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Bachlauf des Flusses Düssel im Eiszeitlichen Wildgehege Neandertal, © Tourismus NRW e.V.

Was­ser­ski, Wald­klet­tern und Wild­ge­he­ge


Ein Wo­chen­en­de im Ne­an­der­land

„Neandertal? Das Neandertal von dem Neandertaler?“ wurde ich von einem Freund gefragt, als ich erzählt habe, wo meine nächste Reise hingeht. Ja, das Neandertal, in dem im 19. Jahrhundert in einem Kalk-Steinbruch die Überreste eines Urzeitmenschen gefunden wurden - des Homo Neanderthalensis. Der Talabschnitt der Düssel wurde aber nicht nach dem Neandertaler benannt, sondern eben genau umgekehrt.

Inzwischen bezeichnet das „Neanderland“ den ganzen Kreis Mettmann, eine grüne Region zwischen Düsseldorf, Essen und Wuppertal. Und hier kann man sich nicht nur auf die Spuren der Menschheitsgeschichte begeben: Auf mich wartete ein actionreiches Wochenende mit kulinarischen Highlights.

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Neandertal-Wildgehege im Neanderland, © Nina Hüpen-Bestendonk

Es hat gerade aufgehört zu regnen. Ich spähe durch die sich im Wind wiegenden Gräser hinüber auf die andere Seite des Tals. Dort grasen ein paar Auerochsen zwischen den Bäumen. Heute wird im Neandertal kein Kalk mehr abgebaut, stattdessen finden sich hier das moderne Neanderthal Museum und das Eiszeitliche Wildgehege mit Rundwanderweg. Neben den Auerochsen gibt es hier auch Tarpane, eine ursprüngliche Wildpferdeart, und Wisente - Tierarten, die in den letzten Jahrhunderten nahezu ausgerottet wurden. Die Auerochsen und Tarpane stammen aus dem Versuch der Gebrüder Heck in den 1930er Jahren, diese Tierarten wieder rückzuzüchten.

Der Rundweg führt vorbei an satten Wiesen und Wäldern, überquert die Düssel und endet schließlich direkt vor meiner nächsten Station: Dem Neandertal No. 1. Hier bin ich zum Mittagessen verabredet mit Caterina Klusemann. Die aus Italien stammende Filmemacherin hat es 2017 ins Neandertal verschlagen, um dort einen alten Gasthof mit echter Höhle zu übernehmen. Heute spezialisiert sie sich auf Events, Mittagstisch und Fensterverkauf an Ausflugsgäste. In den Gerichten steckt ganz viel Regionales und Ursprüngliches. Ich darf mich an diesem Nachmittag in gemütlichem Ambiente durch ihre Paleo Kochboxen probieren und bin begeistert, welche Geschmacksexplosion mit einfachen, ursprünglichen Zutaten zu erreichen ist - und dies Dank der Box auch Zuhause.

Meine Unterkunft an diesem Wochenende versetzt mich vom Neanderland mitten in die USA.  Rezeption und Gastraum erinnern an eine amerikanische Bar, jedes Zimmer hat sein eigenes Thema. So können sich Gäste bei der Übernachtung entweder wie der Präsident oder Elvis höchstpersönlich fühlen. In meinem Hawaii-angehauchten Zimmer steht ein riesiges Fass als Badewanne. Aloha!

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Wasserski Langenfeld Neanderland, © Nina Hüpen-Bestendonk

„Bereit?“ Meine Knie sind weich wie Pudding, ich stecke in einem Neoprenanzug, meine Hände umklammern den Holzgriff, als wäre er das letzte was ich je festhalten müsste. Ich hocke so tief ich kann in weißen Skiern auf der Startrampe der Wasserskianlage für Anfänger, jeden Moment wird Zug auf das Seil kommen und mich mit einem Ruck ins Wasser ziehen. „Bereit!“ sage ich, „Werden wir dann ja sehen…“, denke ich. Ich starre stur geradeaus, atme nochmal tief durch und zack geht‘s auch schon los. Und zu meiner eigenen Überraschung stehe ich, ich stehe! Ich fahre tatsächlich Wasserski!

Mit vier individuellen Bahnen, zwei Anfängerzügen, vielen Hindernissen und einer Surfwelle ist Wasserski Langenfeld eine der größten Anlagen der Welt und durch die Lage zwischen Düsseldorf und Köln mitten im Neanderland auch sehr beliebt. Wer nicht Wasserski fahren will, kann von der Terrasse des angrenzenden Seehauses bei einem Essen oder Sundowner Drink die Wakeboarder bei ihren Tricks beobachten.

Ich werde nach ein paar Anfänger-Runden schon auf die große Bahn befördert und ich gebe es offen zu: Mir geht schon beim Anstehen zwischen all den Wakeboard-Cracks ganz schön die Muffe. Doch alle sind hier super nett, geben mir Tipps und ermutigen mich. Am Ende schaffe ich einmal eine halbe und einmal fast eine ganze Runde und muss gar nicht so viel schwimmen wie befürchtet. Doch Wasserski fahren schlaucht ganz schön und so lasse ich den Nachmittag bei einem Radler an der Beach Bar ausklingen, während ich den Surfern auf der künstlichen Welle zusehe.

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Wasserski Langenfeld Neanderland, © Nina Hüpen-Bestendonk
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Natur in Monheim im Neanderland, © Nina Hüpen-Bestendonk

Etwa zehn Minuten mit dem Auto entfernt liegt Monheim am Rhein. Ich nutze die Zeit vor dem Abendessen für einen kurzen Spaziergang runter zum Rhein. Die Abendsonne taucht alles in goldenes Licht, auf dem Deich tummeln sich Spaziergänger und Radfahrer. An einer Laterne hängt ein kleines Vogelhäuschen, aus dem sich Reisende gegen eine Spende Wildblumensamen mitnehmen können. Wellen platschen gegen die Steine am Ufer, auf dem Wasser treiben ein paar riesige Schiffe. Es ist idyllisch in Monheim - „hier Leben muss wie 365 Tage Urlaub sein“, denke ich.

Zum Abendessen geht es ins Bloomgold am Rande der Altstadt. Der Name klingt niederländisch, die Küche ist französisch, das Ambiente ist geschmackvoll und modern. Ich ergattere einen Sonnenplatz auf der Terrasse und bestelle einen Aperitif mit Gin und einen ganz wunderbaren Coq au Riesling mit gegrilltem Gemüse. Ein runder Abschluss für einen doch recht ereignisreichen Tag.

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    Der Rhein bei Monheim im Neanderland, © Nina Hüpen-Bestendonk
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    Der Rhein bei Monheim im Neanderland, © Nina Hüpen-Bestendonk
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    Kulinarik im Neanderland, © Nina Hüpen-Bestendonk
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    Kulinarik im Neanderland, © Nina Hüpen-Bestendonk
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    Neandertal-Wildgehege im Neanderland, © Nina Hüpen-Bestendonk
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    Neandertal-Wildgehege im Neanderland, © Nina Hüpen-Bestendonk

Der Muskelkater vom Vortag ist nicht zu unterschätzen und was hilft dagegen bekanntlich am besten? Noch mehr Sport. Denn heute steht Klettern auf dem Programm. Beim Wald-Abenteuer in Velbert-Langenberg geht es für mich in den Hochseilgarten, mit über 100 Kletterelementen, Ziplines und Tarzan- Sprüngen. Das wollte ich immer schon mal machen. Das Tolle ist: Nach einer ausführlichen Sicherheitseinweisung darf ich mich im Park frei bewegen und die Parcours im eigenen Tempo bezwingen. Es geht über Schwebebalken, Hängebrücken und ziemlich wackelige Seilschlaufen, bei denen ich direkt mal kurz im Spagat gelandet bin. Das Schöne dabei ist, dass die Gedanken nur auf den Moment fokussiert sind, die nächsten Schritte einzig eine Rolle spielen: „Trau ich mir das jetzt zu?“. Die Parcours haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade: Ich arbeite mich von „Eichhörnchen“, über „Hase“ bis zur „Eule“ vor und vergesse irgendwann sogar die Höhe.

Ehe ich mich versehe, stehe ich ganz oben: 18 Meter über dem Boden, auf einer kleinen Plattform. Plötzlich sehen die Menschen unten ganz schön klein aus. Zwischen mir und dem sicheren Ziel liegt nur noch eins: Ein 170 Meter langes Seil und die damit längste Zipline des ganzen Parks. Ich hake mich ordnungsgemäß ein, gucke noch mal nach unten und sause schließlich los. Und was soll ich sagen: So schlimm war´s gar nicht!

Insgesamt gibt es elf Parcours, davon sind drei für Kinder. Man kann sich also wunderbar den ganzen Tag hier im Wald aufhalten. Aber mich verlassen dank Muskelkater langsam die Kräfte und ich habe heute auch noch etwas Anderes vor.

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Mariendom im Neanderland, © Nina Hüpen-Bestendonk

Zum krönenden Abschluss meines Wochenendes im Neanderland mache ich noch einen schnellen Abstecher nach Velbert-Neviges, denn dort befindet sich ein ganz besonderes architektonisches Meisterwerk: Der Mariendom. Der Wallfahrtsdom wurde in den 60er Jahren von Gottfried Böhm entworfen und gebaut. Sein Entwurf gewann, weil der damalige Kardinal Frings nicht mehr so gut sehen konnte und das Modell ertastet hat. Von außen wirkt der Dom wie ein kubistischer Berg, von innen wie ein Zelt aus Beton. Für mich als Liebhaberin von Brutalismus wirklich ein schönes Ende einer schönen Reise ins Neanderland.


Autorin: Nina Hüpen-Bestendonk - Egal, ob Städtereise, Fernreise oder Kurztrip – Nina Hüpen-Bestendonk liebt es, zu fotografieren. Dafür nutzt die gebürtige Niederrheinerin eine ihrer 30 Kameras. Auf ihrem Online-Blog Samaracuja hält sie ihre Abenteuer in Bildern, Texten und kleinen Illustrationen fest.   
 

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    Aufnahme eines Wildpferdes mit Fohlen im Eiszeitlichen Wildgehege Neandertal, © Tourismus NRW e.V.
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    Ein Auerochse steht auf der Wiese im Eiszeitlichen Wildgehege Neandertal, © Tourismus NRW e.V.
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    Ein Bach fließt durch das Eiszeitliche Wildgehege Neandertal, © Tourismus NRW e.V.
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    Waldabenteuer im Neanderland, © Nina Hüpen-Bestendonk
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    Waldabenteuer im Neanderland, © Nina Hüpen-Bestendonk
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    Waldabenteuer im Neanderland, © Nina Hüpen-Bestendonk