Die Flamingos am Zwillbrocker Venn teilen sich ihren Lebensraum mit Kolonien von Lachmöwen, © Biologische Station Zwillbrock e. V.

Wildes NRW


Ausflüge zu Flamingos, Wildpferden und schroffen Felsen

Nordrhein-Westfalen ist nicht nur ausgesprochen grün, sondern auch ziemlich wild und bunt. Wer sich hier auf den Weg durch die Natur macht, wird so manche Überraschung erleben.

Viele denken wohl immer noch zuerst an rauchende Schlote, wenn sie an Nordrhein-Westfalen denken. Dabei ist es die Natur, die das Land zwischen Rhein und Weser dominiert: Allein die 14 Naturparke nehmen inzwischen rund 40 Prozent der Landesfläche ein, weit über ein Viertel des Landes ist durch Wald und Wasser bedeckt. Und mit dem Nationalpark Eifel hat Nordrhein-Westfalen sogar einen waschechten Urwald, denn das Gebiet wird nicht nur weitgehend sich selbst überlassen, sondern auch sanft in den ursprünglichen Buchen-Urwald, der hier einmal heimisch war, zurückverwandelt.

Nordrhein-Westfalens Nationalpark

Die Bemühungen im Nationalpark Eifel haben Erfolg: Inzwischen haben sich wieder zahlreiche bedrohte Tiere angesiedelt, darunter Wildkatzen, Biber und Schwarzstörche. Wer viel Glück hat, erhascht bei einer Wanderung durch die lichten Buchenwälder und weiten Wiesen einen Blick auf sie. Eine andere Möglichkeit, der Natur näher zu kommen, sind die Rangerführungen, die im Nationalpark regelmäßig angeboten werden.

Im Frühjahr bietet sich in der Region ein besonderes Naturschauspiel. Millionen wilder Narzissen verwandeln dann die Täler an Olef, Perlenbach und Fuhrtsbach in ein leuchtendgelbes Blütenmeer, das es so in Deutschland sonst nur noch im Hundsrück gibt. Am schönsten zu erleben ist die Pracht bei einer Wanderung auf der rund zwölf Kilometer langen Narzissenroute, die als Rundweg in dem hübschen Eifel-Fachwerkstädtchen Monschau startet.

Wenn die Narzissen verblüht sind, sorgt der Ginster für kräftige Farben im Nationalpark Eifel. Besonders viele dieser Sträucher, die aufgrund ihrer Farbe auch Eifel-Gold genannt werden, finden sich auf der Dreiborner Hochfläche, die am Eifelsteig liegt, jenem Wanderweg, der über 313 Kilometer von Aachen nach Trier führt und der 2015 zum schönsten Wanderweg Deutschlands gewählt wurde.

Ein besonderes Erlebnis ist der Nationalpark aber auch bei Dunkelheit: Weil große Städte mit ihren unzähligen Lichtquellen weit entfernt sind, ist es hier so dunkel, dass so viele Sterne zu sehen sind wie nur an wenigen anderen Orten in Deutschland. Selbst die Milchstraße können Besucher bei klarem Himmel mit bloßem Auge erkennen. Die Astronomie-Werkstatt „Sterne ohne Grenzen“ lädt auf dem Gelände der Sternwarte regelmäßig zum nächtlichen Sternenhimmel-Gucken und Staunen ein.
www.nationalpark-eifel.de/sternenpark

Flamingos und Moor

Doch auch wenn der Nationalpark Eifel mit seinem Nationalpark-Status eine herausgehobene Stellung in Nordrhein-Westfalen hat – wilde Natur lässt sich auch an vielen anderen Orten im Land entdecken. Das vielleicht ungewöhnlichste Naturschauspiel bietet sich Besuchern im Zwillbrocker Venn. In dem Natur- und Vogelschutzgebiet im Münsterland haben sich wild lebende Flamingos niedergelassen! Die exotischen Vögel haben sich das Gebiet als Brutstätte ausgesucht und sind damit die nördlichste Flamingo-Brutkolonie Europas. Von März bis Juli und bei erfolgreicher Brut bis in den September hinein sind die rosa Tiere hier zu beobachten. Wer ihnen besonders nahe kommen möchte, kann sich aufs Rad schwingen, denn die 450 Kilometer lange Flamingo-Route führt direkt an den langbeinigen Vögeln vorbei.
www.flamingoroute.com 

Wer zwischen Juli und September ins Zwillbrocker Venn fährt, kann nicht nur auf Jung-Flamingos hoffen, sondern darf sich auch auf ein weiteres Naturschauspiel freuen: die Heideblüte. Der lila-rosa Blütenteppich verleiht der weiten Landschaft dann ein ganz besonderes Gesicht. Neben dem Zwillbrocker Venn gibt es die Blütenpracht unter anderem auch in der Wahner Heide bei Köln sowie im Großen Torfmoor in Lübbecke und Hille im Teutoburger Wald.

Das Große Torfmoor ist das größte noch verblieben Moorgebiet Nordrhein-Westfalens. Hier ist nicht nur die Heide zu bewundern, auch der Storch hat sich hier niedergelassen. Im Juni, wenn die Vögel auf Froschfang sind, stehen die Chancen gut, einen der seltenen Exemplare zu sehen. Aber auch sonst ist ein mystisches Moor natürlich immer einen Ausflug wert. Besonders gut lässt sich die Region über den drei Kilometer langen Moor-Erlebnis-Pfad entdecken, der für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen barrierefrei ist. Eine weitere Möglichkeit, Störche zu beobachten, gibt es auch auf der ganz anderen Seite Nordrhein-Westfalens, am Niederrhein.

Wilde Wisente und Pferde

Nicht nur verglichen mit den grazilen Störchen sind Wisente wahre Kraftpakete. Bis zu einer Tonne wiegen die größten Landsäugetiere Europas. Die einzige wild lebende Herde des Kontinents ist in der Region Siegerland-Wittgenstein beheimatet. Mit sehr viel Glück können Besucher sie in den Wittgensteiner Wäldern beobachten. Größer sind die Chancen, einen Blick auf die Tiere zu erhaschen, in der Wisent-Wildnis am Rothaarsteig bei Bad Berleburg, wo eine kleine Gruppe Wisente in einem rund 20 Hektar großen naturbelassenen, aber geschlossenen Areal umherstreift. Weitere Wisente, wenn auch keine wilden, leben im Neandertal. In der Nähe des gleichnamigen Museums teilen sie sich das „Eiszeitliche Wildgehege“ mit anderen urtümlichen Tieren  wie Auerochsen oder Tarpanen.

Berühmte wilde Tiere leben auch im Naturpark Hohe Mark-Westmünsterland – die Dülmener Wildpferde. Wie die Wisente im Wittgensteiner Land sind auch sie die einzige noch auf dem europäischen Kontinent lebende Herde ihrer Art und weitgehend sich selbst überlassen. Für Touristen und Einheimische ist der große Wildpferdefang im Merfelder Bruch am letzten Samstag im Mai jedes Jahr das große Highlight. Fänger machen sich dann mit bloßen Händen auf die Jagd nach einjährigen Hengsten. Einmal eingefangen werden die Tiere versteigert oder verlost und gezähmt, um später Ausritte durch die weite Parklandschaft des Münsterlands zu machen oder Kutschen zu ziehen.

Felsen, Steine und tolle Ausblicke

Zwar nicht lebendig, aber doch nicht weniger beeindruckend als die Wildpferde sind die Externsteine im Teutoburger Wald. Zweifelsohne gehören sie zu den imposantesten Naturdenkmälern Deutschlands und haben die Menschen zu zahllosen Geschichten und Mythen inspiriert. Über zwei Treppen erreichen Besucher die Gipfel der schroffen Felsen, von denen aus sich ein herrlicher Blick über die Region bietet.

Nicht weniger Geschichten ranken sich um den Drachenfels bei Königswinter. Der sagenumwobene Berg gilt als der meistbestiegene Berg der Welt und thront hoch oben über dem Rhein, der bereits seit Jahrhunderten Romantiker ebenso wie Maler und Touristen anzieht. Wer auf seinen Gipfel klettert, kann seinen Blick weit über  das Rheintal und das Siebengebirge schweifen lassen. Wer es nicht zu Fuß schafft, kann auch die traditionelle Zahnradbahn nehmen oder sich von einem Esel hochtragen lassen – vorausgesetzt er ist ein Kind. Wer etwas mehr Ausdauer hat und noch mehr vom romantischen Rhein entdecken will, kann entweder den 320 Kilometer langen Rheinsteig nehmen, der von Bonn bis nach Wiesbaden führt, oder auf dem 1.320 Kilometer langen Rheinradweg dem gesamten Fluss von der Quelle bis zur Mündung folgen.

Einen tollen Ausblick bietet auch der Weser-Skywalk an den Hannoverschen Klippen bei Beverungen, ganz im Osten Nordrhein-Westfalens – und das nicht nur auf das Wesertal. Das Gebiet ist ein wahres Schmetterlingsparadies: Rund 500 Arten wurden hier bereits nachgewiesen, darunter etliche Tiere, die normalerweise wärmere Gefilde wie den Mittelmeerraum bevorzugen. Weil die Sonne die Klippen jedoch so stark aufheizt, haben sie sich inzwischen auch an der Weser niedergelassen.

Industrie und Orchideen

Ganz ungewöhnliche Lebensräume entwickeln sich derzeit auch im Ruhrgebiet – ausgerechnet dort, wo man sie wohl am wenigsten vermutet: auf alten Industriebrachen. Dabei liegt der Grund für die neu entstehende Wildnis eigentlich auf der Hand: Seit der Schließung der Fabriken sind die Gelände weitgehend sich selbst überlassen und die Natur kann sich wieder so entwickeln, wie sie es will. An vielen Stellen haben sich dadurch neue, junge Industriewälder entwickelt, die oft sogar artenreicher sind als natürliche Wälder. 

Der Vergangenheit verdankt auch das Aachener Umland eine besondere Naturschönheit: In einem alten, offen gelassenen Steinbruch haben sich wilde Orchideen angesiedelt. Entdecken kann man die bunten Blumen besonders gut während einer Tour auf der 16 Kilometer langen Kupferroute, die durch die Region führt. Von Mai bis August blühen auch die golfgelben Galmeiveilchen am Wegesrand, die nur in den hier vorkommenden Erzfeldern zu finden sind.

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