Schon vor dem Museum Küppersmühle im Duisburger Innenhafen werden die Besucherinnen und Besucher von der Skulptur „Flora“ empfangen. Der weithin sichtbare, schneeweiße Frauenkopf aus Polyesterharz ist einer der Höhepunkte der Ausstellung „Jaume Plensa – Invisible“ und lässt bereits erahnen, was im Inneren zu sehen ist.
Vom 26. Juni bis zum 1. November 2026 zeigt das MKM die bislang umfassendste Einzelausstellung des Künstlers in Deutschland seit zehn Jahren. Mehr als 50 Skulpturen, ausgewählte Papierarbeiten sowie eigens für das Museum entstandene Wandzeichnungen entfalten in der außergewöhnlichen Architektur des ehemaligen Getreidespeichers eine besondere Wirkung und laden zum Eintauchen in eine Welt großformatiger Skulpturen, stiller Räume und eindrucksvoller Materialien ein.
Eine Einladung an die Sinne
Im Inneren bildet die rund sieben Meter hohe Installation „Invisible Anna“ aus dem Jahr 2018 den räumlichen Fixpunkt. Der große, transparente Kopf aus Edelstahlstäben scheint im hohen, vertikalen Siloraum optisch zu schweben und wirkt je nach Tageslicht nahezu durchlässig. In den weiteren Ausstellungsräumen präsentiert das MKM die große formale und materielle Bandbreite von Plensas Werk. Skulpturen aus Marmor, Alabaster, Bronze, Eisen, Stahl und Kunststoff greifen wiederkehrende Themen wie Identität, Stille, Sprache und menschliche Verbundenheit auf. Ergänzt werden sie durch Papierarbeiten, in denen Buchstaben und Schriftzeichen unterschiedlicher Kulturen zu feinen Bildstrukturen verschmelzen.
Der 1955 in Barcelona geborene Künstler zählt zu den bedeutendsten Bildhauern der Gegenwart und ist weltweit für seine Kunst im öffentlichen Raum bekannt. Seine poetischen Skulpturen prägen Plätze und Parks in Metropolen wie Chicago, Tokio oder Salzburg. In Deutschland realisierte er unter anderem die Großskulpturen „Laurelle am Bahnhof“ (2024) in Bonn-Bad Godesberg, „Body of Knowledge“ (2010) in Frankfurt am Main und „Gläserne Seele“ (2000) in Potsdam. Seine Werke verbinden skulpturale Präsenz mit großer Ruhe und laden dazu ein, innezuhalten und sich mit Fragen nach Identität und dem Miteinander der Menschen auseinanderzusetzen.
Gerade das Zusammenspiel von Plensas stillen, konzentrierten Skulpturen und der markanten Industriearchitektur des MKM macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus. Der Kontrast zwischen den monumentalen Frauenköpfen und den rauen Backsteinwänden des ehemaligen Getreidesilos schafft ein außergewöhnliches Zusammenspiel von Kunst und Raum und macht den Museumsbesuch zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.