Luftaufnahmen vom Duisburger Hafen, wo Rhein und Ruhr zusammenfließen, © Duisport / Hans Blossey

Neuland für Neugier: Westwärts


Wochenendplanung als Würfelspiel

Was ist das für eine bunte Treppe da hinten? Warum sieht die U-Bahn aus wie eine Weltraumstation? Und was man wohl in der „Alge“ serviert bekommt? Irgendwie sind wir alle auf Reisen neugieriger, experimentierfreudiger und wissensdurstiger.

Dieser spezielle Reisemodus hat weniger mit der Anzahl der zurückgelegten Kilometer zu tun, als mit einem Schuss reisefreudiger Unvoreingenommenheit und Überschwang: Aus Betonwüsten werden Entdeckungsräume und aus Asphaltpisten sprießen Blumen. Die Stadt ist die gleiche, aber Dein Blick verändert sich.

Wir laden ein in den manchmal vergessenen Westen der Republik auf Expedition ums Eck, in die Hinterhöfe und die vermeintlich grauen Ecken. Eine Schule des Sehens. Lernziel: Kleines Glück. Manche nennen es „Flow”, manche nennen es Kribbeln im Bauch – und das kann man nicht erzwingen, das kann einem nur passieren. Schalte das Handy in den Flugmodus und lauf los mit inspiriertem Halbwissen, die Stadt wartet auf Dich mit einem ganz persönlichen Erlebnis, das Dir niemand verkaufen kann. Erobere die Stadt. Echt. Jetzt. Hier.

Klar kann man in europäischen Hauptstädten schlendern – das wollen wir gar nicht schlechtreden. Aber so ein Trip gerät schnell zum kollektiv-gestressten Listen abhaken in historischen Kulissen. Wenn man wirklich neugierig ist, muss man rein ins echte Leben. Und das findet auch hier tief im Westen statt. Aber wohin geht`s genau? Wir empfehlen: Wochenendplanung als Würfelspiel. Denn was kann man machen, um einzigartige Erlebnisse wahrscheinlicher zu machen? Dem Zufall eine Chance geben. Reserviere ein Wochenende im Kalender und rücke vor bis auf Los!

1 EIN LEBENDIGER MYTHOS: DUISBURG

Nein, das ist nicht mehr wirklich das Schimanski-Duisburg, aber keine Sorge: Unangepasste Ecken und harter Arbeit Schweiß, dazu Geschichten vom Scheitern und Wiederaufstehen findet man noch immer in der Stadt, die gerade den 300. Geburtstag seines Hafens kräftig feiert. Jetzt ergänzen aber zahlreiche architektonische Ahs und Ohs das industrielle Klischeeprogramm: Über die Diversifizierung der Image-Palette freuen sich im Innenhafen zahlreiche Gastronomen wie Gäste. Musste man in Dortmund noch den Phoenixsee ausheben um die Stadt ans Wasser zu bringen, hat man hier einfach ein altes Hafenbecken zu neuem Leben erweckt. Im Portfolio: das schicke Museum Küppersmühle in einem ehemaligen Kornspeicher und etliche Kornspeicher, etliche Stararchitekten, die unter Lord Norman Fosters Masterplan den Glitzerkomplex „Five Boats“ an der Marina zu Wasser ließen, eine fünfarmige Synagoge aus Beton entwarfen oder für das neue NRW-Landesarchiv mit Backstein-Klötzen spielten. Fertig ist das alles noch lange nicht. Aber das wäre ja auch langweilig.

TIPP: Hightech-Handelsplatz & Seemannsromantik: Die gute alte Hafenrundfahrt bietet noch immer den besten Ausblick auf die Stadt im Wandel.

2 DÜSSELDORF: WENN KLISCHEES ZUTREFFEN

Ja, diese Stadt ist kunstsinnig. Wo sonst erlaubt man sich den Luxus, eine neue U-Bahnstrecke in den Grund zu legen und sie statt mit Werbung vollständig mit Kunst auszukleiden? Die Fahrt im Wehrhahn-Tunnel startet am Bahnhof Pempelforter Straße mit einem kühnen Schwarz-Weiß-Linien-Gewirr auf den Böden und an den Decken. An den Stationen Schadowstraße und Heinrich-Heine-Allee warten dann Video-Installationen und Soundexperimente. Die von der internationalen Presse gefeierte Linie reicht bis in den Stadtteil Bilk und durchmisst so die Innenstadt mit sechs jeweils eigenständigen Kunststationen von ihrer Glanzfassade bis in die kantigeren, aber nicht minder spannenden Ränder. Unser Lieblingsausstieg: Benrather Straße. Nicht nur weil hier große Weltraumprojektionen an den Wänden U-Bahn-Fahrer zu Astronauten machen, sondern auch, weil unweit der Haltestelle auf dem Carlsplatz der wohl genussreichste Wochenmarkt der Landeshauptstadt auf kulinarische Entdecker wartet.

Guter Geschmack und Formvollendung finden sich auf der U-Bahntour nicht nur an der Königsallee, sondern anders interpretiert auch in den Lädchen und Ateliers am Endpunkt der Linie: An der S-Bahn-Station Bilk geht es zum Schaufensterstaunen die Brunnenstraße hoch bis zum Karolingerplatz.

TIPP: Ein wildes nachtaktives Programm am Endpunkt der Tour bietet das BouiBouiBilk, ein “interdisziplinärer Raum für Kunst, Kultur und Klamauk”. Laut Website und eigener Erfahrung: regelmäßig unregelmäßig.

3 CITY NORD.ESSEN – TRENDVIERTEL VON MORGEN

Was ist jetzt das Klischee, dass im Ruhrpott draußen die Wäsche grau wird, oder dass die Touristen im Pott zum Leidwesen der Anwohner immer noch staunen, wie Grün es doch hier ist? Das Essen ein Hotspot für Kreative und Do-It-Yourself-Pioniere ist, ist dann in dieser Logik wohl der Gemeinplatz der Zukunft. Bis es die ganze Welt weiß, laden wir Dich ein im Kreativquartier City Nord.Essen Neuland zu entdecken: Zum Beispiel auf der Sonnenterrasse des riesigen Unperfekthauses, eines privat getragenen Kreativzentrums mit Ateliers und Aktionisten und tausend Überraschungen, zum Beispiel beim Eintauchen in die Rockszene rund um das „Don`t Panic“, das „Café Nord“ und das legendäre „Turock“. Oder ganz feinsinnig in der Galerie Ricarda Fox, im Forum Kunst und Architektur oder im Kunstverein Essen. Wer noch mehr Energie hat widmet sich der Kunst von morgen bei „Karo Kunst in der Kastanienallee” oder in der ziemlich jungen Galerie „Alte Mitte”. Kulinarisch bietet das Viertel von Falafel bis Käsespätzle eine halbe Weltreise und für Abendunterhaltung ist mit der Weststadthalle, dem GOP Varieté, dem Collosseum oder beim Midnightshopping im Einkaufszentrum Limbecker Platz gesorgt. Alles mit dem Charme und der kreativen Unordnung eines Viertels, das sich gerade jetzt für die Zukunft sortiert. Sag: „Ich bin dabei gewesen!“

4 EIN KREFELDER PERSPEKTIVWECHSEL

Es gibt Menschen, die sehen Probleme und es gibt Menschen, die sehen Chancen. Wenn man in der Samt- und Seidenstadt aus dem prachtvollen Bahnhof aus Gründerzeiten in die Gegenwart entlassen wird, kann man sich als Besucher aussuchen, zu welcher Spezies man gehört. Aus neuem Ideenreichtum und stolzer Textiltradition webt man hier an einem Kraftfeld, von dem noch viel zu hören sein wird. Der Perspektivwechsel ist in der Stadt in vollem Gange: Als Besucher staunt man über die Kirschblütenbäume und die bauliche Pracht aus goldenen Zeiten am Alexanderplatz. Hier im Samtweberviertel sitzen 20 Kreativunternehmen im Pionierhaus: Werber und Stadtspiel-App-Erfinder, Künstler und Stadtaktivisten, und wenn Du möchtest, kannst Du Dich spontan als Co-Worker dazusetzen. Ständig heckt man hier Projekte für die Nachbarschaft aus: von Stadtführungen über Schleichwege über das Streuner-Stadtmagazin bis zum großen Bürgerfest sind Gäste hier immer willkommen.

Die in Rechtecken organisierte und dadurch orientierungsfreundliche Stadt präsentiert ein wildes Erbe aus zeitgenössischen Bauten (Behnisch-Haus), Bauhaus-Architektur von Mies van der Rohe (Haus Esters und Haus Lange), Jugendstil-Perlen (die Südstadt und der wunderschöne Biergarten am Stadtwaldhaus) und ehemaligen Fabrikanlagen (Kulturfabrik, Kulturrampe und Schlachthof), die jetzt im Dienste der Kultur für Euer Abendvergnügen arbeiten. Spät nachts stoßen wir darauf mit einem letzten Alt an: Am besten im Blauen Engel am Bahnhof.

TIPP: Wenn Du freitags oder samstags in der Stadt bist, schau mal bei „Tom und Mary” vorbei. In ihrem Laden findet sich ein Sammelsurium aus Memorabilia, Kunst und echt Krefelder Trödel. (Bestell` schöne Grüße!)

5 KUNSTVOLL AUFGEDREHT: MÖNCHENGLADBACH

Die zwei mutigsten Bauten rund um den Abteiberg im Zentrum Mönchengladbachs sind ein Museum und eine Shopping-Mall: Das Museum Abteiberg ist eine architektonische Ikone der 1970er. Von Besuchern von außen als Raumschiff oder Flugzeugträger bestaunt, zeigt es seine inneren Werte mit hell-labyrinthischer Raumführung zu hochkarätiger Kunst von Gerhard Richter bis Joseph Beuys. Das Einkaufsglückgegengewicht ist ein außergewöhnlich gelungener Bau in geschwungenen

Formen und mit futuristischem Ambiente: Das Auge kauft mit. Drumherum entwickelt sich viel Off-Szene: Auf der Waldhausener Straße trifft man sich im Mescalitos in den offenen Ateliers des Blauen Hauses oder in der Kulturküche. Man kauft seine Platten in der Non-Profit-„Vinyl-Garage” oder schaut sich die neueste Ausstellung im Projektraum EA71 im Stadtteil Eicken an. Beste Reiseverpflegung findet man zum Beispiel in der veganen „ALGE” und in Soanh‘s vietnamesischer Garküche. Und wer dann genug hat von der Stadt, dem empfehlen wir einen Seitensprung raus zu den freilaufenden Pfauen im Park von Schloss Rheydt.

6 WHOOP! WHOOP! WUPPERTAL!

Ob man wegen der Schwebebahn, des Von der Heydt-Museums, des Skulpturenparks Waldfrieden oder für die quirlige Szene im Luisenviertel anreist, die Heimat von Thermomix, Pina Bausch und Bergischer Kaffeetafel gehört zu den am meisten unterschätzten Reisezielen im Westen. Wuppertal ist eine Stadt voller Erfindungsreichtum: Passend dazu kann man sie auch auf der digital geführten Elektroauto-Tour entdecken. Dabei reicht der Akku auch für ungewöhnliche Abstecher. Mitten in Wuppertal hat ein wildes Kollektiv mit unbändigem Gestaltungswillen seinen Claim abgesteckt und eine Utopiastadt im alten Bahnhof Wuppertal-Mirke gegründet. Ein Glücksfall für alle, wenn Utopisten pragmatisch werden! Auf dem Gelände, das man über die Nordbahntrasse auch perfekt mit dem Rad erreicht, ist der erste Anlaufpunkt das „Hutmacher“ mit seinen unverputzten Wänden des denkmalgeschützten Baus und seiner improvisierten Theke aus Büchern. Hier werden nicht nur Wissen und Geschichten geteilt, sondern ganz wortwörtlich auch Speis und Trank, Büros und Fahrräder.

Ganz im Geist der Utopie bringt der Laden Schwung ins Viertel, das mit seinen schnieken Gründerzeitbauten bis zum Tango-Paradies Café Ada, dem rauen Charme der Live-Bühne des „Wirtschaftswunders” bis zur knallbunten Holsteiner Treppe reicht. Seit Friedrich Engels gab es keine spannenderen Utopisten im Bergischen Land.

 

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Impressionen & Videos


Lass Dich inspirieren: Dein NRW in Bildern

Einkaufszentrum Minto Mönchengladbach, © Tourismus NRW e.V.
Holsteiner Treppe in Wuppertal, © Tourismus NRW e.V.
Museum Abteiberg in Mönchengladbach, © Vogt, MGMG
Unperfekthaus in Essen, © Unperfekthaus

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