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Marcel Schmitz an seiner Eisdiele, dem Oecher Eis-Treff in Aachener , © Ralph Sondermann, Tourismus NRW

Tra­di­tio­nel­ler Trend­set­ter

Eis und Glüh­wein sind die gro­ßen Lei­den­schaf­ten von Mar­cel Schmitz

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Der Oecher Glühwein-Treff auf dem Katschhof ist der älteste Glühweinstand des Aachener Weihnachtsmarktes., © Tobias Friedrich

Oe­cher Glüh­wein-Treff

?Schon als klei­ner Jun­ge?, er­in­nert sich Mar­cel Schmitz, ?ha­be ich mich im­mer nach vor­ne ge­schmug­gelt?. Er woll­te nicht bloß Glä­ser spü­len, son­dern da sein, wo was los war. Mit­ten im Tru­bel. Es dräng­te ihn vorn an der The­ke des Glüh­wein­stan­des, den sei­ne El­tern auf dem Aa­che­ner Weih­nachts­markt be­trei­ben. Seit mehr als 40 Jah­ren gibt es den ?Oe­cher Glüh­wein-Treff? nun schon. Den Wein (rot, weiß und al­ko­hol­frei) lie­fert noch im­mer der­sel­be Win­zer wie im Jahr 1976. Und auch in die­sem Ad­vent steht der gro­ße, stim­mungs­voll be­leuch­te­te Stand wie­der di­rekt am Katsch­hof zwi­schen dem his­to­ri­schen Rat­haus und dem Aa­che­ner Dom. Hin­ter der The­ke: Mar­cel Schmitz, mitt­ler­wei­le 39 Jah­re alt und selbst Va­ter von zwei Kin­dern.

Im Dau­er­ein­satz

Der Auf­bau be­ginnt be­reits An­fang No­vem­ber. Und bis der Stand noch in der Nacht vor Hei­lig­abend wie­der in sei­ne Ein­zel­tei­le zer­legt und ver­la­den wird, bleibt Mar­cel kaum Zeit zum Durch­at­men. ?Da bin ich dann je­den Tag 14 Stun­den im Ein­satz?, sagt der Jun­ge von da­mals, der es nicht an­ders kennt. Und der Er­wach­se­ne von heu­te, der es auch gar nicht an­ders will. Der ge­bür­ti­ge Aa­che­ner be­zeich­net sich selbst als Per­fek­tio­nist und In­di­vi­dua­list zu­gleich. 

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    Marcel Schmitz mit einem Tablett voller Winzer-Glühwein, © Tourismus NRW
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    Die Angebotspalette im Oecher Glühwein-Treff umfasst mehr als nur Glühwein., © Tourismus NRW
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    Der Glühwein wird in Thermobechern ausgeschenkt, die den Inhalt länger warm halten als etwa Keramik. , © Tourismus NRW
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    Bis 23. Dezember läuft der Verkauf täglich von 11 bis 21 Uhr., © Tourismus NRW

Sei­ne Frau ist dem Ur-Oe­cher von Mün­chen in die Hei­mat­stadt ge­folgt. Hier tref­fen wir Mar­cel das ers­te Mal, als die Tem­pe­ra­tu­ren noch nicht Glüh­wein-taug­lich sind. Viel­mehr ist der Som­mer ge­ra­de da­bei, sich lang­sam zu ver­ab­schie­den. Es ist zwar schon ein we­nig frisch am frü­hen Mor­gen. Den­noch sit­zen die Men­schen ent­spannt auf den Bän­ken im Park an der Fran­ken­ber­ger Burg, in den sich schon Karl der Gro­ße dank ei­nes Zau­ber­rings ver­liebt ha­ben soll, und ge­nie­ßen die wär­men­den Son­nen­strah­len. Am Ki­osk ge­gen­über ma­chen die Män­ner von der Müll­ab­fuhr ei­ne kur­ze Pau­se. Nach­barn kom­men vor­bei und grü­ßen. Ei­ne Schul­klas­se steht auf­ge­regt am Ze­bra­strei­fen und lauscht ge­dul­dig den mah­nen­den Wor­ten des Po­li­zis­ten. Ein ganz nor­ma­ler Mor­gen im Fran­ken­ber­ger Vier­tel.

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    Eisessen im Park an der Burg Frankenberg., © Ralph Sondermann, Tourismus NRW
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    Häuserzeile in Frankenberger Viertel , © Ralph Sondermann, Tourismus NRW
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    Blumen dekorieren einen Laternenpfahl., © Ralph Sondermann, Tourismus NRW
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    Die Burg Frankenberg ist Namensgeber des Frankenberger Viertels.  , © Ralph Sondermann, Tourismus NRW
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Marcel Schmitz an der Eismaschine , © Ralph Sondermann, Tourismus NRW

Wir er­öff­nen in Kür­ze

Mar­cel Schmitz ken­nen sie hier seit acht Jah­ren. Seit er 2011 in ei­ner der vie­len Ju­gend­stil-Vil­len des le­ben­di­gen Sze­ne­vier­tels sei­nen Oe­cher Eis-Treff er­öff­net hat. Nach ins­ge­samt drei­jäh­ri­ger Pla­nungs­zeit und ge­nau zwölf Mo­na­te, nach­dem er das ers­te Mal das Schild mit der Auf­schrift ?Wir er­öff­nen in Kür­ze? ins Fens­ter ge­hängt hat­te. ?Das ist schon so ei­ne Art Run­ning Gag hier im Vier­tel?, er­zählt der Eis­die­len-Be­sit­zer und muss selbst je­des Mal wie­der schmun­zeln. Er woll­te halt nichts dem Zu­fall über­las­sen.

Doch erst ein­mal stellt sich ei­ne ganz an­de­re Fra­ge: Wie­so Eis? Der Mann macht doch Glüh­wein. Rich­tig! Im Win­ter gibt?s duf­ten­den Winz­er­wein aus dem Be­cher und im Som­mer Omas Nuss-Eis aus der Waf­fel. Zwei Sai­son­ge­schäf­te, die sich her­vor­ra­gend mit­ein­an­der ver­bin­den las­sen und die Mar­cels zwei gro­ße Lei­den­schaf­ten sind.

Wel­che Pas­si­on zu­erst da war, kann der Chef von mitt­ler­wei­le sie­ben Mit­ar­bei­tern gar nicht ge­nau er­klä­ren, wäh­rend er uns die ers­te Ku­gel sei­nes selbst­ge­mach­ten Eis zum Pro­bie­ren gibt. Wie ge­sagt, war er schon als klei­ner Jun­ge im Glüh­wein-Treff sei­ner El­tern mit­ten un­ter Frem­den und Freun­den, zu de­nen der Kon­takt nie ab­ge­bro­chen ist. ?Die Kun­den sind mit mir ge­wach­sen?, sagt der 39-Jäh­ri­ge und er­in­nert sich gleich­zei­tig an das Nuss-Eis sei­ner Oma. ?Ge­nau so woll­te ich es auch ma­chen. Eis aus ech­ten und gu­ten Le­bens­mit­teln und nicht aus ir­gend­ei­nem Pul­ver.? Er sagt es und ser­viert uns in sei­ner klei­nen, mit lie­be­vol­len De­tails ein­ge­rich­te­ten Eis­die­le schon die nächs­te Ku­gel. Nach den Klas­si­kern Va­nil­le und Erd­bee­re gibt?s dies­mal: To­ma­ten-Eis mit ein we­nig Ba­si­li­kum. "Ich ex­pe­ri­men­tie­re auch ger­ne und pro­bie­re ger­ne wirk­lich mal et­was an­de­res  ...?

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    Marcel Schmitz beim Eisverkauf, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW
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    Mit dem Nusseis der Oma fing alles an, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW
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    Kalter Glühwein mit Eis und Cassis werden als Sommercocktail serviert. , © Ralph Sondermann, Tourismus NRW
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    Die Eistheke von oben, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW
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Nur beste Zutaten kommen ins Eis von Marcel Schmitz., © Ralph Sondermann, Tourismus NRW

"Ge­nau so woll­te ich es auch ma­chen. Eis aus ech­ten und gu­ten Le­bens­mit­teln und nicht aus ir­gend­ei­nem Pul­ver."

Mar­cel Schmitz

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Der Frankie ist eine Art Rabatt-Münze. , © Ralph Sondermann, Tourismus NRW

Be­zah­lung mit Fran­kies

Denn wich­tig sind dem Aa­che­ner, der ir­gend­wann auch mal Be­triebs­wirt­schafts­leh­re stu­diert hat, be­vor er sich für den et­was an­de­ren Le­bens­weg ent­schie­den hat, nicht im­mer neue und mög­lichst aus­ge­fal­le­ne Eis­sor­ten. In ers­ter Li­nie kommt es ihm auf die Roh­stof­fe an und dar­auf, ?dass die Leu­te mer­ken, war­um mein Eis an­ders schmeckt?. Man­che Kun­den fra­gen tat­säch­lich. Mar­cels Stamm­kun­den in­des wis­sen es längst und si­chern sich gleich zu Be­ginn der Sai­son ih­re 50 Fran­kies ? ei­ne Art Ra­batt-Mün­ze, mit der sie nur im Oe­cher Eis­treff be­zah­len kön­nen.

Doch Mar­cel Schmitz sagt das mit den Roh­stof­fen nicht ein­fach so da­her. Der um­trie­bi­ge Jung­un­ter­neh­mer meint es auch so und wird bei The­men wie dem Kli­ma­schutz ganz ernst. Denn Nach­hal­tig­keit ist ihm ein wich­ti­ges An­lie­gen, wes­halb er auch bei der Aus­wahl sei­ner Pro­duk­te kei­ne Kom­pro­mis­se kennt. Schließ­lich ist Milch nicht gleich Milch und Zu­cker nicht gleich Zu­cker. ?Und bei Va­nil­le­scho­ten ist das ähn­lich wie beim Wein?, er­klärt er. ?Es gibt hun­der­te Sor­ten auf der Welt und je­de schmeckt an­ders.? Der Per­fek­tio­nist pro­biert sie (fast) al­le, be­vor er sich für die ei­ne Va­nil­le­scho­te ent­schei­det, die er dann für sein Eis ver­ar­bei­tet. Und der Fa­mi­li­en­va­ter, dem die Zu­kunft sei­ner Kin­der wich­tig ist, ach­tet dar­auf, dass die Roh­stof­fe mög­lichst aus öko­lo­gi­schem An­bau (aus der Re­gi­on) stam­men.

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    Eine Vanille-Schote wird ausgekratzt. , © Ralph Sondermann, Tourismus NRW
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    Auch die Karamell-Sauce wird von Hand hergestellt., © Ralph Sondermann, Tourismus NRW
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    Aachener Printen werden zu Streuseln verarbeitet.  , © Ralph Sondermann, Tourismus NRW
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    Die Auswahl hochwertiger Rohstoffe ist wichtig., © Ralph Sondermann, Tourismus NRW
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Eine Vanilleschote aus Madagaskar wird ausgeschabt, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW

"Und bei Va­nil­le­scho­ten ist das ähn­lich wie beim Wein. Es gibt hun­der­te Sor­ten auf der Welt und je­de schmeckt an­ders.?

Mar­cel Schmitz

 

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Die bunten Magneten zeigen an, welche Eissorten im Kühlschrank sind. , © Ralph Sondermann, Tourismus NRW

Be­wuss­ter Um­gang mit Le­bens­mit­teln

Denn so wie der ?Oe­cher Glüh­wein-Treff? im Jahr 2018 als ers­ter kli­ma­neu­tra­ler Glüh­wein­stand Deutsch­lands aus­ge­zeich­net wur­de, so wird auch in der ?Eis­kü­che? im Fran­ken­ber­ger Vier­tel Wert auf den be­wuss­ten Um­gang mit Le­bens­mit­teln und der Um­welt ge­legt. Das kön­nen ver­meint­li­che Klei­nig­kei­ten sein, wie die bun­ten Ma­gne­te am Eis­schrank. Gelb steht für Zi­tro­ne, Oran­ge für Ha­sel­nuss und Rot für Erd­bee­re. Im­mer wenn ei­ne Do­se mit Eis aus dem Schrank ge­nom­men wird, wird auch ein Ma­gnet ent­fernt. ?So ver­hin­dern wir, dass stän­dig der Eis­schrank auf- und zu ge­macht wird?, er­klärt Mar­cel, der das Sys­tem selbst er­fun­den hat. ?Das spart Strom und schützt die Um­welt.? Ge­ra­de ver­han­delt er zu­dem mit ei­nem Start-up-Un­ter­neh­men, das ess­ba­re Löf­fel für ihn pro­du­zie­ren könn­ten. Noch ein Plan für die Zu­kunft.

Weih­nacht­li­che Stim­mung auf dem Katsch­hof

Denn erst ein­mal hat der Oe­cher Eis­treff vor­über­ge­hend ge­schlos­sen. Die Sai­son ist vor­bei. Und die an­de­re steht be­vor. Dies­mal auf dem Katsch­hof. Vier Wo­chen lang wer­den sich hier wie­der je­den Tag Frem­de und Freun­de am Oe­cher Glüh­wein-Treff drän­geln, ih­re EU-Glühs ge­gen das ein oder an­de­re Glas Ori­gi­nal Win­zer-Glüh­wein tau­schen und mit Mar­cel Schmitz über al­te und neue Zei­ten plau­dern. Da bleibt, wie ge­sagt, kaum Zeit zum Durch­at­men. Doch noch be­vor die vie­len Lich­ter an­ge­hen und die Alt­stadt von Aa­chen in vor­weih­nacht­li­che Stim­mung tau­chen, kommt Mar­cel manch­mal schon früh ganz al­lein hier­her. Dann setzt er sich auf ei­ne Bank mit Blick auf?s Rat­haus und ge­nießt ?die Zeit, die ich sonst nicht ha­be?. Er hat es ge­nau so ge­wollt.

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    Blick aus dem Rathaus auf den Aachener Weihnachtsmarkt., © Tourismus NRW
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    Wer mit den EU Glühs bezahlt, bekommt den Oecher Glühwein günstiger. , © Tourismus NRW
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    Diese Glocke kündigt jeden Abend die letzte Runde an., © Tourismus NRW
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    Marcel macht eine Pause mit Blick aufs Rathaus., © Tourismus NRW
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Marcel Schmitz isst jeden Tag Eis., © Ralph Sondermann, Tourismus NRW

Drei Fra­gen an Mar­cel Schmitz


Mit der Fa­mi­lie in die Na­tur

Herr Schmitz, Sie ha­ben 48 Stun­den freie Zeit. Was wür­den Sie mit die­ser Zeit auf je­den Fall in NRW ma­chen?

Mar­cel Schmitz: Dann schnap­pe ich mir mei­ne Fa­mi­lie und su­che mir ei­nen Ort, an dem ich zur Ru­he kom­me. Das ist in den letz­ten acht Jah­ren viel zu kurz ge­kom­men. Ich bin ja auch kaum aus Aa­chen raus­ge­kom­men ... Aber so ein Ort könn­te ir­gend­wo ganz tief in der Ei­fel sein, der Na­tio­nal­park Ei­fel steht ganz oben auf mei­ner Aus­flugs­lis­te. Ich lie­be die Na­tur.

Wel­chen Ort in NRW ha­ben Sie zu­letzt für sich neu ent­deckt?

Mar­cel Schmitz: Das ist gar nicht so leicht zu be­ant­wor­ten. Ich bin ja ent­we­der in der Eis­die­le oder am Glüh­wein­stand. (lacht!) Nein, so schlimm ist es auch nicht ... Neu ent­de­cken wür­de ich gern ein­mal das Sie­ben­ge­bir­ge. Ich war da neu­lich auf ei­ner Hoch­zeit ein­ge­la­den und ganz be­geis­tert von der Land­schaft. Ei­ne tol­le Wan­der­re­gi­on.

Ihr per­sön­li­cher Lieb­lings­platz in NRW.

Mar­cel Schmitz: Da muss ich nicht lan­ge über­le­gen. Im Win­ter ge­nie­ße ich die schöns­te Zeit des Ta­ges, be­vor der Weih­nachts­markt öff­net und der Katsch­hof noch leer ist. Dann set­ze ich mich auf ei­ne Bank mit Blick auf das Rat­haus und ge­nie­ße die ers­ten Son­nen­strah­len. Das ist ei­ne un­ver­gleich­li­che At­mo­sphä­re. Ähn­lich ist es im Som­mer im Fran­ken­ber­ger Park. Be­vor der Be­trieb ne­ben­an in der Eis­die­le los­geht, su­che ich mir hier ein schö­nes Plätz­chen und ge­nie­ße die Zeit, die ich sonst nicht ha­be. Das er­det mich im­mer auch ein biss­chen.

Lieb­lings­or­te und Tipps von Mar­cel Schmitz


Ber­ge, Wäl­der und Alt­stadt-Idyl­le

Der Rursee liegt im Nationalpark Eifel, © Nationalpark Eifel - Nationalparkverwaltung
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Wald­füh­run­gen im Na­tio­nal­park Ei­fel

Eifelblick Schöne Aussicht in Nideggen-Schmidt, © Tourismus NRW e.V.
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Ei­fel & Aa­chen

Siebengebirge Ölberg Panorama , © Tourismus NRW e.V.
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Na­tur­park Sie­ben­ge­bir­ge

Im Schlossgarten von Schloss Drachenburg, © Dominik Ketz, Tourismus NRW e. V.
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Rund um Schloss Dra­chen­burg

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Volker Dingebauer, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.

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