Der Prunk der UNESCO-Welterbestätte Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl – kurz Schlösser Brühl – verschlägt den Gästen schier den Atem. Wer im Prunktreppenhaus von Schloss Augustusburg steht, begreift, weshalb andere Fürstenhöfe einst neidisch gen Brühl blickten. Die Residenz im Rhein-Erft-Kreis nahe Köln geht zurück auf den Kölner Kurfürsten und Erzbischof Clemens August von Bayern. Heute befindet sie sich im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen.
UNESCO-Welterbe
Die Schlösser Brühl wurden bereits 1984 auf die Liste der UNESCO-Welterbestätten gesetzt. Damit gehören sie zum Wichtigsten, was Menschen kulturell geschaffen haben. Die Stätte gilt als erste bedeutende Schöpfung des Rokoko in Deutschland und als herausragendes Beispiel einer großen fürstlichen Residenz des 18. Jahrhunderts.
Mit der ersten Rocaille Deutschlands, einem typischen, muschelförmigen Ornamentgebilde dieser Zeit, markiert Schloss Augustusburg die Geburtsstunde des deutschen Rokoko. Mehr noch: Hier zeigen sich die Vielfalt und der unverwechselbare Ausdruck einer ganzen Epoche. Das einen 30-minütigen Spaziergang entfernt gelegene Schloss Falkenlust ist das letzte erhaltene Schloss seiner Art. Der dazugehörige Schlosspark ist ein Denkmal der Gartenkunst von internationalem Rang.
Schloss Augustusburg
1725 erteilte Clemens August dem westfälischen Baumeister Johann Conrad Schlaun die Anweisung, auf den Ruinen einer mittelalterlichen Landesburg eine Sommerresidenz zu errichten: das nach ihm benannte Schloss Augustusburg. Ab 1728 gestaltete der wallonische Architekt François de Cuvilliés d. Ä. das Schloss in seiner heute sichtbaren Grundform. 1768 fertiggestellt, konnte Clemens August sein Lieblingsschloss nie vollendet erleben, da er 1761 überraschend verstarb.
Noch heute beindrucken das von Balthasar Neumann entworfene Prunktreppenhaus, die pompösen Säle mit den Deckenfresken Carlo Carlones und die prachtvoll ausgestalteten Appartements. Zu den Highlights gehört auch das "Gelbe Appartement", ein privates Wohnquartier des Kürfürsten im frühen Rokoko-Stil.
Von 1949 bis 1996 wurde Schloss Augustusburg als Repräsentationsschloss des Bundespräsidenten und der Bundesregierung genutzt. Unter anderem empfingen die Bundespräsidenten hier berühmte Staatsgäste wie Queen Elisabeth II., Michail Gorbatschow, Nelson Mandela oder auch Papst Johannes Paul II.
Schloss Falkenlust
Zwischen 1729 und 1732 ließ Clemens August das intime Schloss Falkenlust errichten – ebenfalls durch François de Cuvilliés d. Ä.. Als leidenschaftlicher Falkner diente es dem Kurfürsten und seiner höfischen Gesellschaft zur Falkenjagd und als privates Refugium. Besonders beindruckend ist das vollständig mit Rotterdamer Fliesen ausgestattete Treppenhaus. Sehenswert sind auch die erhaltenen Kabinette – darunter das "Indianische Lack-Kabinett", dessen Wände u. a. mit ostasiatischen Lacktafeln bedeckt sind sowie das Spiegelkabinett mit seinen vergoldeten Schnitzereien.
Schlossgarten
Beide Schlösser sind durch eine Allee im weitläufigen Schlosspark miteinander verbunden. Zentrum des Gartendenkmals aus dem 18. Jahrhundert ist das Broderieparterre, das in den 1930er Jahren nach Originalplänen des französischen Gartenkünstlers Dominique Girard rekonstruiert wurde. Dieser hatte seine Ausbildung in Versailles absolviert und auch die Gärten von Nymphenburg und des Oberen Belvedere in Wien entworfen, bevor er nach Brühl kam. Ab 1842 gestaltete Peter Joseph Lenné den ehemaligen Tierpark als englischen Landschaftsgarten, dessen Elemente heute noch den Waldbereich bestimmen.