„ja, das kenne ich das gefühl. wenn man puppen von den strippen löst: sie zappeln noch ein wenig, bevor sie zusammensacken. diese energie muss sich doch irgendwie bündeln lassen. es ist eine negative energie, eine fallhöhe, ein hinunterplumpsen, überhaupt nicht graziös, ein zusammenbruch. aber dennoch: ein moment der klarheit, wenn einen die gravitation nach unten zieht. das muss sich doch verwandeln lassen.“ (Zitat aus Puppen)
Puppen handelt in einer Zeit des Zerfalls. Liebe, Arbeit, Sprache zerfallen. Menschen versuchen noch über leer gewordene Tauschbegriffe zu kommunizieren, offenbaren ihre Zweifel, entlassen ihre Alpträume, kollektives Unbewusstes schwappt bruchstückartig an die Oberfläche. Angesichts des nahenden Zusammenbruchs kann nur die restlose Offenlegung der Schwächen etwas Neues hervorbringen.
In neun Szenen entwirft der Autor einen absurd-traumwandlerischen, polyphonen Stimmkörper, in dem neben dem Klandestino die Frau, die vom Schwindel überfallen wird, die Frisörin, der Fleischer, der hinter der Auslage steht auch ohne Fleisch, und der Chor, der die Arbeit abschafft, auftreten. Das Leben erscheint als urbane Kampfzone, in der Effizienzkonstruktionen, Warenverkehr und Konsenspolitik zusammenbrechen.
Gemeinsam mit dem Pianisten und Komponisten Hauschka und dem Fotografen und Musiker Stefan Schneider wird Kevin Rittberger auf originäre Weise Musiktheater, poetisches Labyrinth und Fotografie verbinden.
Veranstaltungen
Puppen
Düsseldorf
| 18.04.2012, 19:30 Uhr | Schauspiel | Schauspielhaus (Kleines Haus)

