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Bier-Botschafter Matthias Kliemt, © Matthias Kliemt

Matthias Kliemt


Dein Bier-Botschafter für das Reiseland Nordrhein-Westfalen

Begib Dich mit Deutschlands erstem 3-Sterne-Biersommelier auf eine Expedition ins Bierreich und erfahre mehr über die einzigartige Bierkultur Nordrhein-Westfalens.

Matthias Kliemt ist ein Bierfachmann mit Brief und Siegel: Er ist der weltweit einzige 3-Sterne-Diplom-Biersommelier sowie Bierbotschafter IHK und wird im Jubiläumsjahr zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebots zum Bier-Botschafter für Nordrhein-Westfalen ernannt. 

Was bedeuten die drei Sterne vor dem Diplom-Biersommelier?
Während der Ausbildung zum Biersommelier gab es eine Extra-Aufgabe: Wer wollte, konnte 200 Biere verkosten, beschreiben und Speiseempfehlungen dazu abgeben. Das habe ich als einziger gemacht und darf deshalb die Sterne im Titel tragen.

Was genau macht denn ein Biersommelier?
Ich sehe es als meine wichtigste Aufgabe, den Menschen das Genussmittel Bier näher zu bringen. Deshalb biete ich Verkostungen an, in denen die Teilnehmer die unglaubliche Vielfalt kennenlernen und sie für Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten sensibilisiere. Zum Beispiel ist Pils ist nicht gleich Pils und zugleich haben Alt und Kölsch aber auch vieles gemeinsam.

Es gibt viele begeisterte Biertrinker in NRW – wie kam es, dass bei Ihnen ein Beruf daraus geworden ist?
Schon während meiner Studienzeit habe ich für die Vielfalt der Biersorten geschwärmt. Vor fast 20 Jahren habe ich mit einem Freund den ProBier-Club gegründet, der seinen Mitgliedern regelmäßig Bierspezialitäten regionaler Brauereien anbietet. Nach dem Raumplaner-Diplom habe ich mich endgültig entschieden, meine Passion zum Beruf zu machen.

Was begeistert Sie so am Bier allgemein und insbesondere am Bierland NRW?
Das ist die regionale Vielfalt. Bei rund 1400 Brauereien und 7000 verschiedenen Bieren in Deutschland könnte ich 19 Jahre lang jeden Tag ein anderes Bier probieren. Allein in NRW gibt es 130 Brauereien, die viele lokale und regionale Spezialitäten anbieten. Das wird nie langweilig, da gibt es ständig etwas Neues zu entdecken.
Ich kann mich immer wieder für die feinen Unterschiede der Altbiere begeistern, schätze Münsteraner Landbiere und überhaupt kreative Bierrezepte der experimentierfreudigen Hausbrauer. Und wer kennt schon Pumpernickel-Porter aus Münster, Barley Wine aus Oelde, India Pale Ale aus Witten. Oder wer weiß, dass in Detmold drei Frauen die Hosen anhaben und für besten Biergeschmack sorgen? Oder dass in Bonn, Köln, Hagen und Voerde die kreativsten Craftbierbrauer Deutschlands brauen. Ich liebe diese Vielfalt, die NRW uns bietet.

Was macht für Sie ein gutes Bier aus?
Ein gutes Bier polarisiert und schmeckt nicht jedem, weil es ein charakteristisches Aroma hat. Deshalb empfehle ich zu schauen, welche besonderen Biere es bei den Brauereien vor Ort gibt. Ein Bier, das der ganzen Welt schmecken muss, kann natürlich kein ausgeprägtes Geschmacksprofil haben, sonst schmeckt es nicht jedem. Als Westfale schätze ich besonders das Exportbier aus dem Ruhrgebiet, das malzaromatisch und kräftiger als ein Pils ist. Leider ist es zu Gunsten des Pils etwas in den Hintergrund geraten.

So ein mildes Exportbier wäre dann auch ein guter Tipp für Leute, die das Bittere am Bier nicht so mögen?
Ja unbedingt. Aber Weizenbier ist auch sehr fruchtaromatisch und lecker und dabei überhaupt nicht bitter.

Verändern sich die Geschmacksknospen eigentlich im Laufe des Lebens? Viele junge Leute mögen Bier anfangs ja zunächst nicht und trinken es später doch.
Es ist tatsächlich so, dass der Mensch im jungen Alter süße Geschmacksrichtungen bevorzugt. Das ist biologisch bedingt, in der Natur ist bitter ein Warnsignal für giftig. Je älter der Mensch wird, umso besser schmecken ihm kräftige Aromen und auch bittere Stoffe.

Was gilt es für den perfekten Biergenuss zu beachten? Spielen die Gläser eine Rolle?
Das Glas muss zum Biertyp passen. Aus dem schmalen Kölschglas zum Beispiel trifft das Bier eher die Zungenspitze, dort schmeckt man süß. Aus dem breiteren Altglas erreicht es schneller den hinteren Zungenbereich, dort sitzen überwiegend die Geschmacksknospen für bitter. Auch die Temperatur ist wichtig. Bier gehört auf keinen Fall ins Eisfach, bei der niedrigen Temperatur können sich keine Aromen entfalten. Die ideale Temperatur für ein Pils liegt so zwischen 7 und 9 Grad Celsius, ein Bockbier schmeckt bei 10 bis 17 Grad Celsius am besten.

Sehen Sie Craft-Biere als vorübergehende Modeerscheinung oder glauben Sie an eine langfristige Erfolgsgeschichte?
Grundsätzlich finde ich es klasse, dass es jetzt vermehrt neue Biersorten gibt, bei denen mit verschiedenen Hopfen-, und Malzsorten und Hefen experimentiert wird. Und durch diesen Trend erhält Bier insgesamt mehr Aufmerksamkeit, bekommt wieder ein positveres Image und wird wieder stärker als Genussmittel gewürdigt. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sich der Craft-Beer-Hype in Deutschland so entwickelt wie in den USA, denn wir haben hier sowieso schon eine unglaubliche Vielfalt. Entstanden ist der Trend ja vor 20 Jahren in den USA, wo es diese Sortenvielfalt traditionell nicht gibt.

Sie kochen auch mit Bier – haben Sie ein Lieblingsrezept, das Sie gerne empfehlen?
Einen Favoriten habe ich nicht. Aber ich mach mir meinen Balsamico zum Beispiel mit dunklem Bockbier immer selbst. Oder es gibt auch tolle Desserts mit Bier. Bier-Tiramisu schmeckt ganz fantastisch. Dafür werden die Löffelbiscuits in selbtsgemachtes Weißbiergelee getunkt, statt in Kaffee. Das schmeckt köstlich!

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Bier-Botschafter Matthias Kliemt, © Matthias Kliemt