Was normalerweise mit Zerstörung verbunden wird, erhält in der Ausstellung „Fadenkreuze für das Leben“ im Kunstmuseum Bonn eine völlig neue Bedeutung: Die renommierte Fotografin Herlinde Koelbl zeigt in ihrer neuen Werkserie 40 Porträts und Gesprächsaufzeichnungen von Krebspatientinnen und -patienten. Im Zentrum stehen jene Linien, die während einer Strahlentherapie auf die Haut gezeichnet werden. Hier werden sie zu Symbolen, die nicht dem Töten dienen, sondern dem Überleben.
Zeichen der Hoffnung
Ausgangspunkt der Arbeit ist Koelbls eigene Krebserkrankung. Die Markierungen auf ihrem Körper erinnerten sie an ihr früheres Militär-Fotoprojekt „Targets“. Aus diesem tiefen Gegensatz heraus entwickelte sie in intimen Gesprächen mit Betroffenen unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft eine berührende Dokumentation über Angst und Hoffnung, über körperliche und seelische Veränderungen, Verletzlichkeit, gewandelte Beziehungen, aber auch über Zuversicht und neue Perspektiven.
Für viele der Beteiligten war das Sprechen darüber selbst ein wichtiger Schritt. Die bewegenden Porträts, die Koelbl nach einer Phase der Erholung von den Teilnehmenden schuf, rücken die Erfahrung einer Krebserkrankung in den Mittelpunk, brechen ein gesellschaftliches Tabu und ermutigen zu einer unverkrampften, ehrlichen Konfrontation mit der Krankheit.