Von November 2027 bis Januar 2029 widmet sich das LWL-Preußenmuseum Minden ganz und gar einer der bekanntesten Frauenfiguren der preußischen Geschichte: Königin Luise von Preußen (1776–1810). Die große Sonderausstellung „Tatsächlich Luise?!“ betrachtet ihr kurzes Leben vor dem Hintergrund tiefgreifender gesellschaftlicher und politischer Umbrüche – von der Französischen Revolution und den Napoleonischen Kriegen bis zu den Anfängen der Industrialisierung. Dabei stellt die Ausstellung Luise zugleich als Königin, Mutter und öffentliche Person vor.
Wie konnte sie bereits zu Lebzeiten zum Gegenstand einer beinahe kultischen Verehrung werden? Wie wurde sie später zur Symbolfigur für Wiederaufstieg Preußens? Besonders ihre Begegnung mit Napoleon 1807 in Tilsit gilt als ein zentraler Bestandteil des Luise-Mythos: Obwohl ihr Versuch, mildere Friedensbedingungen für Preußen zu erreichen, politisch ohne Erfolg blieb, stilisierte die preußische Geschichtsschreibung das Treffen nachträglich zu einem symbolträchtigen „Opfergang“.
„Tatsächlich Luise?!“ schlägt von solchen historischen Zuschreibungen den Bogen in die Gegenwart und greift im Begleitprogramm aktuelle Debatten über Geschlechterrollen, gesellschaftliche Erwartungen und politische Teilhabe von Frauen auf. Damit verbindet die Ausstellung preußische Geschichte mit Fragen, die weit über die Biografie der berühmten Königin hinausreichen.