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Sarah Morris Wand-Mosaik Düsseldorf , © Nina Hüpen-Bestendonk

Kunst und Kille­pitsch


Düs­sel­dorf bei Re­gen

Die Rheinmetropole Düsseldorf hat für alle Wetterlagen etwas zu bieten: Moderne Museen, schräge Architektur, nette Designerläden, die rheinische Küche und natürlich die längste Theke der Welt. Als gebürtige Niederrheinerin war ich selbstverständlich schon einige Male in Düsseldorf, doch mein Wissen beschränkt sich bisher auf Flughafen, Königsallee und Konzerte. Umso mehr freue ich mich, dass ich der Stadt mal etwas mehr auf den Zahn fühlen kann.

Bewaffnet mit Schirm, Charme und guter Laune starte ich meinen Kurztrip in Düsseldorf auf dem Carlsplatz. Hier finden sich auf dem überdachten Wochenmarkt nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch Mittagstisch, frische Smoothies und Gebäck. Gestärkt mit Stielmus - einem Gemüse aus Rübenstängeln -  und Bratwurst boarde ich recht spontan einen HoppOn HoppOff Bus. Ich kann’s ja verstehen: Die roten Doppeldeckerbusse sind nicht so jedermanns Sache. Aber gerade, wenn das Wetter nicht so richtig mitspielt, sind sie eine tolle Möglichkeit, sich einen ersten Überblick über eine neue Stadt zu verschaffen. Ich mache es mir auf dem Oberdeck gemütlich, der Regen prasselt auf das Faltdach, in meinen Ohren klingt die Ansage. An mir vorbei ziehen Düsseldorfs Altstadt, der Medienhafen, der Rheinturm und die Rheinkniebrücke und zum ersten Mal wird mir bewusst, wie grün Düsseldorf eigentlich ist.

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Altbiersafari in Düsseldorf, © Nina Hüpen-Bestendonk

Am späten Nachmittag mache ich mich auf den Weg zum Burgplatz. Es geht nämlich auf Safari! Für diese brauche ich aber kein Fernglas, um wilde Tiere zu beobachten, sondern Durst. Düsseldorf ist berühmt für sein obergäriges Altbier und natürlich gibt es in der Stadt nicht nur eine Brauerei. Es gibt sogar so viele Bars und Kneipen, dass die Düsseldorfer Altstadt auch gerne die längste Theke der Welt genannt wird. Wir beginnen unsere Altbier Safari auf der „Retematäng“, wie die Düsseldorfer ihre Ausgeh-Meile nennen. Der Name stammt noch aus Napoleons Zeiten, der die Ratinger Straße einst in „Rue du Matin“ umbenannt hatte. Ich lerne etwas über Bitterstoffe, Gärungsart und Altbiertradition und die Stimmung wird mit jedem Brauhaus fröhlicher. Die Tour endet im Uerige, eines der ältesten Brauhäuser Düsseldorfs, in dem ich gleich zum Abendessen bleibe.

„Du bist nicht in Düsseldorf gewesen, wenn du keinen Killepitsch probiert hast“, heißt es, und da sage ich doch nicht Nein. Den kleinen Absacker in Form eines Kräuterschnapses hole ich mir direkt am Fenster vom „Et Kabüffke“, bevor ich mich auf ins Hotel mache.

Es ist ein ruhiger Morgen im „25 Hours Hotel Das Tour“, für einen kurzen Moment verirren sich sogar ein paar Sonnenstrahlen auf mein Bett. Beim Frühstück könnte die Aussicht nicht besser sein: Ganz Düsseldorf kann man vom Restaurant im 16. Stock aus sehen. Die Atmosphäre ist so gemütlich, dass man gut und gerne den ganzen Vormittag hier versacken könnte. Doch ich habe heute noch viel vor und mache mich mit der Straßenbahn auf in Düsseldorfs Süden.

Die außergewöhnlichen Gehry-Bauten im Medienhafen waren mir gestern schon aus dem Bus aufgefallen: Keine Linie scheint hier gerade zu sein und vor allem das mittlere Gebäude mit seiner Spiegelfassade ist wie ein Spielplatz für mich und meine Kamera. Überhaupt gefällt mir der Hafen mit seinem Mix aus altem Backstein und moderner Architektur.

Von hier sind es nur etwa zehn Minuten zu Fuß zum Rheinturm. Als Kind bin ich schon einmal hier oben gewesen und erinnere mich noch, wie ich mich einfach komplett auf die schrägen Scheiben des Restaurants gelegt habe, um runterzusehen. Mal schauen, ob ich dieses Urvertrauen noch heute habe. Der Aufzug braust jedenfalls schon mal ordentlich in die Höhe und es knackt in meinen Ohren. Auf 168 Metern liegt die Aussichtsplattform, mit 360 Grad Blick über Düsseldorf und Umgebung. Bei guter Sicht lässt sich von hier sogar der Kölner Dom erkennen - aber pssst, das sagt man hier besser nicht zu laut! Ich beobachte noch eine Weile die Schiffe auf dem Rhein, und entdecke von hier oben auch schon mein nächstes Ziel.

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Aussicht Rheinturm Düsseldorf , © Nina Hüpen-Bestendonk
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Rauminstallation „in orbit“ es Künstlers Tomás Saraceno im K21, © Nina Hüpen-Bestendonk

Einen Katzensprung durch ein paar Pfützen entfernt liegt das K21 im Ständehaus, das ganz idyllisch in einem kleinen Park mit Teich gelegen ist. Die riesige Glaskuppel des Gebäudes beherbergt „in orbit“, eine begehbare Netz-Installation von Tomás Saraceno. Ich habe leider keine eigenen Trekking-Schuhe dabei, weshalb ich das Kunstwerk nur von Außen betrachten darf, was ich auch allen empfehlen würde, die nicht ganz schwindelfrei sind. 25 Meter über dem sicheren Boden windet sich ein organisches Konstrukt aus Sicherheitsnetzen und riesigen PVC-Kugeln auf mehreren Ebenen. Neben der Installation findet sich in den Räumlichkeiten des K21 Kunst der Gegenwart von Künstlern wie Ai Weiwei, Wolfgang Tillmans und Simone Nieweg. Eine Sound-Installation des Chemnitzer Künstlers Carsten Nicolai fasziniert mich besonders: Das schwarz-weiße Rastermuster scheint durch die Töne im Raum regelrecht zu tanzen.

Das K20 in der Altstadt ist das zweite Haus der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und beherbergt - wie der Name schon sagt - Werke aus dem 20. Jahrhundert. Gerhard Richter, Man Ray, Max Ernst, Marc Rothko, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Helen Frankenthaler, Carmen Herrera sind nur ein paar Namen aus der umfangreichen Sammlung. Ich bin großer Fan von Museen, die Künstler und Stilrichtungen bunt mixen und in einen neuen Kontext setzen - nichts finde ich inspirierender. Am längsten bleibe ich wohl an den im Vergleich recht kleinen Gemälden des Künstlers Etel Adnan hängen, dessen Farben mich sehr faszinieren.

Mit der Zeit meldet sich mein Magen und es geht zurück zum Schlossplatz: Im Restaurant Schwan traue ich mich, dank der Überzeugungskraft des Küchenchefs, an eine vegane Frikadelle mit Möhren-Kartoffelgemüse und Rucola-Öl heran. Und es ist genau das, was ich nach so einem langen Tag brauche: Wohlfühl-Essen für die Seele. Und dieses sensationell nussige Rucola-Öl hätte ich bitte gerne literweise zum Mitnehmen!

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    Spaziergang an der Rheinpromenade , © Nina Hüpen-Bestendonk
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    Rheinpanorama Düsseldorf , © Nina Hüpen-Bestendonk
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    Aussenansicht K21 Düsseldorf , © Nina Hüpen-Bestendonk
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    Gehry Bauten mit Blick auf den Rheinturm, © Nina Hüpen-Bestendonk
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    Innenaufnahme Museum K21 Düsseldorf , © Düsseldorf Tourismus GmbH / U. Otte
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    Kunstwerke im K21 , © Nina Hüpen-Bestendonk
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Shopping in Flingern in Düsseldorf, © Düsseldorf Tourismus, Sabrina Weniger

An meinem letzten Vormittag zieht es mich in die Nachbarschaft des Hotels. Düsseldorfs kreativer Stadtteil Flingern ist bekannt für seine gemütlichen Cafés und coolen Geschäften abseits der großen bekannten Handelsketten. Nach einem kurzen Abstecher bei Bäckerei Bulle für eine Apfel-Zimtschnecke, lasse ich mich entlang der bekannten Ackerstraße treiben und finde einen Shop schöner als den anderen. Im „Aest. Conceptstore“, der vor allem junge Marken aus Kopenhagen und Paris führt, quatsche ich kurz mit Besitzerin Katharina Meerkamp, die mir noch ein paar tolle Tipps mitgibt. Ein Laden nur für schicke Garten-Artikel? Gibt‘s gleich ein paar Häuser weiter im „The Golden Rabbit“. Ich stöbere noch eine ganze Weile durch die bunte Papeterie bei „Rikiki“, bevor ich ein Päuschen für Kaffee und Kuchen im „Café Hüftgold“ einlege. Der Name ist Programm. Doch ich muss noch ein bisschen Platz im Magen lassen, denn ich möchte mich heute noch durch Japan futtern.

Rund um die Immermannstraße liegt mit „Little Tokyo“ die drittgrößte japanische Gemeinde Europas. Neben unzähligen japanischen Restaurants, wimmelt es hier von spezialisierten Geschäften für japanisches Porzellan, Buchhandlungen für Manga Comics und Teeläden. Ich schließe mich der Tour „Sushi, Sake und Japanischer Lifestyle“ an, bei der ich viel über die Geschichte der Japaner in Düsseldorf und deren Kultur lerne. Wir probieren Melon Pan, Onigiri und natürlich japanischen Reiswein. Wir besuchen das berühmte Hotel Nikko und einen japanischen Supermarkt. Für etwa zwei Stunden fühle ich mich ans andere Ende der Welt versetzt und bin dabei doch noch mitten in Düsseldorf. Inzwischen ist sogar endlich die Sonne herausgekommen und ich schlendere ein letztes Mal die Rheinpromenade entlang und beiße in ein Mochi, eine Süßigkeit aus dem japanischen Supermarkt. Japan liegt am Rhein, zumindest in Düsseldorf.

Autorin: Nina Hüpen-Bestendonk - Egal, ob Städtereise, Fernreise oder Kurztrip – Nina Hüpen-Bestendonk liebt es, zu fotografieren. Dafür nutzt die gebürtige Niederrheinerin eine ihrer 30 Kameras. Auf ihrem Online-Blog Samaracuja hält sie ihre Abenteuer in Bildern, Texten und kleinen Illustrationen fest.   

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    Sushi im Japanviertel in Düsseldorf, © Düsseldorf Tourismus, Sabrina Weniger
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    Sushi im Japanviertel, © Düsseldorf Tourismus, Sabrina Weniger
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    Ackerstraße in Düsseldorf-Flingern , © Nina Hüpen-Bestendonk
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    Cafe Hüftgold in Düsseldorf-Flingern , © Nina Hüpen-Bestendonk
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    Shoppen im Trendviertel Flingern, © Nina Hüpen-Bestendonk
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    Bunte Mauer Street Art Düsseldorf , © Johannes Höhn, Künstler Oliver Räke (Magic), Team Endzeit  Semor