Reisende, die durch den Flora-Westfalica-Park spazieren, erleben Schritt für Schritt, warum die einst selbstständigen Städte Rheda und Wiedenbrück heute als Doppelstadt zusammengehören. Auf drei Kilometern zieht sich der Park wie ein grünes Band zwischen den historischen Zentren hindurch. Wasser begleitet den Weg, Wiesen öffnen den Blick, Gärten setzen Farbtupfer, Spielplätze bringen Leben in die Anlage. An beiden Enden empfangen Altstädte mit Fachwerkhäusern, verzierten Giebeln, restaurierten Fassaden, kleinen Geschäften, urigen Kneipen und Biergärten die Gäste. Dazwischen liegt kein Niemandsland, sondern die vielleicht charmanteste Verbindung, die ein solcher Zusammenschluss haben kann: Grün statt Asphalt, Flussrauschen statt Durchgangsverkehr.
Der Weg folgt der Ems, als kenne sie die schönste Route längst. Vom Rosengarten bis zum Emssee führt er durch eine Parklandschaft, die 1988 für die Landesgartenschau geschaffen wurde und heute rund 29 Hektar umfasst. Mal glitzert das Wasser neben farbenreichen Beeten, mal rücken schattige Baumgruppen näher an den Weg, dann wieder weiten sich die Wiesen. Wer Erholung sucht, muss hier keine große Flucht planen: Mitten in der Stadt findet sich genug Raum zum Durchatmen, Flanieren und Picknicken.
Herrschaftlich, spielerisch und kunstvoll
In Rheda zeigt sich der Flora-Westfalica-Park zunächst von seiner herrschaftlichen Seite. Der Schlossgarten mit Orangerie-Garten ordnet die Natur in klare Achsen, setzt Beete präzise in Szene und lässt mit Frühlingsblühern, Stauden und historischen Formen einen Hauch von 1900 aufscheinen. Grundlage dafür sind alte Pläne, nach denen der Garten rekonstruiert wurde. Im Apothekergarten erzählen Heilpflanzen von ihrer Wirkung, gleich nebenan übernehmen im Rosengarten alte Rosensorten die Hauptrolle. Zwischen Blüten und Düften erinnert die Bronzeskulptur „FLORA“ daran, dass dieser Park seinen Namen nicht zufällig trägt.
Familien finden vor allem im mittleren Parkbereich rund um den Aquatunnel und die „Spielerei“ ein Ausflugsziel mit eingebauter Bewegungsgarantie. Kinder planschen im Wasserspielgarten, erobern den Kletterrutschturm, begegnen Ziegen auf der Streichelwiese oder testen beim Minigolf ihre Treffsicherheit. Wer noch mehr Energie mitbringt, wechselt aufs Beach-Volleyballfeld oder in den Seilzirkus an der Mittelhegge. Jugendliche steuern hier auch den Skatepark „Altes Klärwerk“ an, wo Skateboards, Inliner und BMX-Räder über die Pisten rollen. Danach schmeckt die Pause am Kiosk oder auf der Terrasse am Seecafé umso besser.
Auch künstlerisch setzt der Flora-Westfalica-Park Akzente: Kunst steht hier nicht entrückt im Museum, sondern begegnet Flanierenden am Weg: etwa am Betonpavillon von Christian Odzuck oder mit Stephan Balkenhols „Engelmann“ an der Stadthalle. Zusammen mit weiteren Werken wird der Park zu einem offenen Kulturraum unter freiem Himmel.