Porträt aus der Werkstatt Lucas Cranachs d. Ä.: Martin Luther, um 1539. Zu sehen in der Ausstellung "Luther.1917 bis heute", © Foto: LWL-Museum für Kunst und Kultur (Westfälisches Landesmuseum), Münster/ Sabine Ahlbrand-Dornseif

500 Jahre Reformation in NRW


Veranstaltungen zum Wirken Martin Luthers und seinen Folgen

Es dauerte nicht lange, und die im Herbst 1517 veröffentlichten 95 Thesen Martin Luthers zeigten im Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalen ihre Wirkung. Die einen empfanden die Reformation als Befreiungsakt zugunsten eines freundlichen und barmherzigen Gottesbildes, die anderen nutzten sie zur Rechtfertigung eines blutigen Aufstands. Zum 500-jährigen Reformationsjubiläum, das bis zum 31.10.2017 gefeiert wird, gibt es reichlich Gründe, sich in NRW auf Spurensuche der Reformation zu begeben.

„Luther – 1917 bis heute“

Ist er der Held der Geschichte – oder gar ein Anti-Held? Und wer hat welches Geschichtsbild des Reformators  propagiert? Die Sonderausstellung „Luther – 1917 bis heute“ der Stiftung Kloster Dalheim (bis 31.10.2017) im ostwestfälischen Lichtenau widmet sich dieser interessanten Frage. Galt Martin Luther im Kriegsjahr 1917 zum 400-jährigen Reformationsjubiläum noch als Nationalheld des Kaiserreichs, und sein Choral „Eine feste Burg“ als Durchhalteparole für die Soldaten, wurde er schon ab 1933 für nationalsozialistische Propaganda vereinnahmt: Luthers judenfeindliche Äußerungen nutzten die Nazis zur Rechtfertigung ihrer Handlungen.

Auf rund 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche führt die Reise durch die deutsche Geschichte auch in die DDR. Hier schien der Theologe Luther aufgrund seiner Äußerungen gegen die Bauernaufstände zunächst nicht als Volksheld geeignet. In den 1980er Jahren wendete sich das Blatt. Nun versuchte die Staatspartei SED, Luther zu vereinnahmen und zum ersten Revolutionär des Landes zu stilisieren. Mehr als 300 Ausstellungsstücke geben auch Antworten darüber, welches Bild des ehemaligen Augustinermönchs Martin Luther heute vermittelt wird – zwischen Glaube, Politik und Kommerz.

Auf dem weitläufigen, malerischen Gelände des ehemaligen Frauenklosters und Augustiner-Chorherrenstifts wird Mitte 2017 ein weiteres Kapitel aufgeschlagen: In „Luthers Garten“ wird angebaut, was im Haushalt des Reformators auf den Tisch kam – wie einst in dem großen Nutzgarten in Wittenberg. Und auch was in den Krug kam, kann heute nachvollzogen werden: die Ausstellungsbesucher sollten sich den Genuss des eigens im Landesmuseum für Klosterkultur gebrauten „Dalheimer Lutherbräu" nicht entgehen lassen. Ein umfassendes Rahmenprogramm ergänzt die Ausstellung.
www.stiftung-kloster-dalheim.lwl.org

„Der geteilte Himmel“

Die Kirchenspaltung, maßgeblich ausgelöst durch Martin Luther, trennte bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts vielerorts die Katholiken von den Protestanten. An diese Zustände erinnert „Der geteilte Himmel“, die Sonderausstellung im Ruhr Museum auf dem Gelände des Welterbes Zollverein in Essen (3. April bis 31. Oktober 2017). Zugleich untersucht die Ausstellung das religiöse Zusammenleben unterschiedlicher Religionen und Konfessionen seit dem Spätmittelalter. Heute leben im Ruhrgebiet Angehörige von etwa 230 Glaubensrichtungen. Weitere Ausstellungen zusammen mit dem Forum Kreuzeskirche Essen und dem Martin Luther Forum Ruhr in Gladbeck ergänzen seit Oktober 2016 dieses ruhrgebietsumspannende Veranstaltungsprojekt.
www.der-geteilte-himmel.de

Münsters „Täuferreich“

Die reformatorischen Strömungen, die von Wittenberg aus über das Land zogen, steigerten sich im westfälischen Münster mit der Bewegung der „Täufer“ ins Extreme. Was nach 1517 als üblicher religiöser Protest und als Bürgeraufstand gegen die Vormacht des Bischofs begonnen hatte, endete 1535 in einer blutigen Katastrophe. Im „Täuferreich“ wurde die Kindertaufe zugunsten einer Erwachsenentaufe abgeschafft, es kam zu einer Art Bildersturm gegen Heiligenbilder und Altäre. Eine neu eingeführte Gesellschaftsordnung sah Gemeineigentum, Mehrehen für Männer und eine Königskrönung vor. Doch der Bischof ließ sich diese „Ketzerei“ nicht bieten. Sein Sturm auf Münster endete 1535 mit vielen Opfern in der Bevölkerung. Die Anführer der „Wiedertäufer“ wurden gefoltert, hingerichtet und in Eisenkäfigen hoch oben am Turm der Lambertikirche aufgehängt. Dort hängen die „Wiedertäuferkäfige“ noch heute. In seiner Ausstellung erinnert das Stadtmuseum Münster an diese grausame Epoche, mehrere Anbieter führen zum Thema durch Münsters Altstadt.

www.stadt-lupe.de | www.stadtfuehrungen-in-muenster.de | www.stattreisen-muenster.de

Minden auf dem Stationenweg zur Reformation

Reformatorische Einflüsse gelangten schon sehr früh nach Luthers Veröffentlichung der Thesen in die Weserstadt Minden. Gegen den Widerstand des katholischen Domkapitels fanden reformatorische Inhalte Eingang in die Predigten, Personen aus Luthers Umfeld waren in Minden zu Gast. Die Bürger unterstützten diese Bewegung und befreiten den von Luthers Lehren beeinflussten Pfarrer Heinrich Traphagen aus der Kerkerhaft. Minden ist daher heute eine Station auf dem Europäischen Stationenweg zur Reformation.
www.minden.de

Protestantische Wege durch Velbert

Der Velberter Stadtteil Neviges ist heute für die Architektur seines Wallfahrtsdoms international bekannt. Weniger bekannt ist aber, dass etwa zwei Drittel der Bevölkerung evangelisch sind. Sehr früh hatten sich die Bewohner des heutigen Neanderlandes unter Freiherr von Bernsau hinter die freiheitlichen Lehren Luthers gestellt. Erst im Zuge der Gegenreformation wuchs der katholische Bevölkerungsanteil wieder. Freifrau Anna von Asbeck ließ 1670 wieder eine katholische Kirche errichten und holte 1676 die Franziskanermönche nach Neviges. Heute führt die Wanderung „Wege von Protestanten und Franziskanern“ auf die Spuren dieser Zeit und zu den verschiedenen Kirchen des Ortes.
Der Flyer zur Wanderroute: www.neanderland.de

Reformation am Niederrhein

Eine regionale Perspektive auf die Wirkung der Reformation wirft die Ausstellung "Unterwegs – 500 Jahre Reformation am Niederrhein" im Museum Voswinckelshof in Dinslaken.
www.dinslaken.de

Luthers bester Freund: Lucas Cranach d. Ä.

Sein Werk prägt unser Bild von Luther bis heute: Lucas Cranach der Ältere war ein enger Freund des Reformators und Schöpfer mehrerer Luther-Porträts. In der Ausstellung „Cranach: Meister – Marke – Moderne“ (8. April bis 30. Juli 2017) im Düsseldorfer Museum Kunstpalast erhalten die Besucher die Chance, anhand von Werken Cranachs in die Zeit Luthers zurückzureisen. Dazu wird die Wirkung von Cranachs Werk bis in die Moderne hinein erkundet.
www.smkp.de

 

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