Das Museum Morsbroich feiert sein 75-jähriges Bestehen mit einer außergewöhnlichen Ausstellung: Unter dem Titel „Chained to the Rhythm. Von Mensch und Natur“ wird das Haus bewusst geöffnet – für Licht, Luft, Wetter und all das, was im Museumsbetrieb sonst ausgeschlossen bleibt. Im Zentrum steht die besondere Verbindung von Natur und Kultur, historischer Schlossarchitektur, Schlosspark und zeitgenössischer Kunst. Ausgangspunkt ist die Frage, wie wir heute zur Natur stehen, ob wir uns von ihr getrennt haben oder weiterhin Teil von ihr sind.
Kurator Fritz Emslander versteht die bis zum 7. Juni 2026 laufende Schau als Einladung zur Entschleunigung und zur neuen Wahrnehmung eines Ortes, der seit jeher als Rückzugsraum gedacht war. Der Titel greift einen Song von Katy Perry auf und verweist auf das Spannungsfeld zwischen Taktung, Gewohnheit und dem Wunsch nach Veränderung. Als Experiment angelegt, sind die Räume zunächst leer erlebbar, bevor die Kunst nach und nach einzieht – teils in Anwesenheit des Publikums. Gewohnte Museumsregeln treten zeitweise in den Hintergrund, um neue Erfahrungen zu ermöglichen. Grenzen zwischen Innen und Außen, Kunst und Alltag werden zum Beispiel mit Arbeiten von Andy Warhol, Bill Viola, Herlinde Koelbl und Lois Weinberger bewusst aufgeweicht.
Weiteres zum Jubiläum
Das Museum Morsbroich wurde am 27. Januar 1951 als eines der ersten Museen für Gegenwartskunst in der jungen Bundesrepublik Deutschland eröffnet. Es entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Ort für experimentelle und internationale Kunst. Das Jubiläumsjahr 2026 knüpft an diese Geschichte an: Mit mehreren Ausstellungen, einem offenen Auftakt unter dem Motto „Morsbroich bewohnen!“ und neuen Formaten. Das Haus blickt nicht nur zurück, sondern auch nach vorne. Dabei steht die Frage im Raum, welche Rolle das Museum als Ort der Kunst, der Natur und des gesellschaftlichen Austauschs in Zukunft spielen kann. Ein besonderer Höhepunkt im Programm sind die Morsbroicher Kunsttage, die vom 8. bis 10. Mai 2026 stattfinden.