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Craft Beer in Düsseldorf, © Tourismus NRW e.V.

Craft Beer made in NRW


Traditionelle Braukunst und trendige Tüftelei

Nur Kaffee trinken die Menschen in Deutschland noch lieber als – Bier natürlich. Kein Wunder also, dass die Branche auch in Nordrhein-Westfalen boomt. Gerade die von Regionalität und Experimentierfreude geprägten, aromaintensiven Craft Beer Sorten sind beliebt, seit der „Homebrewing“-Trend aus den USA vor einigen Jahren auch Deutschland erreichte. Gebraut werden die meist hopfen- und malzbetonten Biere – wie in den vielen familiengeführten Brauereien in NRW schon seit hunderten Jahren – nach traditioneller Braukunst.

Bemühen wir ausnahmsweise gleich zu Beginn mal die Statistik: Danach könnten deutsche Biertrinker 16 Jahre lang jeden Tag ein anderes Bier probieren – und es wäre nicht eins doppelt! Denn nirgendwo anders auf der Welt ist die Biervielfalt so groß, der Markt so innovativ und dynamisch wie hierzulande. Nahezu wöchentlich bringen kleine und große Brauereien neue Biere auf den Markt und entstehen neue Braustätten. Mit insgesamt 132 Betrieben im Jahr 2016 liegt Nordrhein-Westfalen bundesweit immerhin auf Platz 3, weshalb die Brauereiverbände NRW gar von einer Renaissance des Brauhandwerks sprechen.

Das liegt vor allem an der Experimentierfreude der hiesigen Braumeister, die mit immer neuen Hopfen- und Malzsorten immer neue Kreationen auf den Tresen bringen. Das trifft auf Alt, Pils und Kölsch gleichermaßen zu. So beherrschen zwar nach wie vor die großen Brauereien, von denen eine Vielzahl in NRW ihren Sitz hat, den internationalen Markt. Jede zweite Brauerei in Deutschland allerdings ist eine so genannte „Mikrobrauerei“ - eine kleine Braustätte also, in der Menschen mit Leidenschaft einem uralten Handwerk nachgehen und die Braukultur pflegen. Streng nach deutschem Reinheitsgebot, versteht sich. Denn auch 99 Prozent aller Craftbiere, und damit soll der Statistik dann auch genüge getan sein, werden ausschließlich aus natürlichen Rohstoffen hergestellt. Also in erster Linie aus Wasser, Hopfen, Malz und Hefe. Eigentlich ganz einfach.

Doch natürlich hat jeder Braumeister so sein kleines Geheimnis bei der Auswahl des richtigen Hopfens und der übrigen Zutaten. Schließlich ist Brauen ein Handwerk und jedes neue Bier das Ergebnis langer Tüftelei. Weshalb das trendige Craftbier, das vor einigen Jahren aus den USA nach Deutschland kam, hierzulande eigentlich gar nichts Neues ist. Denn wörtlich übersetzt heißt Craft Beer schlicht „handwerklich gebrautes Bier“. Genau so also, wie es in Nordrhein-Westfalen schon lange Tradition hat.

Viele familiengeführte Brauereien im Land fühlen sich dieser Tradition noch heute verpflichtet. Sie entwickeln gleichzeitig neue, individuelle und besonders aromaintensive Biersorten und lassen sich gern auch von Besuchern bei der Arbeit über die Schulter schauen. Und sie tun all das mit Erfolg. So erfolgte im münsterländischen Greven eben erst der erste Spatenstich für die „Gläserne Erlebnisbrauerei“ der Pott’s Brauerei GmbH, inklusive Malzhaus, Sudhaus, Gär- und Lagerkeller. Ausgebildete Braumeister sollen künftig neue Bierspezialitäten entwickeln sowie auch anderen Craft- und Gypsybrauern (Wanderbrauer ohne eigene Braustätte) zur Seite stehen.

Zu den 32 größten unabhängigen Brauereien Deutschlands in Familienbesitz gehört die Brauerei Strate im ostwestfälischen Detmold. Und auch hier gilt: „echt handgebraut“, historisch und neu interpretiert. In kupfernen Sudpfannen wird hier 2000 Jahre nach der Varusschlacht und zu Ehren der Ehefrau von Arminius das Detmolder Thusnelda-Bier gebraut. Würzig, hopfig, blumig duftend und „germanisch erfrischend“. Für die neuen Kreationen von Braumeisterin Friederike Strate kommen außerdem Kirschen sowie, für den ganz besonderen Geschmack, Bourbon-Holzfässer zum Einsatz.

Als „Privatbrauer aus Leidenschaft“ bezeichnen sich auch die Mitarbeiter von Barre’s Brauwelt, die ebenfalls in Ostwestfalen beheimatet ist. Die älteste Pilsbrauerei Norddeutschlands beliefert Kunden in ganz Deutschland sowie auch in Asien, sie verfügt aber auch über das einzige Brauerei-Museum Ostwestfalens. Im Gewölbe des 1842 errichteten Lagerkellers der Privatbrauerei Ernst Barre bekommen interessierte Besucher einen umfassenden Einblick in die traditionelle Geschichte und Kunst des Brauwesens.

Spannende Bierseminare bietet Websters Hausbrauerei in Duisburg an. Vor nunmehr 25 Jahren von drei Kommilitonen im ehemaligen Kolpinghaus gegründet, wird auch hier gern mit Hopfen und Malz experimentiert. Neben den Klassikern Webster Blond und Webster Braun haben die Braumeister saisonale Biere wie das Pale Ale (aus hellem Malz), das Festbier pünktlich zum Oktoberfest und den Nikolausbock kreiert.

Fehlt noch, trotz aller Innovationen, natürlich das in NRW klassische Altbier. Es war im Jahr 1266, als der Gründer der Brauerei, Heinrich der Brauer von der Herrschaft Myllendonk, das Recht verliehen bekam, auf dem Kraushof in Korschenbroich Bier zu brauen. An gleicher Stelle braut die kleine Privatbrauerei Bolten noch heute ihr bekanntes, seit Generationen von Hand gemachtes Ur-Alt. Dazu serviert wird Brot mit Boltens-Frühstücks-Pfläumchen oder Pfefferkirschen-Chutney – selbstverständlich gekocht mit einem Schuss Bolten-Altbier.

Denn nicht nur beim Hopfen und Gären sind der Phantasie der Braumeister keine Grenzen gesetzt. Die Produktpalette der ideenreichen Genusshandwerker liest sich längst wie das Sortiment eines gut ausgesuchten Feinkosthandels. Bierbrände, Bierlikör, Bierkuchen, Biersenf, Biernudeln, Bierbrand-Trüffel, Bierschokolade, ja sogar Bierseife haben die nordrhein-westfälischen Traditions- und Familienbrauereien im Angebot. Also eigentlich nichts, was es nicht gibt.

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