel Sri Kamadchi Ampal in Hamm, der größte tamilisch-hinduistische Tempel auf dem europäischen Festland, liegt an der Route. Hindus aus ganz Europa kommen hierher, um etwa ihre Hochzeit zu feiern oder dem Tempelfest beizuwohnen, das jedes Jahr im Frühsommer stattfindet und auch viele Nicht-Hindus anlockt. Wer will, kann den farbenprächtigen Tempel aber natürlich auch außerhalb der Feierlichkeiten besuchen.
www.route-industriekultur.ruhr

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Museum Religio Telgte aus der Vogelperspektive, © Tourismus NRW

Pil­ger­or­te und Wall­fahr­ten


Kleines Bild mit großer Anziehungskraft: Fast eine Million Gläubige pilgern jedes Jahr an den Niederrhein nach Kevelaer, um in der Gnadenkapelle ein Marienbildnis zu sehen. Damit ist Kevelaer nach dem bayerischen Altötting der bedeutendste katholische Wallfahrtsort Deutschlands. Jedes Jahr im Frühjahr begeben sich Gläubige gemeinsam auf die Kevelaer Wallfahrt, deren Wurzeln bis ins Jahr 1642 zurückreichen. Seit einigen Jahren  gibt es zudem für Biker eine spezielle Motorradwallfahrt in den Ort.

Einen besonderen Ort zum Innehalten und Durchatmen bietet der 2020 eröffnete Solegarten St. Jakob in Kevelaer. Unter dem Motto „Gesund an Leib und Seele“ verspricht der Park mit Gradierwerk, Kneipp-Anlagen und Bibelgarten Erholung und Entspannung.
www.wallfahrt-kevelaer.de | www.kevelaer.de

Während Kevelaer der zweitgrößte Pilgerort in Deutschland ist, führt die größte Wallfahrt im deutschsprachigen Raum von Osnabrück nach Telgte. Rund 7.500 Gläubige machen sich jedes Jahr im Juli mitten in der Nacht auf den Weg in die Stadt bei Münster. Neben der Fußwallfahrt gibt es seit 2012 – passend zum liebsten Fortbewegungsmittel der Münsterländer – auch eine Fahrradwallfahrt. Bereits seit 1988 findet alljährlich an Christi Himmelfahrt zudem die Telgter Kutschenwallfahrt statt, zu der Kutschen aus dem Münsterland, Emsland und Sauerland anreisen. Zur Weihnachtszeit ist die traditionelle Krippenausstellung im Museum Religio ein beliebtes Ziel. Als Wallfahrts- und Heimatmuseum gegründet, widmet sich das Haus heute aktuellen Entwicklungen gelebter Religion bis hin zur modernen Spiritualität.  

Das vielleicht pompöseste Wallfahrtsziel Deutschlands ist die Kreuzbergkirche in Bonn mit ihrer beeindruckenden Heiligen Stiege. Die prunkvolle Barocktreppe, die vorbei an üppig bemalten Wänden zum Chor der Wallfahrtskirche hinaufführt, wurde von Balthasar Neumann im Auftrag des Kölner Erzbischofs und Kurfürsten Clemens August erbaut, jenem Baumeister, der auch das Unesco-Welterbe Schloss Augustusburg in Brühl errichtete. Karfreitag und Karsamstag ist die Heilige Stiege geöffnet, so dass Pilger die 28 Stufen auf den Knien erklimmen können.

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Der Goldene Pfad auf der Niederfelder Hochheide in Winterberg, © Tourismus NRW

Be­son­de­re We­ge


Zu Fuß oder mit dem Rad zur in­ne­ren Ru­he kom­men

Wie wohltuend und heilsam die Natur wirken kann, erfahren Besucher in ganz verschiedenen Ecken Nordrhein-Westfalens. Im Sauerland etwa lädt der Goldene Pfad auf einer etwa fünf Kilometer langen Rundstrecke dazu ein, die landschaftliche Umgebung der Niedersfelder Hochheide, aber auch den eigenen Alltag mit wacheren Augen und geschärftem Blick zu sehen.
www.winterberg.de

Trittsicher sollten Wanderer sein, die sich auf den Schöpfungspfad im Nationalpark Eifel begeben: Denn er führt, teils auf sehr schmalen Wegen und über Felsen, durch ein besonders wildes Stück Natur. Unterwegs laden zehn Stationen mit kurzen biblischen und literarischen Texten zur Meditation ein.
www.nationalpark-eifel.de

Durch Begegnungen mit der Natur, mit Menschen, Musik und Kunst sorgt die alljährlich stattfindende Veranstaltungsreihe "Spiritueller Sommer" für Ruhe- und Entschleunigungsmomente. Von Vollmondwanderungen durch die Wisent-Welt Wittgenstein über Yogawalks bis zu meditativen Konzerten reicht hier das Angebot der Regionen Sauerland und Siegen-Wittgenstein, das jedes Jahr neugestaltet wird.
www.wege-zum-leben.com

Historisch unterwegs auf dem Jakobsweg

Wie wäre es mit einer Wanderung über den Jakobsweg? Er ist der wohl berühmteste Pilgerweg der Welt und führt seit über 1.000 Jahren Pilger zum Grab des Apostels Jakobus im nordspanischen Santiago de Compostela. Zuletzt strömten jedes Jahr weit über 200.000 Menschen über die Route.

Genau genommen handelt es sich beim Jakobsweg nicht um einen, sondern um viele Wege, die von unterschiedlichen Startorten aus nach Santiago de Compostela führen. Auch in NRW gibt es einige der nach historischem Vorbild rekonstruierten Routen, die durch die berühmte gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund gekennzeichnet sind und über eine gut ausgebaute Infrastruktur etwa mit Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger am Wegesrand verfügen. Insgesamt sind die Routen allein in NRW über 1.000 Kilometer lang.
www.deutsche-jakobswege.de

Verschiedene Orte der Stille verbindet die Kloster-Garten-Route. Der Radweg verbindet auf rund 190 Kilometern sieben verschiedene Klostergärten im Teutoburger Wald miteinander, versteckte Oasen der klösterlichen Spiritualität, die im Mittelalter von Benediktinern, Zisterziensern oder Franziskanern angelegt wurden. Wer will, kann auch noch einen Abstecher zu einigen touristischen Sehenswürdigkeiten in der Gegend machen, unter anderem zum Weser-Skywalk bei Beverungen oder zum Orgelmuseum in Borgentreich.