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Paderborn und seine Graffitis, © Sven Niemann

Pa­der­born und sei­ne Graf­fi­tis


Ei­ne #ur­bana­na-Pro­jekt­idee emp­foh­len von Tou­rist In­for­ma­ti­on Pa­der­born

Die Graf­fi­ti-Füh­rung über­nimmt ei­ne zen­tra­le Funk­ti­on als Mul­ti­pli­ka­tor, in­dem sie die Brü­cke zwi­schen den Krea­ti­ven Ma­ler*In­nen in der Re­gi­on und dem Tou­ris­mus schlägt.

Here's A litt­le sto­ry that must be told... Vor knapp zwei Jah­ren rief mich Bernd Ap­ke vom Stadt­mu­se­um an, und frag­te mich, ob ich Lust hät­te, ei­nen Work­shop zum The­ma Graf­fi­ti zu ma­chen. Da ich sel­ber nicht sprü­he, aber seit Jah­ren zu dem The­ma for­sche, ent­stand die Idee ei­ne, Graf­fi­ti-Tour in Kom­bi­na­ti­on mit ei­nem Fo­to­work­shop zu kon­zi­pie­ren. Der Work­shop wur­de sehr gut an­ge­nom­men und wir wie­der­hol­ten die Tour noch ein­mal im Ju­ni 2018 als öf­fent­li­che Füh­rung. Karl-Heinz Schä­fer, der Lei­ter der Tou­rist In­for­ma­ti­on, lief da­mals qua­si in­ko­gni­to mit, um sich die Tour als Im­puls für neue Stadt­füh­run­gen an­zu­se­hen. We­ni­ge Ta­ge spä­ter rief er mich im Bü­ro der Uni an und schlug mir vor, die Graf­fi­ti-Tour re­gel­mä­ßig an­zu­bie­ten. Den ers­ten Ter­min kop­pel­ten wir an die Nacht der Mu­se­en im Au­gust. Das In­ter­es­se war über­wäl­ti­gend. Knapp 100 Leu­te lie­fen mit mir durch die Stra­ßen Pa­der­borns und woll­ten mehr über Graf­fi­ti er­fah­ren. Ne­ben den öf­fent­li­chen Füh­run­gen wur­de das An­ge­bot durch pri­va­te Bu­chun­gen von Schul­klas­sen und Kul­tur-In­itia­ti­ven er­wei­tert.

In­no­va­te minds

Graf­fi­ti-Tou­ren sind in Groß­städ­ten wie Ber­lin, Köln oder Ham­burg schon seit Jah­ren eta­bliert. Sie fo­kus­sie­ren sich in der Re­gel auf gro­ße Wand­bil­der, po­pu­lä­res Street Art und le­ga­le Auf­trags­ar­bei­ten. Die Graf­fi­ti-Füh­rung in Pa­der­born setzt den Fo­kus hin­ge­gen we­sent­lich brei­ter an und nimmt auch we­ni­ger po­pu­lä­re For­men wie Tags, Graf­fi­ti von Ul­tras oder ein­fa­che Sprü­che in den Blick. Ziel ist es, Dis­kur­se über die Nut­zung ur­ba­ner Räu­me zu er­öff­nen und über die Graf­fi­ti, Sti­cker und Street Art ei­nen Zu­gang zu sub­kul­tu­rel­len Grup­pen in der Stadt zu schaf­fen. Auch die Tags der Sprü­her sind kei­nes­falls als sinn­freie Schmie­re­rei zu be­trach­ten. Viel­mehr wei­sen sie ty­pi­sche Mus­ter auf und grei­fen da­bei auf ei­ne über 50jäh­ri­ge Ge­schich­te der schrift­bild­li­chen Stil­tra­di­tio­nen zu­rück. Ei­ner der meist ge­sag­ten Sät­ze der Teil­neh­mer*In­nen ist die Aus­sa­ge, dass sie nach der Füh­rung mit ei­nem an­de­ren Blick durch die Stadt lau­fen. Der ur­ba­ne Raum wird ent­spre­chend be­wuss­ter wahr­ge­nom­men. Hier bie­tet sich ein gro­ßes Po­ten­zi­al, dass auch nicht sze­ne­kun­di­ge Men­schen ein Zu­gang zu sub­kul­tu­rel­len Prak­ti­ken er­öff­net wird und ein Be­wusst­sein für Un­or­te, Leer­stän­de und sub­kul­tu­rell ge­nutz­te Flä­chen ge­schaf­fen wird. Ne­ben den fach­li­chen Be­son­der­hei­ten füh­ren auch die lo­ka­len Be­din­gun­gen vor Ort zu be­son­de­ren Her­aus­for­de­run­gen. Die Krea­tiv­wirt­schaft ist in Pa­der­born noch kein wich­ti­ger Fak­tor und es feh­len lan­ge Zeit ne­ben wich­ti­gen Jobs auch Räu­me und Flä­chen für sub­kul­tu­rel­le In­itia­ti­ven. Ob­wohl das In­ter­es­se an den Füh­run­gen groß war, ist die Eta­blie­rung der Graf­fi­ti-Füh­run­gen kei­nes­wegs ein Selbst­läu­fer ge­we­sen. Karl-Heinz Schä­fer muss­te ei­ne in­ten­si­ve Über­zeu­gungs­ar­beit da­für leis­ten, dass die Tour in den Ka­ta­log der Stadt auf­ge­nom­men wer­den, da die Aus­ein­an­der­set­zung mit Ur­ban Art noch am An­fang steht

For what it's worth

Graf­fi­ti ist ak­tu­ell in Pa­der­born in­ner­halb der Kul­tur­sze­ne, in der Po­li­tik und in der For­schung an der Uni­ver­si­tät ein zen­tra­les The­ma. 2018 er­hielt das Aus­hän­ge­schild der lo­ka­len Graf­fi­ti­sze­ne Vol­ker Hei­se­ner die Kul­tur­na­del. Ich sel­ber ar­bei­te als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter im Graf­fi­ti-Pro­jekt In­grid an der Uni und bie­te seit 2018 Graf­fi­ti-Tou­ren für die Tou­rist In­for­ma­ti­on an. Auch in der Po­li­tik wird der­zeit viel über die Schaf­fung ei­ner neu­en Hall of Fa­me dis­ku­tiert, an der le­gal ge­sprüht wer­den kann. Gleich­zei­tig ge­ben im­mer mehr Be­woh­ner und pri­va­te Un­ter­neh­men die­ser Stadt ih­re Wän­de, Ga­ra­gen und In­nen­räu­me für ei­ne krea­ti­ve Ge­stal­tung mit der Do­se frei. Pa­der­born hat al­so durch­aus die Chan­ce, ein wich­ti­ges Zen­trum für Graf­fi­ti in Deutsch­land zu wer­den. Die Graf­fi­ti-Füh­rung über­nimmt hier­bei ei­ne zen­tra­le Funk­ti­on als Mul­ti­pli­ka­tor, in­dem sie die Brü­cke zwi­schen den Krea­ti­ven Ma­ler*In­nen in der Re­gi­on und dem Tou­ris­mus schlägt. Sie in­for­miert die Be­woh­ner*In­nen und Be­su­cher*In­nen Pa­der­borns über Ak­tio­nen, Wand­bil­der und die In­hal­te der ur­ba­nen Kunst. Die Tour „Pa­der­born und sei­ne Graf­fi­tis“ leis­tet wich­ti­ge Öf­fent­lich­keits­ar­beit für die ur­ba­ne Kunst, in dem sie für die Schaf­fung neu­er Frei­flä­chen wirbt, lo­ka­le Krea­tiv­schaf­fen­de in den Fo­kus nimmt und ei­ne sub­stan­zi­el­le Aus­ein­an­der­set­zung mit den Wer­ken er­mög­licht. Durch die Ver­knüp­fung der Tou­rist In­for­ma­ti­on mit der lo­ka­len Ur­ban Art Sze­ne mit­tels der Tour sind be­reits zahl­rei­che Auf­trä­ge und Jobs ge­ne­riert wor­den. Auch für das kom­men­de Jahr sind wei­te­re Ak­tio­nen ge­plant, die oh­ne die Graf­fi­ti-Tour in der Form wohl nicht mög­lich ge­we­sen wä­ren. So ent­stand bei­spiels­wei­se ei­ne neue Hall of Fa­me am Lip­pe­see, die Vin­cen­tin­ne­rin­nen ga­ben ih­re Klos­ter­mau­er zum Be­sprü­hen frei und auch im Be­reich der In­nen­stadt sind neue Flä­chen in Pla­nung. Die Ver­bin­dung von Krea­tiv­wirt­schaft, Uni­ver­si­tät und Tou­ris­mus­wirt­schaft ist bis­her stark ver­nach­läs­sigt wor­den. Mit­tel­fris­tig ist ei­ne Ein­bin­dung von lo­ka­len In­hal­ten in Se­mi­na­re, Ein­la­dun­gen von Kul­tur­schaf­fen­den an die Uni­ver­si­tät so­wie die Ein­rich­tung ei­nes städ­ti­schen For­schungs­zen­trum ge­plant. Als po­si­tiv ist in die­sem Zu­sam­men­hang auch der Aus­bau des Stadt­cam­pus zu se­hen, der für die Ver­knüp­fung von Uni und Stadt­raum viel­ver­spre­chen­de Mög­lich­kei­ten bie­tet. Auch der Auf­bau ei­nes Netz­werks zwi­schen Uni­ver­si­tät, Kul­tur­schaf­fen­den der Stadt und sei­nen jun­gen Be­woh­ner*In­nen ist ei­ne wich­ti­ges Ziel die­ses Pro­jekts, wel­ches in Zu­kunft durch ver­schie­de­ne Trä­ger wie der städ­ti­schen Kul­tur­för­de­rung, Crea­ti­ve NRW oder der Uni­ver­si­tät lang­fris­tig ge­för­dert wer­den könn­te. Das Preis­geld fun­giert da­her als An­schub­fi­nan­zie­rung für die nach­hal­ti­ge Stär­kung.

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