Der Eifeler Döppekooche, ein traditioneller Kartoffelauflauf, wird heute als schmackhaftes Ofengericht wiederenteckt, © Archiv Eifel Tourismus GmbH

Rheinisch-westfälische Küche


Herzhaft, handfest, deftig – und manchmal zuckersüß

Wer Nordrhein-Westfalen richtig kennenlernen will, kommt an Rheinischem Sauerbraten, Bergischer Kaffeetafel oder Westfälischem Pickert nicht vorbei. Tritt ein in die rheinisch-westfälische Küche und entdecke nordrhein-westfälische Traditionsgerichte!

Wer eine Reise nach Italien plant, freut sich auf Pizza, Pasta und Tiramisu. Und wer eine Reise nach NRW plant, freut sich auf… ja was eigentlich? Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands und die hiesigen Restaurants und Gasthäuser bieten ein schier unendlich anmutendes kulinarisches Angebot, zu dem mittlerweile ganz selbstverständlich auch Pizza, Döner oder asiatische Küche gehören. Viele Köche mischen auch regionale und internationale Kochkunst und kreieren im Fusion-Stil immer neue Rezepte.

Wer Nordrhein-Westfalen entdecken will, sollte neben der internationalen Vielfalt aber auch die regionale Küche probieren. Denn es gibt sie noch, die traditionellen Gerichte, die seit Generationen auf nordrhein-westfälischen Tellern landen und die schon unseren Großeltern und Urgroßeltern geschmeckt haben: Dazu gehören zum Beispiel der Rheinische Sauerbraten, die Bergische Kaffeetafel oder der Westfälischer Pickert.

Deftige Fleischgerichte

Die rheinisch-westfälische Küche ist bekannt für ihre herzhaft-deftigen Fleisch- und Wurstgerichte. Für Vegetarier kann ein Abend im Brauhaus oder im gutbürgerlichen Gasthaus schon mal trostlos aussehen – Freunde des Fleischverzehrs bekommen dafür beim Anblick der Speisekarten leuchtende Augen. Zu den Spezialitäten aus dem Rheinland gehört der Rheinische Sauerbraten, der von Region zu Region mit unterschiedlichen Saucen gereicht wird. In der Eifel darf zum Beispiel eine Printensauce nicht fehlen, zu der in Aachen als Beilage gerne Pommes Frites serviert werden. Rund um Köln hingegen gehören Klöße und Rotkohl zum Sauerbraten.

Als Spezialität der westfälischen Küche ist der Pfefferpotthast bekannt. Hierzu kommen zumeist Rindfleischstückchen mit viel Schmalz und jeder Menge Zwiebeln in einen großen Topf und werden mit reichlich Pfeffer zu einem würzig-scharfen Fleischeintopf gekocht. Experimentierfreudige Genießer sollten das Steinfurter Töttchen probieren, ein süß-saures Fleischragout, das traditionell aus Innereien wie Lunge oder Leber zubereitet wird. Moderne Varianten nutzen aber auch das Fleisch oder die Zunge vom Kalb.

Wie im Falle des Steinfurter Töttchens gehen viele Traditionsgerichte der rheinisch-westfälischen Küche auf die Resteverwertung nach dem Schlachten zurück. So werden in Flönz, Möpkenbrot oder Panhas nicht nur Fleisch, sondern auch das Blut der geschlachteten Tiere zu leckeren Fleisch- und Wurstspezialitäten verarbeitet. Rund um Köln ist die rheinländische Flönz beliebt, eine mit kleinen Fettstücken gespickte und leicht geräucherte Blutwurst. Den Panhas kennt man im Rheinland und in Westfalen als Kochwurst, die neben verschiedenen Fleischsorten auch Schweineblut und Buchweizenmehl enthält. Ganz ähnlich ist das westfälische Möpkenbrot in der Herstellung. Auch hier handelt es sich um eine Blutwurst, die mit Mehl gebunden wird.  

Kartoffeln: Beilage und Hauptgericht

Als Beilage zu den deftigen Fleisch- oder Fischgerichten dürfen zumeist Kartoffeln nicht fehlen. Unter Himmel un Ähd versteht der Rheinländer eine Kombination aus Stampfkartoffeln (aus der Erde) und Apfelmus (aus dem Himmel), die häufig zu gebratener Blutwurst gereicht wird. Zu Fischgerichten, wie dem traditionellen Heringsstipp, werden oft Pellkartoffeln serviert.

Auch als Hauptgericht behaupten sich Kartoffeln in der rheinisch-westfälischen Küche: Im Sauerland und Siegerland kennt man die Potthucke, in der Eifel den Döppekooche als traditionellen Kartoffelauflauf. Früher als Arme-Leute-Essen bekannt, das zum Beispiel anstelle einer Gans zu Sankt Martin serviert wurde, wird er heute als schmackhaftes Ofengericht wiederentdeckt. Speck, Mettwurst und Zwiebeln geben den gebackenen Kartoffeln einen herzhaften Geschmack.

Sehr beliebt sind auch in der Pfanne gebratene Reibekuchen aus geriebenen rohen Kartoffeln. Die Pillekoochen werden je nach Region gern mit Apfelmus, Rübenkraut, Butter oder Schwarzbrot serviert. Unter Riewekooche verbirgt sich hingegen ein Kartoffelbrot, das außer Mehl auch einen Anteil geriebene Kartoffeln enthält und fertig gebacken gerne süß mit Butter und Marmelade verzehrt wird. Ähnlich genießt man den Pickert, einen zumeist in der Pfanne gebackenen Pfannkuchen aus Mehl und geriebenen Kartoffeln, zu dem oft Pflaumenmus oder Kompott gereicht wird. Und auch in Suppe oder Eintopf ist die Kartoffel beliebt – Duffelsobbe nennt man die Kartoffelsuppe beispielsweise im Siegerland.

Brotzeit mit Wurst oder Käse

Im Handwerk, über und unter Tage wurde in Nordrhein-Westfalen früher immer viel und hart gearbeitet. In der Mittagspause reichte es da oft nur für ein Bütterken, Schnittken, eine Knifte oder ein Dubbel – alles Begriffe für Butterbrote in ihren verschiedensten Formen. Rund um Köln kennt man den Halven Hahn, ein halbes Roggenbrötchen mit Käse. Verfeinert mit Flönz und Senf spricht man auch vom Kölschen Kaviar. Im Bergischen ist die Kottenbotter bekannt, eine mit Mettwurst, Zwiebeln und Senf belegte Grau- oder Schwarzbrotscheibe.

Aus der westfälischen Küche stammt das Pumpernickel, das nur aus Roggenschrot und Wasser hergestellt und in Wasserdampf gebacken wird. Zum Pumpernickel, aber auch zu milderen Brotsorten wie dem Paderborner Landbrot, schmecken die rheinisch-westfälischen Schinkenspezialitäten. Seinem Schinken widmet das Westfalen Culinarium in Nieheim gleich ein ganzes Museum. Hier können Besucher Spezialitäten wie den westfälischen Knochenschinken probieren.

Auch süße Brote haben in Nordrhein-Westfalen Tradition. In Aachen kennt man den Poschweck, der zu Ostern gebacken und mit Nüssen, Rosinen und Orangeat verfeinert wird. Im Bergischen Land darf der Bauernblatz, ein Milchbrot, bei keiner Bergischen Kaffeetafel fehlen. Bei Kaffeetafeln, die vor allem im Bergischen Land und am Niederrhein Tradition haben, werden eine Vielzahl von Brotspezialitäten mit allem, was dazu gehört, angeboten. Neben Rosinen- und Schwarzbrot mit Käse- und Wurstspezialitäten, Apfelkraut und Pflaumenmus, gehören oft auch Waffeln, Pfannkuchen oder Pflaumenkuchen zu der reichhaltigen Speise, die man sich am besten mit vielen Freunden teilt. Bei der Bergischen Kaffeetafel kommt der Kaffee aus der Dröppelminna, einer traditionellen Kranenkanne mit einem oder mehreren Zapfhähnen.

Regionales Gemüse

In Bauernhofcafés, Gasthäusern oder Restaurants stehen oft saisonale Gerichte auf der Speisekarte. In die Küche kommen dann hauptsächlich Produkte aus der Region. Am Niederrhein heißt das im Sommer zum Beispiel: Spargel und Erdbeeren satt! Im Winter stehen deftige Gemüseeintöpfe wie die rheinländische Schnibbelbohnensuppe oder das Westfälische Blindhuhn auf der Speisekarte. Zu letzterem gehört gar kein Huhn, sondern einfach jegliches Gemüse, das gerade Saison hat, plus ein paar Äpfel und etwas Speck.

Und was gibt‘s zu Trinken?

Natürlich lebt auch in NRW niemand von der festen Nahrung allein. Heruntergespült wird das Essen gerne mit einem Bier. Pils, Alt, Kölsch oder Bönnsch – in jeder Region gibt es andere Biere zu entdecken, die in den Brauereien des Landes frisch gebraut werden. Ausführliche Informationen und interessante Anekdoten zum Biergenuss in NRW gibt es hier.

Weniger bekannt ist, dass die rheinische Küche auch leckere Weine kennt. Rund um Königswinter liegt das einzige Weinanbaugebiet Nordrhein-Westfalens, das aus den heimischen Trauben Weine keltert. Aus den Früchten der Streuobstwiesen werden derweil Obstbrände gebrannt oder Säfte hergestellt.

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