Der Osterbrunnen in Arnsberg, © Julian Stratenschulte

Osterbrauchtum in NRW


Feuerräder und Festumzüge mit Fackeln, Klappern und Rasseln

Laut, leise und lecker: In NRW treffen Besucher auf jahrhundertealte Osterbräuche für Augen, Ohren und mitunter auch für den Gaumen.

Osterräderlauf in Lügde

Im Teutoburger Wald etwa geraten am Abend des Ostersonntags bei Einbruch der Dunkelheit mannshohe Feuerräder in Fahrt. Einem heidnisch-germanischen Brauch zufolge rollen in Lügde auch am 27. März 2016 wieder brennende, knapp 300 Kilogramm schwere mit Stroh ummantelte Räder bergab. Jedes Rad wird am Fuß des Osterbergs mit lautem Jubel, einem Tusch des Blasorchesters und Glockengeläut empfangen. Kommen die Räder gut ins Tal, so wird es dem alten Volksglauben folgend, ein gutes Erntejahr geben. Auch die Vorbereitungen zum Osterräderlauf sind sehenswert: Am frühen Nachmittag ziehen Kaltblüter die Osterräder in einem alten Leiterwagen hinauf zum Osterberg.

www.osterraederlauf.de

Krachnacht in Medebach-Hallenberg

Im Sauerland wird richtig Rabbatz gemacht: Im Fachwerkstädtchen Medebach-Hallenberg bildet die "Krachnacht" zum Ostersonntag einen hörbaren Höhepunkt. Um Mitternacht erlischt die Straßenbeleuchtung und mit Gesängen, Lärm, Fackelträgern und Lampionbäumen zieht ein Festumzug durch den Ort: Vorab die Fackelträger, drei große, erleuchtete Kreuze, Lampionbäume, Klapper- und Rasselträger, die Burschentrommel und etliche sonstige „Krachwagen“. So erfüllt der Zug auf einer seit Jahrhunderten unveränderter Route die Straßen und Gassen der Stadt bei gespenstiger Dunkelheit mit Lärm und flackerndem Licht. Nach rund eineinhalb Stunden endet das Spektakel und die Lichter der Stadt gehen wieder an.

www.hallenberg-tourismus.de

Osterfeuerschauspiel in Arnsberg

In Arnsberg wird schon einige Tag vor Ostern ein historische Brunnen im Ort mit mehreren hundert bemalten Ostereiern, Girlanden und bunten Bändern verziert. Ein sehenswertes Osterfeuer-Schauspiel mit riesigem Freudenfeuerwerk beendet dann in jedem Jahr die Fastenzeit: Schon Karfreitag, 25. März 2016, werden einer uralten Tradition folgend mehr als 3000 Reisigbunde kegelförmig zu einem riesigen Stoß aufgeschichtet. Am Ostersonntag ziehen nach Einbruch der Dunkelheit 350 Fackelträger an den in bengalisches Licht getauchten Kreuzwegstationen vorbei und bilden anschließend auf einem Berg über der Stadt ein riesiges Kreuz. Unter feierlichem Geläut aller Kirchenglocken wird der Holzstoß entzündet und Osterlieder erklingen. Zum Abschluss ist ein Höhenfeuerwerk zu sehen.

www.arnsberg-info.de

Schönecker Eierlage

104 rohe Eier spielen die Hauptrolle in einem Eifeler Osterbrauch, der im 16. Jahrhundert seinen Ursprung hat. Die Schönecker Eierlage am Ostermontag ist einer der ältesten noch erhaltenen Eierlesebräuche in Deutschland. Bei diesem Wettkampf treten zwei Junggesellen gegeneinander an: Während der eine die in Abständen von einer Elle liegenden Eier einzeln aufraffen und in einem nahe gelegenen Sammelkorb ablegen muss, macht sich der Kontrahent läuferisch auf den Weg ins rund vier Kilometer entfernte Nachbardorf - und wieder zurück. Wer seine Aufgabe als Erster erledigt hat, gewinnt die Eierlage. Dieser Wettkampf zwischen Läufer und Raffer wird in nahezu unveränderter Form Osterbräuche auch am 28. März 2016 im Burgflecken ausgetragen.

www.zalditschen.de

Kreuzwegprozession mit Panoramablick

Bedächtiger geht es im Eifelstädtchen Blankenheim zu. Dort finden zur Vorbereitung auf das Osterfest von Palmsonntag bis Karfreitag täglich Kreuzwegprozessionen statt. Auf der Prozession von Blankenheim-Alendorf zum Kalvarienberg, der in Deutschlands drittgrößtem Wacholdernaturschutzgebiet liegt, passieren die Gläubigen 14 überwiegend im 17. Jahrhundert errichtete Kreuzwegstationen. Der Kalvarienberg bietet als einer der Aussichtspunkte "Eifel-Blicke" einen schönen Panoramablick. In dem Naturschutzgebiet blühen von Frühjahr bis Herbst seltene Blumen wie Kuhschelle, Orchideen, Enziane und Herbstzeitlose.

www.eifel-blicke.de

In Aachen wird süßer Poschweck serviert

In Aachen wird Ostern besonders süß, denn über die Feiertage freut man sich im Dreiländereck auf eine besondere Spezialität: den Aachener Poschweck. Für das süße, oft mit Nüssen oder Rosinen verfeinerte Weißbrot zahlen die Kunden heute - im Gegensatz zu früher - auch gerne mit barer Münze. Ursprünglich war die Spezialität, deren Tradition bis ins Mittelalter zurückreicht, nämlich ein Geschenk an Stammkunden. Diese kostspielige Angelegenheit sorgte bei den Bäckern jedoch zusehends für Unmut. 1846 kam es zur Poschweck-Revolution: 113 Bäckermeister weigerten sich, weiter Poschwecken zu backen. Am ersten Osterfeiertag kam es daraufhin zu Ausschreitungen in der Stadt. Mit einer polizeilichen Anordnung wurden die Bäcker gezwungen, die Spezialität auszuliefern. Erst Ende des 19. Jahrhunderts konnten sich die Bäcker endgültig mit ihrer Forderung durchsetzen.

www.aachen-tourist.de

Struwenessen im Münsterland

Ein kulinarisches Ritual ist auch im Münsterland erhalten: Traditionell wird hier vielerorts am Karfreitag "Struwen", plattdeutsch auch Struven oder Strüvken, gegessen. Der kalorienreiche Hefepfannkuchen, häufig mit Rosinen gegessen, wird in Pflanzenöl gebacken und in Zucker gerollt. Früher galt das Gericht als Fastenessen für Aschermittwoch und Karfreitag. In Velen zum Beispiel wird an Karfreitag zunächst den Kreuzweg mit dem Fahrrad abgefahren und anschließend im örtlichen Pfarrheim gemeinsam frisch gebackene Struwen gegessen. Auch viele Restaurants in Münster haben das Gericht zu Ostern auf der Speisekarte stehen.

www.pleistermuehle.de | www.gasthaus-stuhlmacher.de | www.hotel-wienburg.de

 

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