Uhu Uwe Close up

Der Ruf des Uhus

Uta Wittekind die Falknerin aus Wülfrath

Ganz ruhig redet Uta Wittekind auf ihren Uhu ein, streichelt ihn und ruft ihm immer wieder leise „u-hu, u-hu“ zu. Doch keine Reaktion. Das Tier will den Schnabel partout nicht aufmachen. Bis zu 600 Mal schreit der Vogel namens Uwe sonst in der Nacht den lauten Uhu-Ruf. Doch ausgerechnet beim Video-Dreh gibt er keinen Laut von sich, thront stattdessen wie angewurzelt auf seinem Lieblingsstein vor dem „Zeittunnel“ in Wülfrath und blickt mit den leuchtend orange-roten Augen stolz in die Runde. Da ist auch die Falknerin machtlos. Und dabei sind die beiden sonst ein so gut eingespieltes Team. Gemeinsam bringen sie Besuchern der Wald-Forscher-Station in Wülfrath die Natur auf ganz besondere Weise nahe. „Dein NRW“ hat Mensch und Tier am Rande des Kalksteinbruchs Bochumer Bruch besucht.

Handschuh mit Uhu Feder, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.

Der zahme Wilde

Als Uta Wittekind den Uhu aus der Voliere holt, trägt sie am linken Arm einen großen, schon leicht abgewetzten Lederhandschuh. Daran ein dicker Karabinerhaken, mit dem sie den Vogel anleint. Das muss sein. Denn kaum im Freien, breitet das Tier seine mächtigen Flügel aus und will davonfliegen. Doch schnell kann die Falknerin Uwe wieder beruhigen. So sitzt er nun auf ihrem Arm, spitzt die Federohren – mit denen er zwar nicht hört, aber eine erhöhte Aufmerksamkeit signalisiert -  dreht immer wieder den Kopf hin und her und beobachtet das Geschehen um ihn herum ganz genau.

„So einen will ich auch!”

Uta Wittekind, nach ihrer ersten Bekanntschaft mit Uhu Uwe

Hang Wald Wülfrath, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.

Schroffe Felsen und moosbewachsene Bäume

Durch den „Zeittunnel“, wo noch in diesem Jahr eine neue Ausstellung zur Erdgeschichte eröffnet wird, geht es hinaus zum Steinbruch. Von einem Aussichtspunkt, zu dem die Besucher bei geführten Waldspaziergängen mit Uta Wittekind und ihren Tieren gelangen, bietet sich eine beeindruckende Kulisse. Heute, an diesem eisigen Vormittag, liegt gar ein wenig Nebel über den schroffen, hellbraunen Felsen, und das Grün der moosbewachsenen Steine und Baumstämme glänzt im Tau, so dass sich eine beinahe mystische Atmosphäre über der Schlucht ausbreitet. Wer bei einem Besuch hier Glück hat, kann in den bis zu 50 Meter hohen Felswänden des vom Deutschen Alpenverein freigegebenen Steinbruchs Kletterer beobachten. Mitunter zeigen sich aber auch Fledermäuse oder die wilden Uhus, die auf der anderen Seite des Tals brüten. Deshalb darf Uta Wittekind Uwe hier nicht frei fliegen lassen. „Die anderen Uhus würden ihn schnell aus ihrem Revier verjagen“, erklärt die Uhu-Mama. „Uwe hätte keine Chance.“ Auf dem Arm der Falknerin aber „respektieren sie ihn“.

So bleibt das Tier bei den Greifvogel-Ausflügen mit interessierten Wanderern und Spaziergängern rund um den stillgelegten Bochumer Bruch und den angrenzenden Schlupkothener Bruch auch ganz gelassen. Bereitwillig lässt es sich von den kleinen und großen Besuchern der Wald-Forscher-Station streicheln. Und wer sich traut, darf Uwe oder seine beiden Mitbewohner, die kleinen Eulchen Elvis und Miss Cilly, auch selbst einmal auf den Arm nehmen. 

Falknerin mit Uhu im Wald, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.

„Ich hatte immer schon eine Beziehung zur Natur“

Uta Wittekind

Zu Uta Wittekind kam Uwe übrigens vor sechs Jahren. Damals war der Uhu noch ganz klein. Doch auf die Frage, ob sie ihn mit der Flasche großgezogen hat, muss die Falknerin herzhaft lachen: „Greifvögel und Eulen bekommen als Küken keine Milch, sie fressen ausschließlich Fleisch“, erklärt die Frau vom Fach, die ursprünglich mal etwas ganz Anderes gelernt hat. Denn nach ihrem Theologiestudium nahm sie zunächst Gesangsunterricht und ging zwölf Jahre lang als Opernsängerin auf Tournee, sang als Mezzosopran Arien von Puccini, Rossini, Mozart und Verdi. „Ich war erfüllt“, sagt sie beinahe ein wenig wehmütig. „Doch die Perspektive als freischaffende Künstlerin mit einem kleinen Kind war nicht besonders gut.“ Also musste die Frau, die eh lieber Trekkinghose als Ballkleid trägt, irgendwann eine Entscheidung treffen und sich schweren Herzens beruflich verändern. Bei einem Besuch im Wildwald Vosswinkel in Arnsberg schließlich war die Sache klar: eine Kombination aus Natur und Pädagogik sollte es sein. „Ich hatte immer schon eine Beziehung zur Natur“, sagt Wittekind.

„Und heute freue ich mich über die winzig kleinen Blüten am Haselstrauch, die andere nicht sehen. Denn man fängt an die Natur zu lieben, wenn man etwas wiedererkennt.“

Im Rheinischen Waldpädagogium machte sie erste Bekanntschaft mit dem „etwas einsamen Uhu“. Spätestens da stand für die umtriebige Frau fest: „So einen will ich auch.“ Es folgten eine Ausbildung zur Waldpädagogin und Therapeuten für tiergeschützte Intervention. Um mit Greifvögeln arbeiten zu dürfen, musste Uta Wittekind aber auch die Jägerprüfung ablegen und eine Ausbildung für die Beizjagd („Falknerei“) machen. „Damit bin ich jetzt sozusagen Weltkulturerbe“, sagt sie scherzhaft. Denn 2014 nahm die Unesco die 3500 Jahre alte Kunst der Falknerei in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes auf.

Uta Wittekind führt diese Tradition fort und erklärt ihren Gästen bei Wanderungen den richtigen Umgang mit Greifvögeln. Außerdem besucht sie mit ihren Tieren regelmäßig Schulen und Kindergärten, Hospize und Krankenhäuser und lässt auch Privatleute daheim oder auf Firmenfesten „eine Stunde kuscheln mit Uwe“.

  • Falknerin Bilder Opernsängerin, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.
  • Falknerin als Opernsängerin1, © Uta Wittekind
  • Falknerin mit Uhu gespreizte Flügel, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.
  • Uhu Uwe Kralle, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.
Elvis und Miss Cilly, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.

Elvis mit dem Schlafzimmerblick

Seit einiger Zeit ist der ausgewachsene Uhu mit seiner mächtigen Flügelspannweite von 1,40 Meter auch nicht mehr allein in seinem Gehege. Zur Wohngemeinschaft der Wald-Forscher-Station gehören noch Wüstenbussard Merlin und die kleinen afrikanischen Weißgesichtseulen Miss Cilly und Elvis. Der kleine „Terzel“ - wie die männlichen Greifvögel und Eulen genannt werden - hätte übrigens auch Miss Marple heißen können, erzählt Uta Wittekind am Rande. „Denn bei Greifvögeln kann man das Geschlecht äußerlich nicht erkennen.“ Ausschlaggebend für die Namensgebung war aber letztlich, dass der flauschige Geselle anfangs „bei mir zu Hause immer auf die Gitarre geflogen ist …“ Also: Elvis.

Dank einer Untersuchung weiß die Falknerin heute, dass der kleine Vogel „mit dem Schlafzimmerblick“ tatsächlich ein Männchen und Miss Cilly ein Weibchen ist. Aus den beiden könnte also ein Paar werden und, wer weiß, sich womöglich irgendwann Nachwuchs in den Volieren am „Zeittunnel“ ankündigen. Die Hausherrin sieht dem jedenfalls gelassen entgegen, erzählt stattdessen lieber eine amüsante Anekdote aus dem Tierreich: „Die männlichen Vögel bauen in der freien Wildbahn oft mehrere Nester und das Weibchen darf sich dann eins aussuchen ... Das würde wohl so mancher Frau auch gefallen …“

Ob Uwe wohl irgendwann auch eine Partnerin findet und ein paar Nester baut? Uta Wittekind glaubt eher nicht daran. „Ein bisschen ist er ja schon mit mir verpaart“, sagt sie amüsiert. „Er balzt mich auch an.“ Also kuschelt sie noch ein wenig mit dem Tier und flüstert ihm weiter leise „u-hu, u-hu“ ins Ohr. Bis es ihr am Ende dann doch noch gelingt, Uwe für das Video einen lauten Uhu-Ruf zu entlocken.

Der Ruf des Uhus

Falknerin mit afrikanischen Weißgesichtseulen, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.

Drei Fragen an Uta Wittekind

Opernsängerin und Falknerin aus Leidenschaft

Frau Wittekind, Sie haben 48 Stunden freie Zeit. Was würden Sie mit dieser Zeit auf jeden Fall in NRW machen?

Uta Wittekind: „Am liebsten würde ich wandern. Den Neanderlandsteig durch den gesamten Kreis Mettmann zum Beispiel habe ich noch nicht ganz geschafft. Das würde ich gern nachholen. Dazu würde ich mich auch gern einer Gruppe anschließen, um noch mehr über meine Heimat und die wunderschöne Landschaft hier zu erfahren. Hauptsache aber, ich muss die Wanderung mal nicht führen…
Ich würde aber auch gern mal einen Jazz-Workshop besuchen. Denn seit einiger Zeit mache ich ja wieder Musik und trete gemeinsam mit einem Gitarristen als Akustik-Duo auf. Durch diese Zusammenarbeit habe ich eine ganz neue Welt für mich entdeckt. Denn ich habe ja früher nie Jazz oder Pop gehört, geschweige denn selbst gesungen. In dieser Beziehung fehlen mir sozusagen die gesamten 90er Jahre. Das hole ich jetzt nach.“


Welchen Ort in NRW haben Sie zuletzt für sich neu entdeckt?

Uta Wittekind: „Die Insel Hombroich. Die weitläufige Landschaft dort rund um das Museum hat mich begeistert. Es gibt dort auch viele Tiere zu entdecken. Vor allem aber war ich von den Klangräumen im Museum fasziniert. Für jemanden wie mich, der selber singt und sich dort selbst ausprobieren kann, ist die Akustik einfach umwerfend. Die trägt einen regelrecht.“

    
Ihr persönlicher Lieblingsplatz in NRW

Uta Wittekind (lacht): „Den verrate ich nicht, sonst kommen womöglich alle dorthin … Nein, im Ernst: Am liebsten gehe ich im Düsseltal bei Schöller unter den vielen wunderbaren Kopfweiden, vorbei am Gut Schöller mit der kleinen Kapelle spazieren. Das ist gut und schnell erreichbar, und doch ist man mit einem Mal ganz weit weg und für sich. Egal ob im Frühjahr oder im Herbst. Denn im Wald ist es zu jeder Jahreszeit schön.“

Lieblingsorte & Tipps von Uta Wittekind


Natur pur in NRW: Erlebe Uhu Uwe hautnah

Martje Saljé Türmerin Persona, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.
Böhms Persona, © Ralph Sondermann, Tourismus NRW e.V.

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Gottfried Böhm ist einer der bedeutendsten Architekten des Landes. Erfahre mehr über ihn und seine drei Söhne, die ebenfalls als Architekten arbeiten.

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