Teutoburger Wald Museum Wäschefabrik Bielefeld Nähmaschinen, © Tanja Neumann

Folge 1: Besondere Orte


Wäschefabrik, Kotten, Neandertaler und die "Perle an der Erft"

Mit nur einem Klick spaziert man heute online durch weltbekannte Ausstellungen oder bucht Pauschalreisen ans andere Ende der Welt, dabei liegen ungewöhnliche Plätze und geheimnisvolle Orte direkt vor der Haustüre. In der ersten Ausgabe “Tanjas bunte Tüte” nehme ich Dich mit zu besonderen Plätzen in NRW, die das Entdeckerherz höher schlagen lassen.

unbedingt weitersagen


Museum Wäschefabrik in Bielefeld


Die Faszination eines verlassenen Ortes

Die Wäschefabrik in Bielefeld ist ein Museum im Dornröschenschlaf. 1980 wurde die letzte Arbeitsschicht der “Vereinigten Wäschefabriken” eingeläutet. Danach wurden die Türen verriegelt und ein großes Kapitel der Bielefelder Textilindustrie geschlossen. Heute gewährt die Fabrik in der 1913 erbauten Villa Besuchern sonntags wieder Einlass und man hat die Möglichkeit, in ein faszinierendes Stück Industriegeschichte einzutauchen.

Wie damals ein Vertreter oder Lieferant betritt man über die Zentrale das Haus. Die Dielen knarren. Ein Geruch alter Zeiten gepaart mit Bügelstärke macht sich breit. Um mich herum ist es leer, verlassen. Dennoch sieht alles so aus, als ob nur für mich die Zeit angehalten worden wäre. Es kann einem fast ein bisschen unheimlich werden. Ich habe das Gefühl, als ob jeden Moment die Mittagspause endet und die Näherinnen aus ihrem Pausenraum laut plappernd in die Fabrik zurückströmen, sich die Türen öffnen, sich das Haus wieder mit Leben füllt. Überall liegen Garnrollen, Schnittvorlagen, Aktenordner und Stoffe herum. Alte Nähmaschinen stehen aufgereiht und scheinen nur zu pausieren. Es ist still, doch innerlich höre ich viele fleißige Frauen im surrenden Takt der Nähmaschinen ihre Arbeit tun. Alles wartet nur darauf, wieder benutzt zu werden. Die Atmosphäre ist einzigartig!

Ein bisschen fühle ich mich als Eindringling, der sich unerlaubt Zutritt verschafft hat. Wie ein Agent in geheimer Mission wandle ich durch die Räume, sauge mit den Augen alle Informationen auf: Vom halbgeöffneten Safe und vertraulichen Rechnungsdokumenten über persönliche Dinge auf Schreibtischen bis hin zu geheimen Mustervorlagen der nächsten Kollektion. Alles wirkt so lebendig, dass ich ganz leise bin und fest davon überzeugt, dass jeden Moment hinter mir ein Fabrikangesteller steht, sich räuspert und mich fragt, was ich in der Fabrik zu suchen habe.

www.museum-waeschefabrik.de

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Folge 1 von "Tanjas bunte Tüte"

Teutoburger Wald Museum Wäschefabrik Bielefeld Nähmaschinen, © Tanja Neumann
Teutoburger Wald Museum Wäschefabrik Bielefeld Telefon, © Tanja Neumann
Teutoburger Wald Museum Wäschefabrik Bielefeld Stofflager, © Tanja Neumann
Teutoburger Wald Museum Wäschefabrik Bielefeld Nähmaschinen Ablage, © Tanja Neumann
Blogger Tanjas bunte Tüte Wäschefabrik Bielefeld, © Vielweib on Tour mit Genehmigung des Fördervereins Projekt Wäschefabrik e.V.


Schleifermuseum Balkhauser Kotten


Ein scharfes Plätzchen im Grünen

Noch weiter in die Zeit zurück führt Dich mein nächster Tipp: Der Balkhauser Kotten in Solingen bringt Dich ins 14. Jahrhundert ins Zentrum der Klingenherstellung. Am Rande der Wupper, idyllisch und fantastisch im Grünen gelegen, steht einsam ein altes Bauernhaus. Die Sonne lacht bei meinem Besuch, die Vögel zwitschern. Die Hektik der Großstadt lässt man hier hinter sich. Ich stehe am Fluss und lasse die malerische Atmosphäre auf mich wirken. Weiter hinten wirft ein Angler seine Rute aus, am anderen Ende der Wupper kühlt ein Pärchen seine Füße im Wasser. Kaum zu glauben, dass dieser Ort mitten in der Stadt ist.

So romantisch und still hat es an der Wupper nicht immer ausgesehen. Es gab Zeiten, da entstanden an den zahllosen kleinen Bachläufen sogenannte Schleiferkotten. Messer- und Scherenschleifer mieteten hier ihren Arbeitsplatz und stellten die noch heute so berühmten Messer und Scheren aus Solingen her. Schneidwaren - damals vor allem auch Schwerter, Degen und Dolche - waren Exportschlager der Klingenstadt. Zur Hochzeit im 17. Jahrhundert gab es in der Region mehr als 100 Schleifkotten. Was heute ein Ort der Ruhe und landschaftliche Wohlfühloase ist, war früher ein Platz der harten Arbeit.

Mehr zur Geschichte und zur Arbeitsweise vergangener Zeiten erfährst Du im Schleifermuseum des Balkhauser Kottens. Bis in die 1950er Jahre wurden in diesem Kotten noch Messer geschliffen. Fasziniert beobachte ich die Mechanik, die sich angetrieben vom großem Wasserrad vor dem Bauernhaus unermüdlich in Gang setzt. Über einen Holzsteg bin ich nah dran und beobachte, wie die fast sieben Meter lange Eiche als Achse verschiedene Räder zur Höchstleistung antreibt. Im Nachbarraum wird damit ein riesiger Natursandstein in Bewegung gesetzt. Ständige Wasserkühlung ist nötig, während der Schleifer die Klingen bearbeitet. Verschiedene Zünfte produzierten unter einem Dach verschiedenartigste Klingen. Das Schleifermuseum gibt besondere Einblicke in all die unterschiedlichen Arbeitsbereiche.

Wenn Du Lust auf Einblicke in handwerkliche Tradition hast und dabei noch wunderschöne Natur genießen willst, bist Du im Balkhauser Kotten genau richtig.

www.balkhauser-kotten.de

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Folge 1 von "Tanjas bunte Tüte"

Bergisches Städtedreieck Schleifermuseum Balkhauser Kotten Fachwerkhaus, © Tanja Neumann
Bergisches Städtedreieck Balkhauser Kotten Messer, © Tanja Neumann
Bergisches Städtedreieck Balkhauser Kotten Schleifstein, © Tanja Neumann
Bergisches Städtedreieck Balkhauser Kotten Arbeitsmaterialien, © Tanja Neumann
Balkhauser Kotten Bergisches Städtedreieck Mühlrad, © Tanja Neumann


Neanderthal Museum


Zu Besuch bei einem Promi der Extraklasse

Ihn kennen alle. Er ist berühmt. Jeder hat schon einmal seinen Namen gehört. Er ist ein Weltstar der Extraklasse! Prominent ist er und dennoch nicht in der Gala oder Bunten abgelichtet. Er musste weder ins Dschungelcamp, noch durfte er in die Germany Next Topmodel Villa einziehen. Etwas klein ist er für meinen Geschmack, aber gut gebaut.

Den Prominenten, den ich Dir für einen Entdeckerausflug ans Herz lege, ist sogar ein Verwandter von Dir. Weißt Du, wen ich meine?

Mein dritter Ausflugstipp führt Dich nach Mettmann, genau genommen ins Neanderthal Museum. Hier findest Du die gesamte Menschheitsgeschichte in einem Haus - und mitten drin Deinen Verwandten: Den Neandertaler!

Der Weltstar musste sich schon vieles bieten lassen: Als brutal und dumm wurde er bezeichnet, sogar manchmal als Keulen schwingender Affenmensch. Dabei war der Neandertaler weit entwickelt und ein Könner. Die Neandertaler waren keine „Steinzeitrambos“, sondern sehr intelligent. Sie machten Feuer, waren geschickte Jäger und raffinierte Werkzeugmacher. Vier Prozent unserer Gene sind vom Neandertaler und ich schaue mich bei meinem Museumsrundgang um, wie viel Ähnlichkeiten ich noch entdecken kann. Eine spannende Zeitreise beginnt. Neben Staunen und Schauen gibt es vor allem viel zum Ausprobieren. Das Spielkind ist in mir geweckt. Mitmachen und Nacherleben ist das Motto vieler Stationen im Museum. Ich versuche, Feuer zu machen, teste mich als Werkzeugherstellerin und erfahre ganz nebenbei viel Wissenswertes.

Um das Neandertal-Feeling zu komplettieren, tauche ich ein in eine Höhle. Zum Glück muss ich nicht hineinkrabbeln, sondern tauche mit dem Kopf in unterschiedliche Höhlenkonstruktionen ein.

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Familientipps Neanderland Neandertaler, © Stiftung Neanderthal Museum
Neanderthal Museum im Kreis Mettmann, © Tanja Neumann
Kreis Mettmann Neanderthal Museum Fundstelle, © Tanja Neumann
Neanderthal Museum Innenansicht, © Tanja Neumann
Neanderthal Museum, © Neanderthal Museum


Das Mittelalter lebt


Von Werwölfen, einem Schloss und alten Toren

Alte Steine, historische Orte und außergewöhnliche Geschichten mag ich besonders gern. Das alles gibt es an der "Perle an der Erft" zu finden, wie der historische Stadtteil Alt-Kaster von Bedburg auch genannt wird. Rund 30 Kilometer nordwestlich von Köln reist man in eine andere Welt.

Vögel zwitschern während ich über das Kopfsteinpflaster das große Haupttor der Stadt ansteuere. Der Ort stammt aus dem 12. Jahrhundert und hatte früher die Aufgabe, den Erftübergang an der Straße Köln-Brabant zu sichern. Viele Tore aus unterschiedlichsten Epochen sicherten den Ort und sind heute eine besondere Augenweide. Bei einem Spaziergang durch das beschauliche Dorf spüre ich, wie das Mittelalter lebendig wird. Alt-Kaster besticht durch seine Ruhe und Verträumtheit. Es ist absolut unaufregend und unspektakulär - und das genau macht den Charme des Örtchens aus.

Aber Vorsicht, so ganz verträumt war es hier nicht immer… Vor einem der vielen Tore in Alt-Kaster thront heute noch eine alte Burgruine. Genau hier startet ein außergewöhnlicher Wanderweg. Im Erftkreis gibt es viele Geschichten über Werwölfe. Viel Wald gab es in der Region und dunkel soll es gewesen sein. Durch das Moor verunglückten damals viele Menschen in der Natur und waren leichte Beute für Wölfe. Viele Geschichten und Sagen wurden über Jahrhunderte hinweg überliefert. Der Werwolf-Wanderweg führt den Besucher zu Schauplätzen aus dem Leben von Peter Stubbe, der am 31.10.1579 als Werwolf hingerichtet wurde.

Von Alt-Kaster ist es nur ein kurzer Weg von rund 2,5 km entlang der Erft bis zum Schloss Bedburg. Zwar kann das Wasserschloss nicht besichtigt werden (es sei denn, man möchte heiraten oder feiern), doch hat das immer wieder umgebaute und veränderte Schloss mit seiner Grünanlage auch von außen einen ganz besonderen Charme.

www.rhein-erft-tourismus.de

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Rhein-Erft-Kreis_Bedburg_Schloss Bedburg, © Tanja Neumann
Rhein-Erft-Kreis_Bedburg Alt-Kaster_weißes Haus, © Tanja Neumann
Rhein-Erft-Kreis_Bedburg Alt-Kaster_Toreinfahrt, © Tanja Neumann
Rhein-Erft-Kreis_Bedburg Alt-Kaster_schmale Gasse, © Tanja Neumann

Ich bin Tanja ...


... und wohne im schönen Rheinland. Reisen und Tagesausflüge bedeuten für mich Auszeit und Inspiration zugleich. Ich liebe es, auf Roadtrips zu entspannen und spannende Kurzurlaube und Ausflüge zu erleben. Dabei entdecke ich NRW immer wieder neu.

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