Wie fühlt es sich an, wenn man sich allein durch ein Haus bewegt, in dem nichts ist, wie es scheint? Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums von „Haus u r“ präsentiert die Kunsthalle Düsseldorf bis zum 17. Januar 2027 die außergewöhnliche Rauminszenierung des renommierten Künstlers Gregor Schneider. International berühmt wurde das Projekt im Jahr 2001, als der Konzeptkünstler mit dem Goldenen Löwen auf der Biennale von Venedig ausgezeichnet wurde.
Wenn das Zuhause zum Labyrinth wird
Die Ausstellung fügt rekonstruierte Räume, Skulpturen, Fotografien, Filme und innovative Livestream-Projektionen zu einem dichten Gesamtgefüge zusammen. Sie führt direkt hinein in Schneiders seit 1985 fortlaufend verändertes, ehemaliges Elternhaus in Mönchengladbach-Rheydt. Seit er 16 Jahre alt war, hat er hier akribisch Wände, Decken und Böden verdoppelt, wodurch unzugängliche Zwischenräume entstanden sind.
Das Besondere: Da zentrale Räume während der gesamten Laufzeit nur einzeln betreten werden können, wird die beklemmende Isolation für das Publikum direkt spürbar. Parallel dazu übertragen neun Live-Kameras Echtzeit-Bilder aus dem originalen Haus in Rheydt in die Kunsthalle, sodass die Grenze zwischen Realität, Erinnerung und Konstruktion komplett verschwimmt. Was zunächst wie ein gewöhnliches Zuhause wirkt, wird Schritt für Schritt unheimlich. Man betritt ein Wohnzimmer, geht durch eine Tür und steht vor einer Wand. Ein Fenster führt nicht nach draußen, sondern in den nächsten Raum. Und weil man allein unterwegs ist, gibt es niemanden, an dem man sich orientieren oder mit dem man die eigene Wahrnehmung abgleichen könnte. Jeder Schritt wird zur Erkundung, jede Tür zur Frage, was dahinter liegt. Die Irritation entsteht nicht nur durch die Räume selbst, sondern auch dadurch, dass man ihnen auf sich allein gestellt begegnet. Gerade diese Erfahrung macht die Ausstellung „Haus u r 2026“ so besonders.