Mit „Christo und Jeanne-Claude: un|realisiert“ zeigt das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster vom 4. April bis 28. Juni 2026 eine Ausstellung, die in Deutschland Neuland betritt: Erstmals stehen nicht die weltberühmten verhüllten Monumente und Landschaften des Künstlerduos im Fokus, sondern jene Projekte, die nie gebaut, nie genehmigt, nie vollendet wurden. Genau darin liegt der Reiz der Schau in Münster: Sie erzählt die Geschichte eines Zweierteams, dessen Ruhm auf spektakulären Großprojekten beruht, dessen Werk aber ebenso stark vom Scheitern, von Widerstand und jahrzehntelanger Beharrlichkeit geprägt ist. Zu sehen sind vor allem Lithografien, Collagen und Grafiken aus der Christo and Jeanne-Claude Foundation in New York, ergänzt durch Leihgaben aus privaten und öffentlichen Sammlungen.
Die Schau feiert also nicht den Triumph des Spektakels, sondern die produktive Niederlage der Kunst. Über 100 Arbeiten aus rund 60 Jahren machen sichtbar, dass Christo und Jeanne-Claude ihre künstlerische Kraft nicht erst im fertigen Event entfalteten, sondern bereits im Entwurf, im Papier, im zähen Ringen mit Politik, Verwaltung und Justiz. Besonders stark ist der Blick auf das Langzeitprojekt „Over the River“, an dem das Paar rund 25 Jahre arbeitete, bevor Christo es 2017 endgültig aufgab; auch die geplante Verhüllung von Picassos „Bust of Sylvette“ in New York taucht als Beispiel eines unvergessenen Ungeschehenen auf.