Kölsch genießen, © Tourismus NRW e.V.

Geschichten und Fun Facts rund ums Bier


Von Hormonen, Hopfen und halben Hähnchen

Rund ums Bier gibt es viele Geschichten zu erzählen – gerade in NRW. Denn ein Brauhausbesuch im Rheinland hat seine ganz eigenen Gesetze.

Der Bierbauch

Die Erklärung wäre für IHN so einfach: Weibliche Hormone im Bier sind schuld am Bierbauch! Doch auch wenn es immer wieder behauptet wird – es stimmt so nicht. Zwar finden sich im Bier tatsächlich sogenannte phytoöstrogen wirksame Substanzen, die eine hormonähnliche Wirkung haben. Für Bierbauch und Brüste bei Männern sind sie allerdings nicht verantwortlich. Ihre Menge im Gerstensaft ist nämlich viel zu gering, als dass sie Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben könnten. Vielmehr sind wohl zu viele Kalorien, ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung schuld am Bäuchlein. Also, warum nicht mal in die Kneipe joggen?

Humulus lupulus

Ja, es stimmt: Hopfen, ein fester Bestandteil des Bieres, gehört wie Cannabis zur Familie der Hanfgewächse. Eine Droge aber ist der Humulus lupulus, so der botanische Name des Hopfen, deshalb noch lange nicht. Im Gegenteil: Im Jahr 2007 wurde der Hopfen wegen seiner beruhigenden Wirkung auf das Nervensystem sogar zur Arzneipflanze des Jahres gewählt. Denn anders als Cannabis enthalten die für die Bierherstellung verwandten Hopfenpflanzen kein Tetrahydrocannabinol (kurz: THC) und unterliegen deshalb nicht den Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes. Rauchen kann man Hopfen mithin nicht. Hanfbier allerdings brauten angeblich schon die Mönche im Mittelalter. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Hähnchen und Kaviar

Für Touristen hält der Brauhaus-Besuch im Rheinland so manche Tücke bereit. Beispiel: der Halve Hahn. Millionen Köln-Besucher haben sich nach der Bestellung schon voller Vorfreude auf ein halbes Hähnchen die Hände gerieben und was kam? „E Röggelcher mit Kies“, also schlicht ein Roggenbrötchen mit einer Scheibe Käse (und Senf), serviert mit einem süffisanten Grinsen des Köbes‘ (Kellners). Vorsicht ist auch geboten beim Kölschen Kaviar, denn auch hierhinter verbirgt sich nicht, was der gemeine Tourist erwartet. Statt der edlen schwarzen Fischeier kommt in diesem Fall eine mit vielen Speckwürfeln gespickte, deftige Blutwurst auf den Tisch. Aber Kaviar passt ja ohnehin besser zum Champagner als zum Bier.

Stößchen

15 Zentimeter hoch und rund 5 Zentimeter im Durchmesser, das ist die typische Kölsch-Stange, die im Volksmund (vor allem in Düsseldorf) gern auch als „Reagenzglanz“ verspottet wird. Gerade mal 0,2 Liter Kölsch passen in das hohe, schmale Glas, aus dem die Kölner angeblich seit Beginn des 20. Jahrhunderts ihr Bier trinken und behaupten, dass das Kölsch darin länger frisch bleibe und nicht so schnell schal werde. Das könnte aber auch einfach daran liegen, dass das Glas schneller leer wird als die Tulpe oder der Maßkrug. Aber es geht auch noch kleiner: „Stößchen“ heißt die 0,1-Liter-Variante der Kölsch-Stange. Das geht dann meist so: Anstoßen, Ansetzen … und mit einem Schluck ist alles weg.

Eisgekühlt

Bier-Sorten gibt es tausende in Deutschland. Aber Bier am Stiel? Klingt exotisch, Bier-Eis im praktischen Pappbecher findet man aber mittlerweile auch in NRW. Im Traditionsbrauhaus Füchschen in Düsseldorf beispielsweise steht gefrorenes Altbier seit 2014 auf der Karte. „Ausgeschenkt“ wird es selbstverständlich nur an Erwachsene. Denn wie heißt es beim Füchschen: „Warnung: Nichts für Kinder! Durch die Verwendung des original Füchschen Alt hat das Eis 2,2% Alkoholgehalt.“ Die Warnung gilt natürlich auch für alle, die daheim ihr eigenes Bier-Eis „brauen“ wollen. Man nehme: ein Eigelb, 100 Gramm Zucker, eine Tasse Rahm und eine Tasse Bier. Ab in den Kühlschrank damit, und fertig ist das Bier-Eis.

Wasser und Seife

„Sin mer hee em Schwemmbadd oder wat?“ Wer im Brauhaus – egal ob in Köln oder Düsseldorf – ein Mineralwasser bestellt, sollte sich auf den ein oder anderen pikierten Spruch des Kellners, also des Köbes‘, gefasst machen. Schließlich heißt ein Brauhaus Brauhaus, weil dort Bier getrunken wird. Sonst nix. Kein Wasser und erst recht kein neumodischer Kram wie Latte Macchiato oder so. Andernfalls heißt die Antwort schon mal etwas ruppig: „Seife und Handtuch bring ich auch gleich vorbei!“ oder „Wir sind ein Brauhaus und keine Badeanstalt“ oder auch „Wasch dich zu Haus!“.

Sauer Bier

Ganz schön dreist: Wie die Marktschreier boten die Brauer einst ihr verdorbenes, also saures Bier zum Verkauf an – wohl in der Hoffnung, dass schon keiner merken würde, dass der Gerstensaft nicht mehr so schmeckt wie er soll. Hauptsache, das Bier wurde verkauft und der finanzielle Verlust war nicht allzu hoch. Der Erfolg blieb jedoch meist aus. Noch heute spricht man aber davon, etwas anzubieten „wie sauer Bier“, wenn jemand sein Produkt um jeden Preis an den Mann bringen will.

Das schlägt dem Fass den Boden aus

Auch eine andere Redewendung geht zurück auf die Welt der Brauer: „Das schlägt dem Fass den Boden aus“, sagt man noch heute gern, wenn die Empörung groß ist. Früher war das durchaus wörtlich zu nehmen. So sollen die Ordnungshüter in Nürnberg im 14. Jahrhundert den Brauern, die verdorbenes (saures) Bier verkaufen wollten, die Fässer einfach zerstört haben, indem sie ihnen die Böden ausschlugen. Eine andere Geschichte bezieht sich auf das Reinheitsgebot der Wittelsbacher von 1516. Wer es wagte, sein Bier mit etwas anderem zu brauen als mit Gerste, Hopfen und Malz, wurde ebenfalls bestraft und das Bier aus dem Fass gelassen.

Deckel drauf

Ohne Worte: Im Brauhaus bekommt nicht der sein Bier, der eins bestellt, sondern der, der nichts sagt. Ist das Glas vor dem Gast leer oder so gut wie leer, bringt der Köbes unaufgefordert ein neues Bier. Deshalb ist der Gast schließlich hier. Aber irgendwann ist auch der bierseligste Abend vorbei. Dann sagt der Gast dem Köbes entweder, dass er zahlen möchte. Oder er legt einfach den Bierdeckel auf das leere Glas. Und schon weiß der Köbes Bescheid.

Hochprozentiges

Ein sogenanntes Herrengedeck besteht bekanntlich aus einem Bier und einem Schnaps. Beim Bierschnaps oder auch Bierbrand könnte man nun meinen, er ist schlicht beides in einem (Glas). Das wäre aber zu einfach und würde wohl auch kaum schmecken. Tatsächlich ist der Bierschnaps, eine fränkische Spezialität übrigens, eher so etwas wie ein „Abfallprodukt“ vom Bierbrauen. Denn ähnlich wie Wein kippt auch Bier irgendwann um – der Alkohol selbst allerdings wird nicht schlecht und kann mithin weiterverarbeitet werden – zu etwas Hochprozentigem mit typischem Bieraroma.

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