Schloss Corvey Kaiserkirche im Westwerk, © André Menne, Peter Wieler

Spirituelle Reisen


Wallfahrten, Pilgerwanderungen und entspannende Erlebnisse in der Stille der Natur

Einfach mal den Alltag hinter sich lassen, Kraft tanken, seine Gedanken ordnen: Gründe, sich auf eine spirituelle Reise zu begeben, gibt es viele – und in Deinem NRW mindestens genauso viele Möglichkeiten, Dich auf Deinen ganz eigenen Weg zu machen.

Unser Leben ist atemloser geworden: Keine Minute bleibt ungenutzt. Beim Warten auf den Zug werden noch einmal schnell die E-Mails gecheckt, dazu ein hastiger Schluck aus dem Coffee to Go, bevor es abgehetzt zum nächsten Termin geht. Doch desto schneller unser Leben wird, desto größer wird bei vielen auch der Wunsch, einfach mal auszusteigen aus dem sich wild drehenden Karussell oder um es mit dem Modewort zu sagen: zu entschleunigen. Eine kleine Reise etwa in die Stille der Natur oder die Einsamkeit eines Klosters kann da genau das Richtige sein. 

Historisch unterwegs: der Jakobsweg

Wie wäre es zum Beispiel mal mit einer Wanderung über den Jakobsweg? Er ist der wohl berühmteste Pilgerweg der Welt und führt seit über 1.000 Jahren Pilger zum Grab des Apostels Jakobus im nordspanischen Santiago de Compostela. Zuletzt strömten jedes Jahr weit über 200.000 Menschen über die Route.

Genau genommen handelt es sich beim Jakobsweg nicht um einen, sondern um viele Wege, die von unterschiedlichen Startorten aus nach Santiago de Compostela führen. Auch in NRW gibt es einige der nach historischem Vorbild rekonstruierten Routen, die durch die berühmte gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund gekennzeichnet sind und über eine gut ausgebaute Infrastruktur etwa mit Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger am Wegesrand verfügen. Insgesamt sind die Routen allein in NRW über 1.000 Kilometer lang.

www.deutsche-jakobswege.de

Unesco-Welterbe: Kölner Dom und Schloss Corvey

Das größte Pilgerzentrum in Nordrhein-Westfalen ist dabei Köln, wo sich mehrere Wege der Jakobspilger treffen. Der Kölner Dom, der zu den fünf zum Unesco-Welterbestätten in NRW gehört, ist nicht nur die beliebteste Sehenswürdigkeit Deutschlands, sondern auch eine der bedeutendsten Wallfahrtskirchen Europas. Hier sollen, im größten erhaltenen romanischen Reliquienschrein, die Gebeine der Heiligen Drei Könige liegen.

Auch am Schloss Corvey, der ehemaligen Benediktinerabtei in Höxter, die seit 2014 ebenfalls zum Unesco-Welterbe gehört, führt eine der Routen der Jakobspilger vorbei. Besucher können sich im Schloss unter anderem den prächtigen Kaisersaal und historische Prunk- und Wohnräume aus dem 18. und 19. Jahrhundert ansehen. Auch die Fürstliche Bibliothek, die zu den bedeutendsten Privatbibliotheken Deutschlands gehört, steht Gästen offen. Besonders lohnt sich ein Besuch zudem im Frühjahr, denn dann steht mit den Corveyer Musikwochen ein Klassikfestival auf dem Programm.

Orte der Stille: Kloster-Garten-Route

Ebenfalls am Schloss Corvey vorbei führt die Kloster-Garten-Route. Der Radweg verbindet auf rund 190 Kilometern sieben verschiedene Klostergärten im Teutoburger Wald miteinander, versteckte Oasen der klösterlichen Spiritualität, die im Mittelalter von Benediktinern, Zisterziensern oder Franziskanern angelegt wurden. Wer will, kann auch noch einen Abstecher zu einigen touristischen Sehenswürdigkeiten in der Gegend machen, unter anderem zum Weser-Skywalk bei Beverungen oder zum Orgelmuseum in Borgentreich.

Eine Pause wert ist auch das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur Kloster Dalheim in Lichtenau. Regelmäßig sind hier Sonderausstellungen zu sehen – teilweise auch mit sehr weltlichen Themen wie dem Fußball. Zu den Highlights gehört zudem jedes Jahr der Dalheimer Sommer, der musikalische Lesungen, Picknickkonzerte im Klostergarten oder auch Konzertreihen in der spätgotischen Klosterkirche bietet. Und auch für seinen Klostermarkt ist Dalheim berühmt, schließlich ist es der größte europäische Markt seiner Art. Immer am letzten Wochenende im August kommen dafür Ordensschwestern und -brüder aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland, um zu verkaufen, was bei ihnen in Küchen, Kellern und Werkstätten entstanden ist.
www.lwl.org/kloster-dalheim

Kultur und Übernachtung im Kloster

Viel Kultur bietet auch die ehemalige Benediktinerabtei Brauweiler im Rhein-Erft-Kreis. Neben Führungen gibt es hier regelmäßig auch Musik- und Theaterveranstaltungen.
www.abteibrauweiler.lvr.de

Im Kloster Kamp am Niederrhein sind es vor allem die Außenanlagen, die Besucher anlocken. Die frühere Abtei, die im 12. Jahrhundert gegründet wurde, war das erste Zisterzienserkloster im deutschsprachigen Raum und ist heute von prächtigen Gärten umgeben. Besonders beeindruckend ist dabei der barocke Terrassengarten, der mit seiner akkuraten Bepflanzung und seinen Wasserspielen die Blicke auf sich zieht. 2020, wenn in Kamp-Lintfort die Landesgartenschau eröffnet, wird das Kloster mit seinen Gärten ein wichtiger Bestandteil sein.
www.kloster-kamp.de

Übernachten kann man im Kloster Kamp allerdings nicht, doch dafür gibt es genügend andere Möglichkeiten in NRW, zum Beispiel die Abtei Kornelimünster, die im wunderschönen gleichnamigen Stadtteil von Aachen liegt, der sich bis heute seinen dörflichen Charme bewahrt hat. Auch die Abtei Varensell bei Rietberg im Kreis Gütersloh oder die Benediktinerabtei Gerleve bei Coesfeld sind auf Übernachtungsgäste eingestellt.

Kirchen, Synagogen und Tempel

Durch das Ruhrgebiet führt eine Route, die ganz unterschiedliche Gotteshäuser miteinander verbindet. Neben vielen christlichen Kirchen sind an der Route der Sakralbauten auch Moscheen und Synagogen zu finden. Und auch der Hindu-Tempel Sri Kamadchi Ampal in Hamm, der größte tamilisch-hinduistische Tempel auf dem europäischen Festland, liegt an der Route. Hindus aus ganz Europa kommen hierher, um etwa ihre Hochzeit zu feiern oder dem Tempelfest beizuwohnen, das jedes Jahr im Frühsommer stattfindet und auch viele Nicht-Hindus anlockt. Wer will, kann den farbenprächtigen Tempel aber natürlich auch außerhalb der Feierlichkeiten besuchen.
www.route-industriekultur.ruhr

Ein ganz besonderer Sakralbau, allerdings außerhalb des Ruhrgebiets, ist auch der Aachener Dom. Karl der Große legte einst den Grundstein für das imposante Gotteshaus, das als erstes deutsches Bauwerk überhaupt 1978 auf die Liste der Unesco-Welterbestätten aufgenommen wurde. Alle sieben Jahre hält der Dom ein besonderes Highlight für Pilger bereit: Dann wird der Marienschrein geöffnet, der unter anderem die Windeln Jesu und das Enthauptungstuch Johannes des Täufers enthalten soll. Wer nicht zu einem dieser seltenen Ereignisse in der Stadt ist, kann den Schrein – dann allerdings geschlossen – auch im Rahmen von Führungen sehen.

Zwar kein Welterbe, aber dafür durch sein außergewöhnliches Aussehen international bekannt, ist der Mariendom, die berühmte Wallfahrtskirche in Velbert-Neviges. Mit 6.000 Plätzen ist er die größte Kirche nach dem Kölner Dom im Erzbistum Köln. Ganz anders als der Dom ist er jedoch kein klassischer Bau, sondern ein moderner Betonbau, der 1968 vom Kölner Architekten Gottfried Böhm entworfen wurde.    

Auch wenn der Nevigeser Wallfahrtsdom der katholischen Kirche gehört, sind die Protestanten in Velbert eindeutig in der Mehrzahl. Wo sie überall ihre Spuren hinterlassen haben und wo es die Katholiken waren, können Wanderer auf der Route „Wege von Protestanten und Franziskanern“ aufspüren. 
www.neanderland.de

Ebenfalls spektakulär ist die Bruder-Klaus-Feldkapelle in Mechernich-Wachendorf in der Eifel. Mitten auf einem Feld hat der Schweizer Star-Architekt Peter Zumthor, der auch das christliche Kunstmuseum Kolumba in Köln erbaute, hier eine zwölf Meter hohe Betonkapelle in Turmform errichtet. Dem kalt wirkenden Beton außen setzte er im Inneren heimische Fichtenstämme entgegen, die beim Eintreten für Überraschung sorgen. Ebenfalls überraschend ist das kleine Loch im Dach, durch das Wasser eindringt - und das gewollt: Auf dem Blei-Zinnfußboden, der als Reminiszenz an die Bleistadt Mechernich eingelassen wurde, bildet sich dann ein kleiner See. Rund 300 Glas-Halbkugeln in den Wänden lassen zudem Licht eindringen und sorgen so für eine ganz besondere Atmosphäre. Einzelbesucher können die Kapelle ohne Anmeldung besuchen, Pilgergruppen ab zehn Personen jedoch nur nach Vorankündigung.
www.feldkapelle.de

Reformation

Spuren eines ganz besonderen Protestanten findet man gerade 2017 auch an anderen Orten in NRW, denn dieses Jahr wird ein besonderes Ereignis gefeiert: 500 Jahre Reformation. 1517 soll der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther 95 Thesen an das Portal der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben, in denen er den Ablasshandel in der katholischen Kirche kritisierte. Es folgten Jahrzehnte lange erbitterte Kämpfe, die die christliche Kirche und Europa spalteten. An den Anschlag der Thesen, der als Beginn der Reformation gilt, erinnern im Jubiläumsjahr mehrere Ausstellungen in Nordrhein-Westfalen, darunter die Schau „Der geteilte Himmel“ im Ruhr Museum auf dem Gelände des Essener Welterbes Zollverein

Pilgerorte und Wallfahrten

Fest in katholischer Hand ist Kevelaer. In die Stadt am Niederrhein pilgern jedes Jahr fast eine Million Gläubige, um in der Marienkapelle ein Gnadenbild zu sehen. Damit ist Kevelaer nach dem bayerischen Altötting der bedeutendste katholische Wallfahrtsort Deutschlands. Jedes Jahr im Frühjahr begeben sich Gläubige gemeinsam auf die Kevelaer Wallfahrt, deren Wurzeln bis ins Jahr 1642 zurückreichen. Seit einigen Jahren  gibt es zudem für Biker eine spezielle Motorradwallfahrt in den Ort.
www.wallfahrt-kevelaer.de

Um das Angebot für Pilger weiter auszubauen, plant die Stadt den Bau eines Sole- und Pilgerparks. Unter dem Motto „Gesund an Leib und Seele“ soll bis 2020 ein Komplex mit Gradierwerk, Bibelgarten oder Kneipp-Bereich entstehen. Schon heute gibt es im unweit entfernten Xanten das Stiftsmuseum, eines der schönsten kirchlichen Museen Deutschlands. Kunstliebhaber finden hier prächtige Schätze in Gold und Silber, handgefertigte Messgewänder und aufwendig gestaltete Bücher und Handschriften.

Während Kevelaer der zweitgrößte Pilgerort in Deutschland ist, führt die größte Wallfahrt im deutschsprachigen Raum von Osnabrück nach Telgte. Rund 7.500 Gläubige machen sich jedes Jahr im Juli mitten in der Nacht auf den Weg in die Stadt bei Münster. Neben der Fußwallfahrt gibt es seit 2012 – passend zum liebsten Fortbewegungsmittel der Münsterländer – auch eine Fahrradwallfahrt. Bereits seit 1988 findet alljährlich an Christi Himmelfahrt zudem die Telgter Kutschenwallfahrt statt, zu der Kutschen aus dem Münsterland, Emsland und Sauerland anreisen. Ganz unabhängig von den Wallfahrten können sich Wanderer auf spirituelle Wege rund um Telgte begeben und dazu aus verschiedenen Routen wählen; unter anderem gibt es die Schutzengelroute oder den Pietàweg.   
www.telgte.de

An Paderborn vorbei verläuft der Alte Pilgerweg. Wer will, kann sich hier allein auf den Weg machen und sich von Zitaten und Texten am Wegesrand zum Nachdenken anregen lassen. Oder man schließt sich einer geführten Wanderung über die Route an. Oder doch lieber eine Stadtführung durch Paderborn? Unter dem Motto "Innehalten" bietet die Stadt Touren mit meditativen Texten und Achtsamkeitsübungen an. www.paderborn.de/Innehalten | www.paderborn.de/alter-pilgerweg

Das vielleicht pompöseste Wallfahrtsziel Deutschlands ist die Kreuzbergkirche in Bonn mit ihrer beeindruckenden Heiligen Stiege. Die prunkvolle Barocktreppe, die vorbei an üppig bemalten Wänden zum Chor der Wallfahrtskirche hinaufführt, wurde von Balthasar Neumann im Auftrag des Kölner Erzbischofs und Kurfürsten Clemens August erbaut, jenem Baumeister, der auch das Unesco-Welterbe Schloss Augustusburg in Brühl errichtete.

Spiritueller Sommer

Nicht als pompöse Kirchenbauten, sondern eher als Ruhe- und Entschleunigungsmöglichkeiten interpretiert der spirituelle Sommer, der seit 2013 jedes Jahr in Südwestfalen stattfindet, das Thema Spiritualität. Von Vollmondwanderungen durch die Wisent-Welt Wittgenstein über Yogawalks bis zu meditativen Konzerten reicht hier das Angebot, das jedes Jahr neugestaltet wird.
www.wege-zum-leben.com

Kraft tanken in der Natur

Der spirituelle Sommer zeigt, dass sich die Natur hervorragend eignet, um in sich zu kehren. Besondere Naturerlebnisse gibt es in NRW aber natürlich nicht nur während der Sommermonate in Südwestfalen. Dick eingepackt ist zum Beispiel auch Winterwandern eine außergewöhnliche Erfahrung. Nicht nur, dass man selbst im Sommer stark frequentierte Wege oft nahezu für sich allein hat und so die Stille genießen kann. In Moorlandschaften etwa wie dem Hohen Venn südlich von Aachen oder dem Großen Torfmoor bei Minden steigt an kalten Wintertagen der Nebel auf und sorgt für eine nahezu mystische Stimmung.

Mystische Geschichten ranken sich auch um die Externsteine in Horn-Bad Meinberg im Teutoburger Wald. Die eigentümlich in den Himmel ragenden Gesteine beflügeln seit Jahrhunderten die Phantasie der Menschen, einige sprechen ihnen sogar besondere Kräfte zu. Fest steht: Sie gehören zu den beeindruckendsten Naturdenkmälern Deutschlands.

Mindestens ebenso sagenumwoben wie die Externsteine ist auch der Rhein, der romantische Fluss, der Menschen aus aller Welt in seinen Bann zieht. Besonders schöne Ausblicke bieten sich vom ebenfalls sagenumwobenen Drachenfels bei Königswinter, der hoch über dem Tal des Flusses thront. Ein Ausflug dorthin lässt sich mit einem Besuch der nahen Klosterlandschaft Heisterbach aus dem 13. Jahrhundert verbinden. An der gleichnamigen Klosterruine führen gleich mehrere Wanderwege durch das wilde Siebengebirge vorbei.
www.abtei-heisterbach.de  

Immer den Rhein im Blick hat man auf dem Rheinsteig, der in Bonn startet und Wanderer von dort aus rund 320 Kilometer nach Süden führt. Radfahrer können dem Fluss auf dem Rheinradweg von Bonn bis zur niederländischen Grenze folgen.

Ganz besondere Naturerlebnisse bietet auch der Nationalpark Eifel, in dem die Natur weitgehend sich selbst überlassen ist. Wer will, kann tagelang durch die Wälder und Täler streifen und dabei die ihn umgebene Stille genießen. Die Nationalparkverwaltung bietet aber auch geführte Touren an, etwa meditative Wanderungen oder Achtsamkeits- und Yoga-Touren. Auf dem Schöpfungspfad bei Simmerath kann jeder auch für sich einen spirituellen Zugang zur Natur finden.

Etwas ganz Besonderes ist ein Besuch bei Nacht im Nationalpark, denn dort ist es so dunkel, dass der Sternenhimmel einfach überwältigend wirkt. Selbst die Milchstraße ist von hieraus zu erkennen. Also genau der richtige Ort zum Träumen und Entspannen!

 

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Entdecke spirituelle Orte in NRW

Schloss Corvey Kaiserkirche im Westwerk, © André Menne, Peter Wieler
Teuto Corvey, © F.Grawe, www.klosterregion.de, Teutoburger Wald Tourismus OWL GmbH
Teuto Corvey Landschaft, © Kulturkreis Hoexter-Corvey gGmbH
Familientipps Aachen Krönungsstuhl, © Andreas Hermann / aachen tourist service e.v.
Region Aachen Header, © Tourismus NRW e.V. / Sondermann
Welterbe Panorama Kölner Dom, © André Menne, Peter Wieler
#Rauszeitlust Niederrhein und Ruhrgebiet Kloster Kamp Terrassengarten, © Antje Zimmermann
Erholungsangebote Kampagnenbild Yoga, © Dominik Ketz, Tourismus NRW e.V.

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