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Imke Feist Stadtfrüchtchen Bonn, © Tourismus NRW e.V., Ralph Sondermann

Es wächst und ge­deiht

Im­ke Feist – Ur­ban Gar­de­ning in Bonn

Bunter Mangold liegt dieses Jahr im Trend. Dicht gefolgt von Süßkartoffeln. Es wachsen aber auch Paprika und Chili, Brokkoli, Kohlrabi und sogar Mais in den 20 Hochbeeten am Rande der Bonner Innenstadt. Nicht zu vergessen Tomaten, der Klassiker unter den Gemüsepflanzen für den eigenen Anbau. Zahlreiche Sorten wuchern im Garten der StadtFrüchtchen wild durcheinander. Die meisten Tomaten sind schon schön rot. Andere brauchen noch ein paar Tage. „Hier darf sich jeder bedienen, der bei uns mitmacht“, sagt Imke Feist und fordert uns auf zu probieren. Mmmh!

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    Luftbild Stadtfrüchtchen Bonn, © Tourismus NRW e.V., Ralph Sondermann
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    Ernte Stadtfrüchtchen Bonn, © Tourismus NRW e.V., Ralph Sondermann
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    Schild Stadtfrüchtchen Bonn, © Tourismus NRW e.V., Ralph Sondermann
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    Beet Stadtfrüchtchen Bonn, © Tourismus NRW e.V., Ralph Sondermann
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Stadtfrüchtchen Bonn, © Tourismus NRW e.V., Ralph Sondermann

Ur­ban Gar­de­ning


Gärt­nern mit­ten in der Stadt

Noch ist es angenehm kühl in dem kleinen Idyll inmitten der mehrstöckigen Mietshäuser zwischen Rheinufer und Beethoven-Haus. Zwischen parkenden Autos versteckt sich der Garten hinter einer dicht bewachsenen Hecke aus Büschen und Bäumen. Irgendjemand war bereits hier und hat das kleine Holztor aufgeschlossen. Tisch und Stühle sind rausgestellt. Große, bunt gemusterte Kissen liegen in den zwei alten Badewannen, die zu Liegesofas umfunktioniert wurden.

„Jede Beetpartei muss mindestens eine Woche im Jahr den Garten öffnen und für alle gießen“, erklärt Imke Feist, Initiatorin des Urban Gardening Projektes. Diese Aufgaben gehören zur Bedingung, um beim Projekt mitzumachen. Sie reibt die feuchte Erde zwischen ihren Fingern. Sie wird es während des Gesprächs noch mehrfach tun, ohne es selbst zu merken. „Ich bin ein absolut haptischer Mensch“, sagt sie dann „und wundere mich jedes Mal, warum ich immer dreckige Hände habe, wenn ich aus dem Garten komme. Obwohl ich selbst gar nicht gegärtnert habe.“

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Stadtfrüchtchen Bonn, © Tourismus NRW e.V., Ralph Sondermann

Ge­mein­schafts­gar­ten


Ein Treff­punkt für al­le

Für mehr als ein paar Salat-, Paprika- und Chilipflanzen, die sie in diesem Sommer angebaut hat, fehlt der 28-Jährigen mittlerweile die Zeit. Vor drei Jahren rief sie gemeinsam mit einer Freundin das Projekt ins Leben, ohne überhaupt zu wissen, was daraus einmal werden würde. Damals war sie noch Studentin. Heute arbeitet sie hauptberuflich im Tierschutzbereich und entwickelt Unterrichtsmaterialien für Schulen. Mindestens einmal am Tag kommt sie aber immer noch zum Garten. Um nach dem Rechten zu sehen. Aber auch um Freunde und Bekannte zu treffen. Denn der Gemeinschaftsgarten ist längst so etwas wie ein Treffpunkt nicht nur für die Anwohner geworden. Kinder haben ihr eigenes Beet, in dem sie anpflanzen können, was sie wollen. Die Befüllung der Beete im Frühjahr ist immer „ein kleines Fest“. Und normalerweise treffen sich alle Beetparteien einmal im Monat, um Organisatorisches zu besprechen. Einige von ihnen sind schon von Anfang an dabei.

Manchmal sitzen aber auch fremde Leute auf dem Boden und machen Picknick im Garten oder sie liegen in der Badewanne oder Hängematte und lesen ein Buch. Auch Geburtstage haben sie auf der Wiese vor den durch einen Zaun getrennten Gemüsebeeten schon gefeiert. „Auf jeden Fall kommt man im Garten sofort ins Gespräch“, weiß Imke und kann gleichzeitig immer noch nicht richtig fassen, was sie mit den StadtFrüchtchen Bonn damals angestoßen hat.

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Gieskanne Stadtfrüchtchen Bonn, © Tourismus NRW e.V., Ralph Sondermann

20 Hoch­bee­te


Vom Spiel­platz zum Stadt­gar­ten

Gleich mehrfach fällt dabei das Wort magisch. Denn nie hätte sich die sympathische junge Frau träumen lassen, „dass sich auf magische Art alle daran halten würden, was auf den Kompost gehört und was nicht“. „Supercool“ findet sie das. Auch Imke, die mit ihrer erfrischenden Art offen auf die Menschen zugeht, muss zugeben, dass sie anfangs Bedenken hatte. Sie stellte sich die Frage „ob ich ein solches Projekt überhaupt organisieren und eine Community leiten kann“. 

Das ehemalige Spielplatzgelände, auf dem heute insgesamt 20 Hochbeete vor allem von Familien mit Kindern bewirtschaftet werden, war damals ziemlich verwahrlost. Ein trister Ort mit viel Beton. „Typischer 60er Jahre-Chic“, sagt Imke mit einem Augenzwinkern. Kein Kind spielte mehr hier. Stattdessen trafen sich abends feiernde Jugendliche auf dem Gelände und ließen ihren Müll zurück. Umso mehr freut sich Imke, dass sich heute nicht nur die Gärtnerinnen und Gärtner hier aufhalten, sondern auch neugierige Besucher aus der Nachbarschaft vorbei schauen oder Mitarbeiter von ansässigen Firmen ihre Mittagspause im Garten verbringen.

Die Idee

Wie al­les an­fing

Als die Studentin der Agrarwissenschaften und ihre Kommilitonin Miriam Brink vor etwas mehr als drei Jahren das erste Mal mit ihrem Konzept an die Stadt herantraten, ging es eigentlich um einen Platz für Bildungsarbeit rund um Artenvielfalt, Nachhaltigkeit und den gesamten natürlichen Kreislauf. Eine Art Garten mit eigenem Anbaucafé. Das war die ursprüngliche Idee. Dass der Gemeinschaftsgarten nun doch eine Nummer kleiner ausgefallen ist, stört die junge Frau jedoch überhaupt nicht. Im Gegenteil. „Wir hatten von Anfang an unglaublich viele Unterstützer, und auch das Interesse der Anwohner war riesengroß.“ Schon nach dem ersten Nachbarschaftsfest waren alle sechs Hochbeete verpachtet, erinnert sich Imke. Mittlerweile sind es 20 dieser hölzernen Konstruktionen, in denen alles wächst, was auch der heimische Garten an Gemüsesorten hergibt. Zudem gibt es ein Kräuterbeet für alle sowie, etwas versteckt zwischen den Büschen und Sträuchern, drei Bienenstöcke.

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    Pilzbeet Stadtfrüchtchen Bonn, © Tourismus NRW e.V., Ralph Sondermann
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    Stadtfrüchtchen Bonn, © Tourismus NRW e.V., Ralph Sondermann
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    Gießkanne Stadtfrüchtchen Bonn, © Tourismus NRW e.V., Ralph Sondermann
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    Stadtfrüchtchen Garten Bonn , © Tourismus NRW e.V., Ralph Sondermann
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Stadtfrüchtchen Bonn, © Tourismus NRW e.V., Ralph Sondermann

„Doch es sind nicht meine Ideen, die den Garten schön machen. Es sind die Ideen der anderen."

Imke Feist

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Beet Stadtfrüchtchen Bonn, © Beet Stadtfrüchtchen Bonn

Stadt­Frücht­chen


Die Saat ist auf­ge­gan­gen

Ein Imker betreut die Bienenstöcke und kommt regelmäßig vorbei. Dann sind natürlich vor allem die Kinder neugierig. Angst aber müssen sie keine haben. „Die Bienen sind super sanft. Ich wüsste nicht, dass irgendjemand von uns mal gestochen worden wäre“, sagt Imke und zeigt auf die kleinen Tonschalen mit Murmeln und Wasser. Viele solcher Bienentränken stehen auf den Hochbeeten, für die übrigens 30 Euro Miete pro Jahr gezahlt werden müssen. Das Geld fließt in die Gemeinschaftskasse, aus der unter anderem die Pacht für das rund 600 Quadratmeter große Gelände bezahlt wird.

Der Herausforderung, die der Garten mit sich bringt, war sich Imke von Anfang an bewusst. Gleichwohl hat sie in den vergangenen Jahren viel an Erfahrung gewonnen sowie jede Menge übers Gärtnern und über sich selbst gelernt. Nicht nur, dass es einen langen Atem braucht, ein solches Projekt wie die StadtFrüchtchen am Laufen zu halten. Auch, dass nicht immer alle Mitwirkenden gleich motiviert sind, musste Imke lernen. Doch sie würde nie auf die Idee kommen, das kleine Idyll als ihren Garten zu bezeichnen oder ihn gar für sich zu beanspruchen. „Ich habe das Projekt lediglich angestoßen“, sagt sie und reibt mal wieder Erde zwischen den Fingern. „Aber was zählt, ist die Gemeinschaft.“ Man könnte auch sagen: Die Saat ist aufgegangen.

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Imke Feist Stadtfrüchtchen Bonn , © Tourismus NRW e.V., Ralph Sondermann

Drei Fra­gen an Im­ke Feist


Raus in die Na­tur

Imke, Du hast 48 Stunden freie Zeit. Was würdest Du mit dieser Zeit auf jeden Fall in NRW machen?

Imke: „Wenn ich mal gar nichts vorhätte? Ich glaube, dann würde ich gar nicht irgendwo anders hin fahren, sondern einfach mal in Bonn bleiben und all die Plätze genießen, an denen ich viel zu selten bin. Ich könnte mal wieder in der Altstadt einen Kaffee trinken und am Abend am Rhein entlang Richtung Mehlem joggen. Das ist so schön. Und ich würde endlich mal wieder in die Bundeskunsthalle gehen. Da war ich schon lange nicht mehr.“  

Welchen Ort in NRW hast DU zuletzt für Dich neu entdeckt?

Imke: „Als ich neulich mit ein paar Freunden bei Nideggen in der Eifel gezeltet habe, haben wir tatsächlich ein paar Biber gesehen. Wir sind alle völlig ausgerastet. Denn wir dachten zuerst, es wären Nutrias. Die kennen wir ja hier vom Rheinufer. Aber es waren echt Biber. Total cool.“

Dein persönlicher Lieblingsplatz in NRW.

Imke: „Mein Lieblingsplatz ist dort, wo ich herkomme. Der Kottenforst in Brenig-Heimerzheim - er liegt im Südlichen Naturpark Rheinland, ganz in der Nähe von Bonn. Eigentlich ein ganz normaler Wald, in dem ich schon als Kind gespielt habe. Doch hierher gehe ich heute immer noch gern, wenn ich meine Eltern besuche. Dann machen wir gemeinsam einen Ausflug oder ich sammle mit meiner Mutter Pilze. So wie früher. Und jedes Mal nehme ich jede Menge positive Energie von hier mit und denke: Natur ist einfach so schön!“ 

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Bonn & Rhein-Sieg-Kreis

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Ei­fel & Aa­chen

Der Rursee liegt im Nationalpark Eifel, © Nationalpark Eifel - Nationalparkverwaltung
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Am Aussichtspunkt Heimatblick haben Spaziergänger einen tollen Ausblick, © Rhein Voreifel Touristik e.V.
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Süd­li­cher Na­tur­park Rhein­land

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