Radfahren Schloss Türnich, Rhein-Erft-Kreis, © Tourismus NRW e.V., Hannah Förster

Was­ser­bur­gen und Wer­wolf-Ge­schich­ten


Er­leb­nis­re­gi­on Rhein-Erft

Kamera. Powerbank. Zahnbürste. Wanderschuhe. Im Wechsel zählen wir auf, was uns in den Kopf kommt und gehen alles nochmal durch: Haben wir auch nichts vergessen? Sind wir für jede Wetterlage vorbereitet? Sitzen wir im richtigen Zug? Es ist dieser Mix aus Vorfreude und dem Gefühl, doch etwas vergessen zu haben, der sich vor jeder Reise einstellt. Ob Fernreise oder Kurztrip – es fühlt sich immer gleich an. Und es ist ein verdammt schönes Gefühl.

Unsere Vorfreude auf drei Tage Radfahren, Wandern und Wellness in der Erlebnisregion Rhein-Erft steigt, je weiter wir uns vom Düsseldorfer Hauptbahnhof entfernen. Doch allzu weit müssen wir gar nicht fahren. Unser Ziel: Bedburg. Nur etwa eine halbe Stunde von Köln und Düsseldorf entfernt warten Romantische Wasserschlösser, Übernachtungen direkt an der Erft, Wandern auf den Spuren eines Werwolfs und scheinbar endlose Radstrecken auf uns.

Bank im Park von Schloss Paffendorf, Rhein-Erft-Kreis, © Tourismus NRW e.V., Hannah Förster

Das erste Mal auf E-Bikes unterwegs. Zunächst üben wir ein bisschen auf dem Hof unseres Hotels. Doch schnell gewöhnen wir uns an die Räder und dann heißt es: Abfahrt!  Wir sind unterwegs auf einem Teilstück der Wasserburgenroute – von Bedburg nach Schloss Türnich. Und die scheinbar endlosen Radstrecken ohne nennenswerte Steigung laden geradewegs dazu ein, zwischendurch mal richtig Gas zu geben. Um den richtigen Weg zu finden, müssen wir nicht mal nach den Schildern Ausschau halten, sondern können uns die meiste Zeit einfach an der Erft orientieren. Es geht mal links, mal rechts am Ufer entlang. Und die Radtour hält, was ihr Name verspricht: Wir legen eine erste Pause an Schloss Paffendorf ein.

Ein romantisches Wasserschloss. Im Schlossgraben leuchten grüne Seerosenblätter. Dahinter ein weitläufiger, verwunschener Park mit altem Baumbestand. Hier stehen überall Bänke an liebevoll ausgesuchten Orten. Unser Lieblingsplatz: Eine Bank mit Blick auf den Seerosenteich. Direkt daneben ragen die Äste einer Trauerweide bis aufs Wasser. Am liebsten würden wir den ganzen Tag durch die märchenhafte Parkanlage schlendern. Es gibt so viel zu entdecken. Doch für unser Ziel, Schloss Türnich, müssen wir noch einige Kilometer zurücklegen. Einmal mehr sind wir froh über unsere motorisierten Gefährten. Unser Weg führt uns weiter die Erft entlang. Vorbei an Naturschutzgebieten, Schafsherden und durch Landschaften mit endlosem Weitblick.

Schloss Türnich Detail, © Tourismus NRW e.V., Hannah Förster

„Vorsicht! Zwickende Gänse. Bitte nicht füttern.“ steht auf einem Schild am Eingang zum Park von Schloss Türnich. Und es dauert nicht lange, da hören wir sie schon. Die weiß gefiederten Gänse machen ordentlich Lärm, als wir über die Brücke in den Hof fahren. Ein Ort, der ein wenig verwunschen wirkt. Ein eindrucksvolles Herrenhaus mit Kapelle und Schlossteich, ein wildromantisches Bio-Hof-Café, ehemalige Stallungen und in der Mitte des Hofes ein Heilkräutergarten. „Hier weht der Geist der Freiheit“, erklärt Graf Godehard von und zu Hoensbroech, Besitzer des Anwesens. „Pflanzen, Tiere und Menschen dürfen sich hier frei entwickeln.“ Und das fühlt man. Ein Leben im Einklang mit der Natur. Sein Sohn Severin von Hoensbroech lebt ebenfalls mit seiner Familie hier. Er bewahrt die Vergangenheit und möchte auf Schloss Türnich einen Ort schaffen, dessen Zauber die Leute packt. Hat bei uns schon mal geklappt. Da das Hof-Café zum Zeitpunkt unserer Reise nur an den Wochenenden geöffnet hat, entscheiden wir uns für ein Picknick im Schlosspark, um noch ein bisschen länger an diesem einzigartigen Ort zu verweilen.

  • Schloss Türnich, Rhein-Erft-Kreis, © Tourismus NRW e.V., Ilonka Zantop
    Gänse Schloss Türnich, Rhein-Erft-Kreis, © Tourismus NRW e.V., Ilonka Zantop
    Heilkräutergarten Schloss Türnich, Rhein-Erft-Kreis, © Tourismus NRW e.V., Hannah Förster
  • Schloss Türnich, Rhein-Erft-Kreis, © Tourismus NRW e.V., Ilonka Zantop
    Hof-Café Schloss Türnich, Rhein-Erft-Kreis, © Tourismus NRW e.V., Hannah Förster
    Schloss Paffendorf, Rhein-Erft-Kreis, © Tourismus NRW e.V., Ilonka Zantop

Am frühen Abend erreichen wir das Hotel Bedburger Mühle, mit der Sonnenterrasse direkt an der Erft ist es quasi Liebe auf den ersten Blick. Genau wie mit unserer Kellnerin. Wir verstehen uns auf Anhieb gut. Und von ihrer Empfehlung, den sonnigen Tag mit einem Lillet ausklingen zu lassen, lassen wir uns leicht überzeugen. Da die Bäume erst wenige Blätter tragen, haben wir einen guten Blick auf Schloss Bedburg, das nur einen Steinwurf entfernt, direkt hinter der Erft liegt. Den Schlossblick gibt’s übrigens auch von unserem Zimmerfenster aus. Total romantisch. Frische Luft macht ja bekanntlich nicht nur müde, sondern auch hungrig. Unser Menü an diesem Abend: Karotten-Blutorangen-Suppe mit Garnele im Knuspermantel, Kabeljaufilet an Finger-Möhrchen und Tomaten-Risotto und zum Nachtisch Pina-Colada-Crumble mit Ananas-Sorbet. Eine langersehnte Stärkung und dabei noch so frisch und köstlich. Mit vielen neuen Eindrücken gehen wir schlafen, begleitet vom Rauschen der Erft.

  • Schloss Bedburg, Bedburg, © Tourismus NRW e.V., Hannah Förster
    Schafherde, Rhein-Erft-Kreis, © Tourismus NRW e.V., Hannah Förster
    Erft, Rhein-Erft-Kreis, © Tourismus NRW e.V., Hannah Förster
  • Bedburger Mühle, Rhein-Erft-Kreis, © Tourismus NRW e.V., Ilonka Zantop
    Fenster, Bedburger Mühle, Rhein-Erft-Kreis, © Tourismus NRW e.V., Ilonka Zantop
    Hauptgang, Bedburger Mühle, Rhein-Erft-Kreis, © Tourismus NRW e.V., Ilonka Zantop

Terra Nova Speedway. Das klingt schon nach Höchstgeschwindigkeit: Die ideale Radstrecke für alle, die schnell fahren und Kilometer zurücklegen möchten. Wo früher Erde und Steine durch die Landschaft transportiert wurden, befindet sich heute ein 14 Kilometer langer kreuzungsfreier Rad- und Wanderweg und verbindet den früheren Tagebau Bergheim und den Tagebau Hambach. Wir holen einmal mehr alles aus unseren Fahrrädern raus und können uns gut vorstellen, dass man hier auch ganz wunderbar mit Inlinern, Skateboards oder Longboards Gas geben kann. Immer wieder gelangen wir zu Aussichtspunkten mit Blick auf die gewaltigen Maschinen bei ihrem Einsatz im Tagebau Hambach. Das diesige Wetter und die dumpfen Geräusche, die aus dem riesigen Loch zu hören sind, führen zu einer fast schon gespenstischen Stimmung. Immer noch den „Geist der Freiheit“ von Schloss Türnich im Kopf, fühlen wir die Kontraste, die diese Region ausmachen. An der Aussichtsplattform Terra Nova angekommen, legen wir einen kurzen Stopp ein, bevor es auf dem insgesamt 34 Kilometer langen Rundkurs Richtung Bergheim weiter geht, über den ehemaligen Tagebau Bergheim, an Kraftwerken sowie Feldern und Erftauen vorbei.

Landhaus Danielshof, Bedburg Alt-Kaster, © Tourismus NRW e.V., Hannah Förster

Zurück in Bedburg. Wir fahren an unserer Mühle vorbei, bis in den Stadtteil Alt-Kaster, um hier zu Mittag zu essen. Es fühlt sich ein bisschen an wie eine Zeitreise, hier, mitten im historischen Stadtkern: Stadttore, alte Giebelhäuser und Kopfsteinpflaster prägen das mittelalterliche Bild. Und mittendrin: das Landhaus Danielshof. Wir finden uns in einem Innenhof wieder, in dem es viele liebevoll gestaltete Ecken zu entdecken gibt. In der Mitte steht ein großer Baum. Über seinen Ästen hängt eine Lichterkette. Wie sich hier wohl ein Sommerabend anfühlt? Im T-Shirt. Mit einem Glas Weißwein. Überall Lichter. Doch heute lassen wir unsere Jacke lieber an. Das Restaurant befindet sich in der ehemaligen Scheune. Doch von Tieren, Stroh und Leitern ist nichts mehr zu sehen. Im modern und liebevoll eingerichteten Restaurant genießen wir unser Mittagessen.

Gut gestärkt heißt es jetzt: Räder stehen lassen, es geht zu Fuß weiter! Heute Morgen noch mit Vollgas über den Speedway, stellt sich nun schon fast eine Art Entschleunigung ein, als wir durch die Altstadt-Gassen von Alt-Kaster spazieren. Durch enge Straßen glitzert uns die Sonne entgegen, eine Katze räkelt sich auf den Stufen eines Hauses und in einem Hof zeigt sich ein Magnolien-Baum in voller Blüte. Frühlingsgefühle stellen sich ein. Doch Alt-Kaster ist nicht nur der ideale Ort, um ein bisschen zu schlendern, Fotos zu machen und Kaffee zu trinken, hier befindet sich auch der Start eines besonderen Themenwanderwegs, des Werwolf-Wanderwegs.

Werwolf-Wanderweg, Bedburg, Rhein-Erft-Kreis, © Tourismus NRW e.V., Hannah Förster

Der Weg führt durch ein Waldgebiet rund um den Kasterer See, die Erft entlang, vorbei am Bedburger Rathaus und durch den Garten von Schloss Bedburg. Dann wieder zurück nach Alt-Kaster. Dabei begleitet uns die schaurige Geschichte des Werwolfs von Epprath, der in der Region Bedburg im 16. Jahrhundert sein Unwesen getrieben haben soll. Sieben Stationen erzählen die Geschichte von Peter Stubbe, der am 31. Oktober 1589, der Werwolferei beschuldigt, öffentlich hingerichtet wurde. Vom Wolfanstieg, an dem er seine dämonischen Gräueltaten verübt haben soll, über die Jagd auf den Werwolf am Kasterer See bis nach Schloss Bedburg, an dem er zum Tode verurteilt wurde. Wer nicht die gesamten zehn Kilometer laufen möchte, kann den Weg auch in zwei Runden aufteilen – rund um den Kasterer See geht es um „Das Unwesen des Werwolfs“ und die Runde durch Bedburg thematisiert „die Gerichtsrunde“. Am Todestag von Peter Stubbe, also an Halloween, wird es besonders stimmungsvoll in Alt-Kaster. Gruselfans treffen sich dann am Agatha Tor. Ein paar von ihnen sind als Werwolf verkleidet. Mit Fackeln ausgestattet geht es dann gemeinsam zum Kasterer See, an dem an einem Lagerfeuer Lesungen stattfinden.

  • Landhaus Danielshof, Bedburg Alt-Kaster, © Tourismus NRW e.V., Ilonka Zantop
    Aussichtsplattform Terra Nova, © Tourismus NRW e.V., Hannah Förster
    Restaurant Landhaus Danielshof, Bedburg Alt-Kaster, © Tourismus NRW e.V., Hannah Förster
  • Kasterer See, Bedburg, Rhein-Erft-Kreis, © Tourismus NRW e.V., Ilonka Zantop
    Bedburg Alt-Kaster, © Tourismus NRW e.V., Hannah Förster
    Werwolf Wanderweg, Bedburg, Rhein-Erft-Kreis, © Tourismus NRW e.V., Ilonka Zantop
Monte Mare, Bedburg, Rhein-Erft-Kreis, © Monte mare Bedburg

Am dritten Tag tragen uns unsere müden Beine ein letztes Mal durch Bedburg – mit genau einem Ziel: Entspannung im Monte Mare – eine weitläufige Therme, die all das bietet, was das Wellness-Herz begehrt. Und wir sind uns sicher: Unser Kurztrip könnte nicht besser enden.

Als Erstes fällt uns der liebevoll gestaltete Kuschelraum auf. Er ist komplett mit flauschigem Teppich ausgelegt. Orientalische Liegen und Kissen lassen den Raum besonders gemütlich wirken. Hier können wir uns ein kleines Nickerchen gut vorstellen. Doch was hilft bei Muskelkater am besten? Klar, Wärme. Also los zur Tafel mit den Aufgüssen. Wir entscheiden uns für Wenik Soft. Weniks sind Büschel aus Birkenreisig. Damit wird Birkensud auf den heißen Steinen verteilt, was ein wunderbares Birkenblätter-Aroma entfaltet. Schnell wird uns klar, dass unser Saunameister seinen Job sehr ernst nimmt. Und wir fragen uns, wie heiß wohl erst der Saunagang Wenik Hot ist. Selbstverständlich halten wir durch und genießen im Anschluss einen langsamen Spaziergang über das Außengelände – bei strahlendem Sonnenschein.

Baden im warmen Solebecken, Entspannen im Whirlpool, den ein oder anderen Saunagang und zwischendurch immer mal wieder Pausen auf den Liegen am Teich – der Tag scheint perfekt. Apropos Teich. Inmitten des Teiches befindet sich die Wassersauna, welche offiziell auch als Quasselsauna betitelt wird. Im Gegensatz zu den anderen Saunas gilt hier nämlich: quatschen erlaubt. Der ideale Ort, um die letzten Tage noch einmal Revue passieren zu lassen. Unsere kleine Auszeit i, der Erlebnisregion Rhein-Erft. Mit zauberhaften Wasserschlössern, dem Zimmer mit Schlossblick, persönlichen Speed-Rekorden, einer Reise ins Mittelalter und einer schaurig schönen Wanderung – am letzten Tag dann die Entspannung in der Therme als krönender Abschluss. Komplett erholt, etwas erschöpft und mit zahlreichen neuen Erlebnissen und Erinnerungen fallen uns auf der Rückfahrt im Zug das ein oder andere Mal die Augen zu.

Autorinnen: Ilonka Zantop & Hannah Förster - Ilonka Zantop und Hannah Förster sitzen eigentlich für DeinNRW am Schreibtisch. Doch hin und wieder geht es für sie ins Outdoor-Büro. Dann spüren sie die schönsten und außergewöhnlichsten Orte in Nordrhein-Westfalen auf, um ihre ganz eigenen Geschichten darüber zu erzählen - mal mit geschnürten Wanderschuhen, mal auf dem Fahrrad.