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Der Neue Aachener Kunstverein, © Ralph Goertz

Kunst­ver­ei­ne in #ur­bana­na


Kup­pel­tan­ten der Kunst­sze­ne

Aus­stel­lungs­ort und Pro­duk­ti­ons­la­bor, ex­pe­ri­men­tel­le Kunst­pro­duk­ti­on von Ma­le­rei bis Skult­pur

Unter ihren wachen Augen treten ihre Mitglieder ohne jede Zwischeninstanz miteinander in den Dialog. Und das ganz ohne kommerziellen Antrieb: Auf Non-Profit-Basis sind die Kunstvereine Ausstellungsort und Produktionslabor, sie entwickeln die experimentelle Kunstproduktion in all ihren Formen weiter. Das schließt Malerei und Skulptur aber auch Performance, digitale Kunst oder Art Walks mit ein, bei denen Künstler zu kunstthematischen Streifzügen aufbrechen.

Eruptive Erstausstellungen 

Es liegt auf der Hand: Große Ausstellungshäuser können mit ihnen nur schwerlich Schritt halten. Spontaneität und Dynamik zeichnen die wendigen Vereine und ihren Umgang mit zeitgenössischen Künstlern und ihrer Kunst aus. Nicht die Museen, sondern die Kunstvereine sind es häufig, die vielversprechende junge Künstler unter ihre klandestinen Fittiche nehmen, ihnen Atelierräume zur Verfügung stellen und eruptive Erstausstellungen überhaupt erst möglich machen. Die Neugier gibt den Ton an, Berührungsängste haben Dauerpause. Denn: Sie sind nicht darauf angewiesen, eine möglichst breite Öffentlichkeit zu erreichen oder möglichst viele Kunstwerke zu verkaufen.

Jahresgaben Begabter

Internationale Nachbarn haben also allen Grund zum neidischen Blick auf das Heimatland der Vereinsmeierei. Besucher kommen in den Genuss ständig wechselnder Ausstellungen, die sie inmitten der Stadt aus dem Trott locken. Und sind sie Mitglieder, wird ihre Hingabe zur Kunst von den Vereinen mit sogenannten „Jahresgaben“ honoriert. Werke von Tony Cragg oder Thomas Schütte wurden etwa in Köln und dem Ruhrgebiet schon feilgeboten, auch ein Alex Wissel ist zu bekommen. Nie gehört? Das kann sich schnell ändern. 

Wir stellen vor

Was als selbstbewusste Emanzipation vom tonangebenden Ständestaat im 19. Jahrhundert als Bürgerinitiative begann, setzt sich bis heute in all seiner Geschäftigkeit fort. 300 Kunstvereine gibt es in ganz Deutschland, 63 davon allein in NRW. Hier treiben sie die Kunstproduktion und -rezeption voran, jeder Verein auf seine Art. Welche Art das ist zeigen wir Dir in neun mal neunundneuzig Sekunden. Die Videos sind in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) und der Kunstdokuserie „99 SECONDS OF“ des Institut für Kunstdokumentation (iks) entstanden.

Köln (Temporary Gallery) – Regina Barunke

Crossmedial seit 2008 und Kunstverein seit 2012. Internationale Gast-Kuratoren gehen hier ein und aus, Direktorin Regina Barunke bringt sie nach Ausstellungseröffnungen gern in die urige Brauerei Pütz, nur wenige Geh-Minuten entfernt.

Köln (Die Brücke Kölnischer KV) – Moritz Wesseler

Heute ist er Direktor am Museum Fridericianum in Kassel – davor gestaltete Moritz Wesseler fünf Jahre das Treiben des Kölnischen Kunstvereins. In der Buchhandlung Walther König, ganz in der Nähe seines Arbeitsplatzes in Wilhelm Riphahns Bau, stöbert er gern durch den üppigen Kunstbücher-Bestand.

Aachen (NAK) – Maurice Funken

Der künstlerische Direktor Maurice Funken zeigt uns den Neuen Aachener Kunstverein, seinen Lieblingsort mitten im Stadtpark. Wenn er diesen verlässt, dann in Richtung Promenadenstraße. In der „WG“ lässt es sich aushalten. 

Bielefeld (Bielefelder KV) – Thomas Thiel

Grad eben so erwischt haben wir Thomas Thiel, der nach 10 Jahren als Direktor des Bielefelder Kunstvereins abgelöst wurde. Poesie, Architektur, Musik, Design und zeitgenössische Kunst gehören für ihn zusammen. Und den Anblick des durch die Stadt fließenden Teutoburger Waldes genießt er am liebsten von der Sparrenburg aus.

Düsseldorf (KV für die Rheinlande und Westfalen) – Eva Birkenstock

Hier wird Kunst kreiert und praktiziert und zwar im Dialog mit den Studierenden, die ganz in der Nähe an der Kunstakademie studieren und wirken. Dass alle Akteure mitten in Düsseldorf um den Grabbeplatz auf kleinstem Raum miteinander verwoben sind, feiert die Leiterin des Kunstvereins, Eva Birkenstock, ganz besonders und besonders gut. 

Mönchengladbach (MMIII) – Annette Kremer-Königs

Worauf der Kunstverein und mit ihm die 1. Vorsitzende Annette Kremer-Königs besonderen Wert legen: Junge Kunst und Kuratorenarbeit junger Kunsthistoriker. Die spielt sich im Gewerbegebiet, genauer: In der alten Lagerhalle, in der sich heute das MMIII befindet, ab. Die Stadtbibliothek als Medienzentrum und Begegnungsstätte ist einer von Annette Kremer-Königs weiteren Lieblingsorte in Mönchengladbach.

Bonn (Bonner KV) – Kyla McDonald

In Bonn konzentriert man sich auf Künstler, die nie zuvor eine Ausstellung in Deutschland hatten. Mehr Kunst gibt es in der zum Kunstverein gehörenden Artothek, in der Mitglieder sich Kunst von beispielsweise Beuys oder Polke ausleihen können. Das sei „unique“, findet die interims-Direktorin Kyla McDonald.

Arnsberg (KV Arnsberg) – Johannes Teiser

Der Gründer des Kunstvereins Arnsberg, Johannes Teiser, macht eines klar: Sein Kunstverien soll nicht nur ein geschlossener raum sein, in dem Kunst gezeigt wird. Er ist in erster Linie eine Bürgerinitiative in der wunderbaren Stadt Arnsberg, seit über 30 Jahren.

Dortmund (Hartware MedienKunstVerein) – Inke Arns

Aus einem Künstlerhaus wurde der Dortmunder Hartware MedienKunstVerein, der heute von Direktorin Inke Arns geleitet wird. Einer ihrer Lieblingsorte in Dortmund ist der weiße Koloss, die ehemalige West LB, die man auch für einen Soldaten der Sturmtruppe aus Star Wars halten könnte.

Impressionen & Videos


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