Gleich die ersten Etappen zeigen was diesen Weg auszeichnet: Der Rheinsteig ist kein Weg am Fluss, sondern ein Weg über dem Fluss. Nach dem Start in der Beethovenstadt Bonn verlässt die Route die Stadt, quert den Rhein und steigt hinauf auf die Höhen des Siebengebirges. Unten ziehen Schiffe vorbei, oben wechseln Waldpassagen, Felskanten und offene Blicke ins Rheintal einander ab.
Im Land des Drachen
Schluchtenartige Täler, dicht bewaldete Gipfel, Felsen aus Basalt und Trachyt: Im Siebengebirge bekommt die Rheinromantik ihre Kulisse. Mehr als vierzig Erhebungen prägen den Naturpark, darunter Stenzelberg, Petersberg, Großer Ölberg, Löwenburg und Drachenfels. Der Rheinsteig führt mitten hinein in diese Landschaft voller Sagen und Geschichten.
Am Drachenfels zum Beispiel soll der Nilungensage nach der Held Siegfried einen Drachen besiegt haben. Hier steht die Ruine der Burg Drachenfels, darunter Schloss Drachenburg mit seinen Türmen, Giebeln und Terrassen. Von den Aussichtspunkten fällt der Blick auf den Rhein, auf Königswinter, die Region rund um Bonn und die gegenüberliegenden Höhen. Nicht weit entfernt liegt die Nibelungenhalle, die den Stoff der Sage weitererzählt.
Auch an anderen Stellen rückt Geschichte an den Weg heran. Die Ruine des Klosters Heisterbach erinnert an die frühere Zisterzienserabtei im Tal. Auf dem Petersberg steht der ehemalige Gästeort der Bundesrepublik, an dem Staatsgäste empfangen und politische Gespräche geführt wurden. Bei Rhöndorf verweist das Adenauerhaus auf den ersten Bundeskanzler und die Anfänge des Bundesrepublik.
Dichter, Felsen, Rhein
Dass das Siebengebirge bis heute mit Rheinromantik verbunden wird, liegt auch an den Menschen, die diese Landschaft beschrieben, gemalt und vertont haben. Ludwig van Beethoven kannte die Bonner Umgebung. Heinrich Heine schrieb über den Drachenfels. Lord Byron machte den Felsen mit seinen Versen über den Rhein auch außerhalb Deutschlands bekannt. Später prägten Maler, Schriftsteller und Reisende das Bild des Rheintals mit Burgen, Ruinen, Weinbergen und Felsen weiter.
Wein, Wald und Wege
Sein Wechsel zwischen Naturraum und Kulturlandschaft ist eines der Merkmale des Rheinsteigs. Im Siebengebirge führen Waldwege zu Aussichtspunkten und Felskuppen. Weiter südlich treten Weinberge näher an die Strecke heran. Reben wachsen an Hängen, Wege verlaufen oberhalb von Orten, Treppen und Pfade verbinden Höhenlagen mit Uferorten. Immer wieder führt der Rheinsteig aus dem Wald heraus, gibt den Blick frei und verschwindet kurz darauf wieder zwischen Bäumen, Felsen oder Mauern.
Dabei verlangt der Weg Kondition. Die Etappen enthalten Anstiege und Abstiege, schmale Passagen und Abschnitte, die Trittsicherheit brauchen. Wer unterwegs ist, merkt schnell: Der Rheinsteig lebt vom Auf und Ab. Gerade dadurch verändert sich die Perspektive auf den Rhein immer wieder. Mal liegt er tief unten im Tal, mal rückt er näher an den Weg, mal ist nur ein silbernes Band zwischen Baumstämmen zu sehen.
Wandern nach Lust und Laune
Die offiziellen Etappen geben eine Orientierung. Festgelegt ist damit aber nichts. Entlang des Rheinsteigs lassen sich Abschnitte auch anders kombinieren, verkürzen oder als Tageswanderung planen. In den Orten am Weg gibt es ÖPNV-Anschlüsse, in vielen Rheinorten auch Bahnhöfe. Gelb markierte Zuwege verbinden Ortsmitten, Bahnhöfe und Anleger mit dem blau markierten Hauptweg.
So kannst Du morgens in Bonn, Königswinter oder Bad Honnef starten, auf den Rheinsteig hinaufsteigen und später mit Bus, Bahn oder Schiff zurückkehren. Erst zu Fuß über die Höhen, dann auf dem Wasser zurück durch das Tal. So lässt sich die sagenhafte Rheinromantik in Etappen erleben – als Fernwanderung, Wochenendtour oder Tagesausflug mit Blick auf den Fluss.