Aussicht vom Industriewald, mit Blick auf die Stadt, © Oliver Balke

Industriewald im Ruhrgebiet


Natürlicher Raum für Tiere und Pflanzen mitten im Revier

Es grünt und blüht auf der Zeche: Im Ruhrgebiet erobert die Natur die vormals industriell genutzten Flächen zurück.

Industrie und Natur, Ruhrgebiet und wilder Wald – wie passt das zusammen, mag sich manch einer fragen. Dass dies durchaus eine gelungene Kombi sein kann, zeigt der Industriewald Ruhrgebiet. Was Ende des 20. Jahrhunderts in Gelsenkirchen und Essen unter dem sperrigen und wenig attraktiven Namen „Restflächenprojekt“ mit Testcharakter begann, ist seit 2002 zur anerkannten und dauerhaft angelegten Aufgabe der Landesforstverwaltung geworden. Das Ziel: Natur in die Stadt zurückbringen – und zwar dort, wo bisher nur industrielle Brachen schlummern.

Was sich in Essen, Gelsenkirchen und inzwischen auch an zahlreichen anderen  Orten insbesondere im nördlichen Ruhrgebiet abspielt, ist eine Rolle rückwärts und ein Strukturwandel der besonderen Art: Einst zerstörte hier die aufkommende Montanindustrie lebendige Naturräume. Nun, da Zechen und Stahlwerke ihre Tore geschlossen haben, erobert sich die Natur ihr Revier zurück – wenn auch in einem anderen Gewand.

Meist sind es struppige Stauden, deren Samen als erste auf die brachliegenden Gelände geweht werden, in der Erde Wurzeln schlagen und die schwarzen Bergehalden mit ihren Blüten hellgelb oder auch tiefblau sprenkeln. Schließlich siedeln sich nach und nach Birken, Weiden, Erlen und andere Bäume an – erst vereinzelt, dann immer dichter. Und während anfangs nur sehr genügsame Pflanzen den neuen Wald begrünen, sorgt ihr abgefallenes Laub mit seinen Nährstoffen dafür, dass mit der Zeit auch anspruchsvollere Arten wie Ahornbäume oder Eichen einwandern. Auf diese Weise sind im Ruhrgebiet bereits an vielen Standorten Industriewälder entstanden, die sogar artenreicher als viele natürliche Wälder sein können. Die Industriewälder bieten Tieren und Pflanzen einen Rückzugsraum, den sie in der urbanen Umgebung sonst in der Art nicht mehr finden.

Natur erobert auch Unesco-Welterbe

Zu den industriellen Orten, die nun teilweise wieder von der Natur zurückerobert werden dürfen, gehören auch namhafte Schauplätze der Industriekultur wie das Unesco-Welterbe Zollverein in Essen oder die Kokerei Hansa in Dortmund. Und auch viele weitere vormals industriell geprägte Orte in Recklinghausen, Waltrop, Herne, Bochum oder Datteln beherbergen heute kleinere oder größere Industriewälder.

Für die Menschen der Region sind die neuen Wälder zu Lern- und Erholungsorten geworden. So veranstaltet etwa die Forststation auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Rheinelbe in Gelsenkirchen nach Absprache Erlebniswanderungen für Kinder oder Erwachsene. Speziell für Kinder gibt es zudem erlebnisorientierte Ausflüge in die Natur zu Glühwürmchen und Grünspechten, Waldameisen und Fledermäusen, die nicht nur Spaß machen, sondern gleichzeitig das Sprachvermögen oder die Kreativität der Kinder fördern.

Gepflanzt oder gepflegt wird im Industriewald übrigens nichts – oder zumindest fast nichts. Förster achten lediglich darauf, dass die Sicherheit der Besucher gewährleistet ist und dass der Wald ungehindert über Wege betreten werden kann. Ansonsten dürfen sich Tiere und Pflanzen hier so ausbreiten, wie sie wollen. Wie der Wald einmal in zehn oder hundert Jahren aussehen wird, bleibt also allein der Natur überlassen.

www.metropoleruhr.de

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Grün, wild, natürlich: Der Industriewald Ruhrgebiet in Bildern

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