Blick von der Bootstour mit der weißen Flotte in Mülheim an der Ruhr, © Tanja Neumann

Folge 2: Ausflugstipps für den Frühling


Wilde Pferde und gemütliche Bootstour

Die Vögel beginnen lauter zu zwitschern, die Tage sind länger hell. Endlich kommt der ersehnte Frühling! In der zweiten Ausgabe meiner bunten Tüte gibt es Ausflugstipps zum Frühlingserwachen: Entdecke ungestüme Tiere in freier Wildbahn und erlebe Flusslandschaften auf gemütliche Weise.

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Anne und auffe Ruhr – Ausflug mit der Weißen Flotte


Der etwas andere Blick aufs Ruhrgebiet

Ich bin ein echtes Ruhrpottkind und konnte noch nie verstehen, wenn mich auf Reisen so mancher mitleidig angeschaut hat, wenn ich meine Heimat stolz verkündete. Der Pott ist grün, grüner als so mancher denkt.

Mitten im Revier liegt meine Heimatstadt Mülheim an der Ruhr. Hier ist man bei Freunden zu Hause: Da, wo Ette (also ich) ihre Kindheit verbrachte. Das ist da, wo man anne Bude einkaufen geht, wo mein Bruder Dirk „Diaak“ gerufen wird, wo Besitzverhältnisse klar dargestellt werden („Dat is Omma ihr Schirm!“) oder wo das Herz für den richtigen Spoat (Sport) entweder für blauweiß oder schwatzgelb schlägt. Vor allem aber, wo „hasse, bisse, kannse und hömma“ kein Dialekt, sondern ein Lebensgefühl ist. In mitten dieser Atmosphäre kann man ein besonderes Stück Natur erleben. Mein Frühlingstipp mit Retrocharme: Vom Mülheimer Wasserbahnhof bis Essen-Kettwig eine gemütliche Schiffchenfahrt mit der Weißen Flotte genießen.

Hauptanlegestelle der weißen Flotte ist der Wasserbahnhof in Mülheim an der Ruhr. 1927 war er lediglich ein kleines Büdchen, diente aber schon damals als Anlegestelle und Ticketverkauf. Es lohnt sich vor der Schifffahrt ein wenig Zeit einzuplanen: Begehrtes Fotomotiv ist die vorgelagerte Blumenuhr auf der Insel der Ruhrschleuse. In der ansässigen Gastronomie kann man prima seinen Ausflugsstag starten oder ausklingen lassen. Das Erlebnismuseum Haus Ruhrnatur liegt gleich nebenan.  

Die Weiße Flotte bietet Linienfahrten und Sonderausflüge an. Genaue Abfahrtszeiten sind am besten dem Jahresfahrplan zu entnehmen. Entspannt schippert man durch die Ruhrauen und genießt einzigartige Ausblicke gemütlich an Deck oder auch bei nicht so schönem Wetter geschützt an Bord. Nach einer Stunde erreicht man den Anleger in Essen-Kettwig. Ein Rundgang durch die Altstadt lohnt – und nicht nur wegen dem leckeren Kuchen in den zahlreichen Cafés. Kettwigs Altstadt hat Charme. Mit seinen Fachwerkhäusern und verwinkelten Gässchen ist dieser Stadtteil von Essen ursprünglich und bietet Postkartenflair.

Retour geht es für mich wieder per Schiff. Es können allerdings auch einzelne Streckenkarten gekauft werden, denn wer es sportlicher mag, kann mit seinem Rad den Rückweg radeln. Direkt an der Ruhr entlang führt ein schöner Radweg mit weiteren interessanten Etappenorten.

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Folge 2 von "Tanjas bunte Tüte"


Rassig ohne Rasse


Zu Besuch bei den Wildpferden im münsterländischen Dülmen

Vereinzelt gibt es sie noch in Europa: Pferde in freier Wildbahn. Aber nur im Münsterland bei Dülmen befindet sich die einzige Wildpferdebahn, bei der das Pferdevorkommen ursprünglich erhalten geblieben ist. Bereits 1316 wurden sie an diesem Ort urkundlich erwähnt. Bei anderen Wildpferdevorkommen in Europa handelt es sich um Wiederansiedlungsprojekte. Im münsterländischen Merfelder Bruch sind diese wilden Tiere einzigartig erhalten geblieben. Ein Besuch ist ein traumhaftes Erlebnis!

Das gesamte Areal ist Landschaftsschutzgebiet. Wer Spaziergänge liebt wird sich an  wunderschöner Natur im Merfelder Bruch erfreuen. Am Wochenende wird  die Wildpferdebahn für Besucher geöffnet. Ein Zaun trennt die Gäste von den wilden Tieren. Bei Führungen mit der Försterin innerhalb der Woche gelangt man in kleinen Gruppen hinter die Abgrenzung und ist den Wildpferden ganz nah. Dazu erfährt man viel Wissenswertes und Spannendes aus der Tierwelt.

Leider ließ der Frühling bei meinem Besuch noch auf sich warten. Nasskalt und grau in grau war es. Aber das Schmuddelwetter war vergessen als plötzlich die Wildpferde vor mir auftauchten. Rund 400 Pferde standen vor mir und ich war überwältigt. Während sich an einer Ecke die Tiere balgten, lag weiter vorne ein Wildpferd müde und platt auf der Wiese. Manche kraulten den anderen und ich war fasziniert von den vielen Eindrücken, dass ich die Zeit ganz vergaß.

Rund 400 Tiere zählt die Herde und überall lässt sich etwas Neues entdecken. Wild heißt auch selbstständig. So lautet das Motto des Herzog von Croÿ, auf dessen Anwesen die Dülmener Wildpferdebahn liegt. Es kommt kein Tierarzt vorbei, die Wildpferde sind sich selbst überlassen. Die Natur entscheidet. Im Winter gibt es allerdings eine Fütterungsstelle. Mit 400 Hektar ist das Areal ihrer Heimat riesig, dennoch würde es nicht ausreichen, die ganze Herde satt zu machen. Knospen und Rinde des Merfelder Bruchs wären schnell abgefressen und ein Weiterziehen ist für die heutigen Wildpferde nicht möglich.

70 bis 80 Fohlen werden im Merfelder Bruch jährlich zu Welt gebracht und zur Regulierung der Herdengröße werden einmal im Jahr die wilden Hengste in eine Arena getrieben und von der Herde entfernt. Ursprünglich war dies keine Show, sondern notwendig. Heute kann man diesem alljährlichem Unterfangen beiwohnen. Am letzten Samstag im Mai lockt der traditionelle Wildpferdefang Tausende von Besuchern an.

Wer den Frühling in der Natur mit rassigen Nicht-Rasse-Pferden genießen will, sollte die  Wildpferde einmal selbst besuchen. Eine Führung lege ich ans Herz. Viel Wissenswertes und Anekdoten gab es für mich von der Försterin. Für Jung und Alt ein Erlebnis!

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Impressionen & Videos


Folge 2 von "Tanjas bunte Tüte"

Ich bin Tanja ...


... und wohne im schönen Rheinland. Reisen und Tagesausflüge bedeuten für mich Auszeit und Inspiration zugleich. Ich liebe es, auf Roadtrips zu entspannen und spannende Kurzurlaube und Ausflüge zu erleben. Dabei entdecke ich NRW immer wieder neu.

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