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Heinrich Hoerle: Selbstbildnis vor Häusern (Arbeiter, 1932), © Von der Heydt-Museum Wuppertal

Vi­si­on und Schre­cken der Mo­der­ne – In­dus­trie und künst­le­ri­scher Auf­bruch


Von der Heydt-Mu­se­um in Wup­per­tal

Zum 200. Ge­burts­tag von Fried­rich En­gels geht das Von der Heydt-Mu­se­um der Fra­ge nach, wie sich die kul­tu­rel­len und so­zia­len As­pek­te der In­dus­tria­li­sie­rung in der Kunst des 19. und 20. Jahr­hun­derts nie­der­ge­schla­gen ha­ben. Die Bil­der er­zäh­len von den so­zia­len Ver­wer­fun­gen, den po­li­ti­schen Um­brü­chen aber auch von der Fas­zi­na­ti­on an der auf­kom­men­den Welt der Ma­schi­nen.


Karte von NRW

Als Beitrag zum Jubiläumsjahr 2020, mit dem in Wuppertal der 200. Geburtstag von Friedrich Engels gefeiert wird, geht das Wuppertaler Von der Heydt-Museum der Frage nach, wie sich die kulturellen und sozialen Aspekte der Industrialisierung in der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts niedergeschlagen haben. Denn das im Zuge der industriellen Revolution entstandene neue Wirtschaftssystem des Kapitalismus, dessen Grundlagen Marx und Engels kritisch analysierten, hat nicht nur zu technischem Fortschritt und kultureller Weiterentwicklung, sondern auch zu heftigen sozialen Konflikten geführt.

Das Wupper-Tal, Geburtsort von Friedrich Engels (1820 in Barmen, heute: Wuppertal-Barmen, er starb 1895 in London) und im 19. Jahrhundert ein Zentrum der Textilindustrie, war ein Ausgangspunkt des industriellen Aufschwungs mit seiner weltbewegenden Dynamik. Die Porträtmalerei kam in dieser Zeit zu hoher Blüte und spiegelt das neue Selbstbewusstsein des Wirtschaftsbürgertums. An den zahlreichen, malerisch höchst qualitätsvollen Bildnissen des Düsseldorfer Künstlers Heinrich Christoph Kolbe lässt sich eindrücklich ablesen, wie das Bürgertum Reichtum mit Frömmigkeit und Fleiß begründete.

Die schwierigen Lebensbedingungen des Proletariats thematisierten Künstler der Düsseldorfer Malerschule ebenso. Unter dem Einfluss des Vormärz entwickelte sich eine realistische, gesellschaftskritische Kunstauffassung. Künstler wie Carl Hübner und Johann Peter Hasenclever führten das Elend und den Kampf der Arbeiterschaft um bessere Lebensbedingungen vor Augen.

Mit einer unheilvollen Allianz aus Industrie und Militarismus setzte der Erste Weltkrieg eine zeitgeschichtliche Zäsur. Die Auswirkungen des Krieges führten zu einer Verschärfung der gesellschaftlichen Probleme. In der angespannten Nachkriegssituation wandten sich Künstler wie u. a. Käthe Kollwitz, Conrad Felixmüller, George Grosz, Otto Dix, Max Beckmann sowie die Kölner Progressiven um Heinrich Hoerle und Wilhelm Seiwert gesellschaftskritischen und linksgerichteten politischen Bestrebungen zu. Viele, die zu Pazifisten und Kommunisten geworden waren, finden sich in den verschiedenen Künstlergruppierungen: bei der „Novembergruppe“, bei den Dadaisten, den Konstruktivisten, den Expressionisten der Zweiten Generation und den Veristen.

Gleichzeitig waren Künstler beeindruckt von den Phänomenen der neuen Industrielandschaft, von der Dynamik der Großstadt, von der gleichermaßen magischen wie unheimlichen Anziehungskraft der Maschine. Eindrucksvoll spiegelt sich diese Faszination in den Werken der im Umkreis der Neuen Sachlichkeit tätigen Maler wie Carl Grossberg und Max Beckmann.

Eine Auseinandersetzung mit dem Thema der Arbeit zwischen schöpferischen Impulsen und äußeren Zwängen findet sich in den Arbeiten Oskar Schlemmer, die er während des Zweiten Weltkriegs in Wuppertal schuf. 

Ein eigenes Kapitel innerhalb der Ausstellung bildet die Auseinandersetzung der Fotografie mit der Industriearchitektur: Von der Entdeckung der Industriearchitektur als abbildungswürdigem Gegenstand, in dem sich der Geist einer neuen Epoche ausdrückt, führt die Entwicklung zur Dokumentation einer Industrieepoche für die Nachwelt. Aber auch die Wahrnehmung industrieller Mechanismen wie etwa der Serialität als ästhetisches Phänomen zeichnet sich ab.
 

Leistungen:

  • Eintritt in die Sonderausstellung Vision und Schrecken der Moderne – Industrie und künstlerischer Aufbruch
  • Eintritt in weitere Sammlungspräsentationen


Lage:
Das Von der Heydt-Museum Wuppertal liegt in der Fußgängerzone des Stadtteils Elberfeld und ist vom Hauptbahnhof (Fernverkehr, S-Bahn) in weniger als fünf Minuten zu Fuß
zu erreichen.

Gastronomie:
Im Erdgeschoss des Museums lädt das von dem international bekannten französischen Künster Daniel Buren gestaltete Museumscafé Muluru (Museum-lunch-room) ein.

Tipps:
Mache Station vor Zeugnissen der Frühindustrialisierung im Historischen Zentrum, zu dem auch das Engelshaus (nach Renovierung voraussichtlich ab dem 28.11.2020 wieder geöffnet) gehört. Streife durch das Briller Viertel mit seinen imposanten Villen gleich neben dem gründerzeitlichen Arbeiterquartier am Ölberg. Besuche den Zoo, der für seine Zuchterfolge ebenso bekannt ist wie für seine idyllische landschaftliche Lage. Man lasse sich treiben beim Shopping in den beiden Zentren Barmen und Elberfeld, bevor der Tag in einer der Kneipen in der Luisenstraße ausgeklungen werden kann.

Der Skulpturenpark Waldfrieden des britischen Bildhauers Tony Cragg auf einer bewaldeten Anhöhe zwischen den Wuppertaler Zentren Elberfeld und Barmen begeistert mit der Kombination von Naturerfahrung und Kunstgenuss und eignet sich ganz besonders gut, den Besuch des Von der Heydt-Museums mit einem anderen Kulturhighlight in der Umgebung zu ergänzen. Neben dauerhaft installierten Arbeiten weltbekannter Bildhauer finden auch im Skulpturenpark Waldfrieden regelmäßig Wechselausstellungen ihren Raum.


TERMINE & PREISE


Weitere Details

Reisetermine

17.11.2020 - 28.02.2021

Dauer in Tagen

1

Preise

Ticket Erwachsene: ab 12,00 Euro
Ticket ermäßigt: ab 10,00 Euro
Ticket Kind (6 - 17 Jahre): ab 2,00 Euro
Familienticket (2 Erwachsene mit bis zu 4 Kindern bis 17 Jahre): ab 24,00 Euro

Impressionen & Videos


Lass Dich inspirieren: Dein NRW in Bildern

Franz Wilhelm Seiwert: Arbeit-Brot (1922), © Von der Heydt-Museum Wuppertal
Käthe Kollwitz: Arbeiterfrau mit blauem Tuch (o.J.), © Von der Heydt-Museum Wuppertal
Heinrich Hoerle: Selbstbildnis vor Häusern (Arbeiter), 1932, © Von der Heydt-Museum Wuppertal
Eduard Dollerschell: Aus der Mappe Moloch: Die Schwebebahn (1919), © Von der Heydt-Museum Wuppertal

Weitere Infos


Was Du noch wissen solltest

Kontakt

Von der Heydt-Museum Wuppertal
Turmhof 8
42103 Wuppertal
Telefon: +49 202 563-6231
E-Mail: info.museum@stadt.wuppertal.de
Web: https://www.von-der-heydt-museum.de/

Anreise

mit Google Maps
mit der Deutschen Bahn

Das international renommierte Museum lockt Kunstliebhaber mit seiner großen Sammlung, die in verschiedenen Ausschnitten gezeigt wird. Die Sammlung des Museums umfasst Kunst vom 1. Jahrtausend vor Chr. bis in die Gegenwart, Impressionismus, Expressionismus und die zwanziger Jahre bilden die Schwerpunkte.