Was haben der Drachentöter Georg, der heilige Nikolaus und Lots Frau, die beim Untergang Sodoms zur Salzsäule erstarrte, gemeinsam? Sie alle begegnen Gästen in der Jubiläumsausstellung „Viten, Wunder und Legenden“ des Ikonen-Museums Recklinghausen, einem der bedeutendsten Ikonen-Museen weltweit.
Anlässlich seines 70-jährigen Bestehens präsentiert das Museum bis zum 8. November 2026 insgesamt 42 russische und griechische Ikonen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Ein Großteil der ausgestellten Meisterwerke stammt aus renommierten europäischen Privatsammlungen und ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Gemeinsam mit 16 Stücken aus der eigenen Sammlung eröffnen sie faszinierende Einblicke in die Bildwelt der orthodoxen Kunst.
Erzählungen über Gott und die Welt
Die Jubiläumsausstellung wirft einen besonderen Blick auf die Geschichten hinter den Ikonen. In sorgfältig kuratierten Bildzyklen, die sich jeweils um eine zentrale Heiligenfigur drehen, erzählen Exponate Lebensgeschichten, Wunder und Legenden anschaulich nach. Die Szenen handeln von Mut, Hoffnung, Versuchung und Hilfsbereitschaft der Figuren. Mit ihren klar gegliederten Bildfeldern und begleitenden Texten erinnern sie fast an moderne Comics, die Betrachtende auch ohne theologisches Vorwissen in ihren Bann ziehen.
Wie bewahrt man Zuversicht in schwierigen Zeiten? Woran erkennt man Gut und Böse? Was bedeuten Herkunft und soziale Stellung? Und was macht einen Menschen eigentlich aus? Neben vertrauten Motiven begegnen Gästen auch ungewöhnliche Bildwelten: Heilige, die auf Säulen stehen, Ikonen, die über Wasser gleiten, und Mönche, die auf Pferden mit scharfen Krallen reiten. Wer genauer hinsieht, entdeckt immer neue Details, Symbole und überraschende Erzählungen.
Goldener Blickfang
Mitten in der historischen Altstadt von Recklinghausen gelegen, verbindet das Ikonen-Museum auf besondere Weise Vergangenheit und Gegenwart zu einem stimmigen Ensemble. Untergebracht ist es in einer ehemaligen Grundschule am Kirchplatz. Den klassizistischen Bau ergänzt heutzutage ein markant, goldschimmernder Anbau. Dieser setzt einen bewussten Kontrast zur historischen Architektur und erinnert zugleich an die kostbaren Kunstwerke im Inneren.